Bewohner gefesselt, geschlagen und bedroht

Brutaler Raubüberfall in Neckargartach: Angeklagter schweigt!

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Der Angeklagte schweigt vor dem Heilbronner Landgericht.
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Weil er vier Menschen auf abscheuliche Weise überfallen und erpresst haben soll, steht ein Georgier jetzt vor Gericht.

Es ist ein wahr gewordener Albtraum! Mitten in der Nacht stehen plötzlich drei Männer im Schlafzimmer – mit Klebeband, Mullbinden und extremer Gewaltbereitschaft: Was ein Ehepaar sowie eine 90-jährige Frau und ihre Pflegerin im November 2017 (wir berichteten) in ihrem Haus in Heilbronn-Neckargartach durchleben mussten, lässt erschaudern. Von zwei Tätern fehlt immer noch jede Spur. Seit heute steht allerdings ein 29-jähriger Mann aus Georgien als mutmaßlicher Täter vor dem Landgericht Heilbronn.

Einbrecher in Heilbronn-Neckargartach: Rückblick auf den brutalen Überfall

Zunächst ein Rückblick auf den brutalen Überfall an einem Donnerstag im November 2017: Das Ehepaar wird von den Einbrechern im Bett gefesselt und geknebelt, die Seniorin auf ihrem Toilettenrollstuhl, die Pflegerin auf der Toilette. Die drei Einbrecher durchsuchen das Haus nach Wertsachen, werden aber nicht fündig. Also fangen sie an zu drohen!

Sie drücken der Ehefrau die Kehle zu, halten ihr spitze Gegenstände an den Hals und kündigen an, ihr die Kehle aufzuschlitzen. Den Mann schlagen sie, mit einem Schraubenzieher in der Hand, mitten ins Gesicht. Er hatte Glück im Unglück: Seine Nase bricht nicht, sonst wäre er womöglich erstickt.

Einbrecher greifen zu immer schlimmeren Mitteln: Mann übergibt Tresor-Schlüssel

Doch die Einbrecher sind noch nicht fertig: Sie greifen zu einem schweren Türstopper aus Metall. Das Ehepaar hat Angst um sein Leben! Um seine Frau vor den Schlägen zu bewahren, rückt der Mann schließlich den Schlüssel zu zwei Tresoren heraus.

Die Einbrecher erbeuten Schmuck und Bargeld im Wert von 37.000 Euro. Sie drohen sogar, der 90-Jährigen den Ehering vom Finger zu schneiden! Völlig verängstigt rückt sie den Ring raus. Die drei Männer können anschließend entkommen.

Prozess am Landgericht Heilbronn: Indizien gegen Angeklagten sind erdrückend

Der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth macht gleich zu Beginn des Prozesses klar: Er erwartet ein Geständnis des Angeklagten. Indizien gibt es genug. Es wurden mehrere DNA-Spuren des Mannes am Tatort gefunden, außerdem ein zu seinen Schuhen passender Fußabdruck.

Besonders krass: Als der mutmaßliche Täter im Dezember bei einer Verkehrskontrolle festgenommen wird, liegen Wechselklamotten, Handschuhe und Werkzeug im Wagen. Im Navigationssystem seines Smartphones ist die Gegend um den Tatort als Ziel eingespeichert. "Das ist entweder eine Häufung von ungewöhnlich vielen Zufällen", sagt Richter Kleinschroth. "oder es ist einfach sehr erdrückend."

Überfall in Heilbronn-Neckargartach: Mutmaßlicher Einbrecher schweigt weitestgehend

Der Angeklagte, der bereits bei seinen Vernehmungen falsche Angaben gemacht haben soll, schweigt hartnäckig zu den Vorfällen. Ob er Angst vor Hintermännern hat? Er soll zu einer deutschlandweit agierenden Gruppe gehören, die immer wieder ähnliche Überfälle begeht.

Lediglich zu seiner Person erteilt der Mann Auskünfte: Er sei in Georgien als Sohn einer Ärztin und eines Fußballtrainers geboren worden, habe Pharmazie studiert und danach keine Arbeit gefunden. Seine Eltern unterstützten ihn finanziell, mit seiner ersten Ehefrau und der gemeinsamen Tochter hätte er monatlich ungefähr 300 Euro zur Verfügung gehabt – das Doppelte des georgischen Durchschnittseinkommens, wie er selbst erklärt!

Mit seiner zweiten Ehefrau adoptierte er eine weitere Tochter. Schulden habe er keine, auch nehme er keine Drogen und trinke keinen Alkohol. An dieser Stelle hakt Richter Kleinschroth noch einmal nach: "Wodka ist auch Alkohol. Wirklich gar keinen?" Doch der Georgier bleibt dabei: Gar keinen Alkohol. Und gar kein Geständnis.

Von Julia Weller

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