Der 22-Jährige ist besitzergreifend und hat seine Freundinnen gestalkt

Bombendrohung: Die zwei Gesichter des Angeklagten

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Das Urteil gegen Marcel T. soll am 16. März fallen.                                 
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Marcel T. machte seinen Freunden absurde Vorschriften. Dennoch ließen sie ihn nicht fallen.

Wenn ihn seine Freunde brauchen, hat er immer ein offenes Ohr, hilft bei Problemen. Man kann sich auf ihn verlassen, er ist witzig und ein "verrücktes Huhn". Doch Marcel T. kann auch anders: Einfach aus der Laune heraus pöbelt er wildfremde Leute an, beschimpft sie auf der Straße. Geht es nicht nach seinem Kopf, ist er sofort beleidigt und eingeschnappt. Und selbst im Freundeskreis wird T. ausfällig: "Du bist blond und damit blöd", soll er einfach so zu einer Freundin gesagt haben. Offenbar amüsiert sich der 22-Jährige gerne auf Kosten anderer.

Am dritten Prozesstag um den mutmaßlichen Brandstifter von Bad Wimpfen und mutmaßlichen Bombendroher vom Heilbronner Volksfest in der Nacht zum 30. Juli 2016 sind heute sechs junge Frauen als Zeuginnen geladen. Sie sind aus unterschiedlichen Cliquen, mit denen der Angeklagte seine Freizeit verbracht hat. Vor dem Heilbronner Landgericht schildern sie dabei alle ein auffallend ähnliches, aber zwiespältiges Bild des jungen Mannes, der die Taten bereits zugegeben hat.

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"Am liebsten hätte ich nur mit der freundlichen Seite von Marcel zu tun gehabt", sagt zum Beispiel eine 19-Jährige aus Neckarsulm. Aber es gab immer auch die anstrengende Seite von T.: Wenn sich Freundinnen ohne ihn verabredeten, fühlte er sich ausgegrenzt und unbeliebt, erzeugte grundlos Spannungen und versuchte, die Leute gegeneinander auszuspielen.

Eine von T.s besten Freundinnen, eine 23-jährige Öhringerin, spricht gar von völlig absurden Vorschriften: "Marcel hat mir verboten, eine Freundin bei der Begrüßung zu umarmen oder mich neben sie zu setzen." Immer wollte er wissen, was seine Freundinnen gerade machen, wenn sie nicht mit ihm unterwegs waren. Diese Neugier ging sogar bis zum Stalking, wie mehrere Zeuginnen berichten: Immer wieder sei er nachts bei den jungen Frauen vorbeigefahren, habe geschaut, ob noch Licht brennt und sie zuhause sind. Mehrfach bezeichnen die Frauen den 22-jährigen Bad Wimpfener als besitzergreifend. Und das, obwohl er offenbar an keiner der Frauen sexuell interessiert war.

Die Brandstiftungen und die Bombendrohung können sich die Zeuginnen nur damit erklären, dass T. immer gern im Mittelpunkt steht, über die Folgen seines Handelns aber kaum nachdenkt. Um sich wichtig zu machen, habe er auch im Freundeskreis permanent geprotzt: Er besitze bald eine eigene Firma, seine Mietwohnung sei angeblich sein Eigentum und seiner Mutter gehöre bald eine Millionenvilla. Eine 18-jährige Zeugin aus Heilbronn: "Wir haben ihn nicht ernst genommen, er hat ja ständig gelogen. Aber so ist er halt, der Marcel."

In den Stunden vor der Bombendrohung sei T. wie immer gewesen. Mit drei Freundinnen war er zunächst auf dem Heilbronner Volksfest, anschließend überlegte die Gruppe, zum Feiern in den Heilbronner Musikpark zu gehen. Die 23-jährige Öhringerin: "Auch wenn Marcel das Gegenteil behauptet: Wir haben gefragt, ob er mitkommen möchte. Streit hat es an dem Abend nicht gegeben. Aber Marcel hat sich oft völlig grundlos ungeliebt und ausgegrenzt gefühlt."

Als die Polizei den Mitschnitt des Drohanrufs veröffentlichte, stockte den jungen Frauen beim Hören der Atem: "Ich habe sofort Marcels Stimme erkannt und war völlig schockiert", sagt die Öhringerin. Die Frauen berieten sich untereinander - und gingen zur Polizei. Die 23-Jährige: "Marcel tut alles, um im Mittelpunkt zu stehen. Wir haben ihn verraten, weil wir diese Dimension seines Verhaltens nicht mehr durchgehen lassen konnten. Wir haben uns gefragt: Was kommt als Nächstes?"

Auch wenn T. ständig log, abgewandt haben sich seine Freunde auch jetzt noch nicht von ihm. Einige wollen ihn demnächst auch in der Haft besuchen. Den Vorwurf vom ersten Prozesstag, seine Freunde seien "Ratten", weil sie ihn verraten haben, bereut T. mittlerweile ausdrücklich. Vielleicht haben die Freundinnen durch den Gang zur Polizei den jungen Mann auch vor sich selbst geschützt - und gerade dadurch ihre Freundschaft in aller Deutlichkeit bewiesen. 

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