Sein Brandgeständnis könnte die Strafe mildern

Bombendroh-Prozess: Marcel T. drohen mehrere Jahre Haft

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Nach der Bombendrohung hatten viele Besucher des Heilbronner Volksfests ein mulmiges Gefühl.
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Am vierten Prozesstag gibt es weitere Erkenntnisse zum Charakter des Angeklagten.

Marcel T. ist ein junger Mann, der sich offenbar wenige Gedanken über die Folgen seines Handelns macht. Einer, der erst tut - und dann überlegt. So schildert auch eine Sozialpädagogin den 22-Jährigen heute vor dem Heilbronner Landgericht. An einem freien Bildungsträger erhielt T. dort 2014 Unterstützung bei Bewerbungsprozessen. Aber er war unzuverlässig, ist oft nicht erschienen. Ähnlich wie T.s Freunde hat auch sie dabei zwei Seiten des Angeklagten kennengelernt: Mal war er höflich und freundlich, dann wieder prahlerisch und großkotzig.

Neben der Volksfest-Bombendrohung in der Nacht auf den 30. Juli 2016 wird dem Bad Wimpfener auch versuchter Mord im Rahmen einer zweifachen Brandstiftung in seinem Wohnhaus vorgeworfen. Am vierten Prozesstag erklärt ein Architekt die Schäden im Wohnhaus, die der Brand im Müllraum ausgelöst hat: Das ganze Haus war voller Ruß, Versorgungsleitungen waren beschädigt, die TV- und Internetanlage des Hauses zerstört. Die Folgen: Handwerker mussten Putz abschlagen und Malerarbeiten leisten. Allein der zweite Brand richtete einen Gesamtschaden von 80.000 Euro an.

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Laut Untersuchungen des psychiatrischen Gutachters leide Marcel T. unter ADHS, habe ein gestörtes Sozialverhalten, sei leicht kränkbar und habe eine niedrige Frustrationsgrenze. Wegen ADHS sei der 22-Jährige auch schon in Behandlung gewesen. Seine Intelligenz liege im Normbereich. Das Ergebnis des Gutachters: Was die Brandstiftung angeht, ist T. voll schuldfähig.

"Bei einem Feuer kommt die CO-Vergiftung leise und unbemerkt. Es ist nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte ein Bewohner beim nächtlichen Toilettengang das Feuer nicht bemerkt", sagt der ermittlungsführende Kriminaloberkommissar. T. gibt zu, dass er die Gefährlichkeit von Rauchvergiftungen sehr wohl kenne. Nachdem er den sinnlosen Brand gelegt hatte, ging er aber einfach wieder zurück in seine Wohnung: "Ich dachte halt, es wird schon nix passieren."

Nach der Veröffentlichung des Bomben-Drohanrufs meldeten sich rasch mehr als 30 Personen bei der  Polizei. 24 davon erkannten die Stimme von Marcel T. Erst im Zuge der Bombendroh-Ermittlung rückte T. auch bei dem Wohnhausbrand in den Fokus.

Die Brandstiftung gab er bald zu - und das könnte seine Strafe mildern. Richter Roland Kleinschroth: "Es war wichtig, dass T. die Brände gestanden hat." Womöglich wäre der Täter wohl sonst nie ermittelt worden. Dennoch stehen wegen besonders schwerer Brandstiftung mindestens fünf Jahre, wegen versuchten Mordes mindestens drei Jahre Haft im Raum. Das Urteil soll am Donnerstag, 16. März, fallen.

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