Im Raum stehen 200.000 Euro Schadenersatz

Volksfest-Drohanrufer: "Ich wollte Aufmerksamkeit"

+
Marcel T. ist der Volksfestbombendroher vom vergangenen Sommer.
  • schließen

Der 22-Jährige kam in seiner Clique nicht gut an und ist mit seiner finanziellen Situation unzufrieden.

Zuerst ruft er bei der Polizei an, zischt ins Telefon: "In einer Stunde Bombe Theresienwiese." Doch im Nachhinein denkt er sich: "Oh, Shit, das hat noch schlimme Konsequenzen für mich." Sinnlos war die Tat in jedem Fall, genützt hat sie keinem. Und seine persönlichen Probleme hat der 22-Jährige damit auch nicht gelindert.

Seit heute Morgen steht Marcel T. aus Bad Wimpfen vor dem Heilbronner Landgericht und muss sich für seinen Drohanruf bei der Polizei in der Nacht zum 30. Juli 2016 verantworten. Letztendlich war die Bomben-Behauptung zum Start des Heilbronner Volksfests nur heiße Luft, Konsequenzen hatte sie dennoch: Die Polizei räumte das Festgelände, die Schausteller machten weniger Umsatz und in den weiteren Festtagen schlenderten viele Besucher mit mulmigem Gefühl zwischen den Buden umher - wenn sie überhaupt erschienen. Experten beziffern den Gesamtschaden auf 200.000 Euro. Und die werden dem Angeklagten wohl in Rechnung gestellt. Ein teurer Anruf!

Süße Kids machen das Volksfest unsicher

Der Grund für den Drohanruf aus einer Telefonzelle in der Klingenberger Straße in Heilbronn-Böckingen: Sozialer Frust und Unzufriedenheit mit sich selbst. In seiner Clique, die vornehmlich aus jungen Frauen besteht, gab es immer wieder Zoff und Ablehnung seiner Person. Als er dann am Abend des 29. Juli wieder übergangen wurde, entlud sich der Frust. T. erzählt vor Gericht: "Drei Freundinnen und ich schlenderten durch das Volksfest. Die anderen haben dann beschlossen, in die Heilbronner Disco Musikpark zu gehen. Ich wurde nicht einmal gefragt." Da überlegte er laut, was wohl wäre, wenn es während des Volksfests eine Bombendrohung gäbe. Wirklich ernst nahmen seine Freundinnen diese Bemerkung nicht.

Während sich das Trio auf der Tanzfläche vergnügte, fuhr der Bad Wimpfener ziellos umher. Von der Telefonzelle wusste er, weil gegenüber eine Bekannte wohnt. "Natürlich habe ich nicht mit dem Handy angerufen, ich wollte ja nicht erwischt werden." Dass aber er der Anrufer war, das sollten seine Freundinnen ruhig erahnen: "Ich wollte einfach mal ernst genommen werden. Ich hätte auch nicht gedacht, dass sie mich bei der Polizei verpfeifen."

Kurz nach dem Anruf sei ihm klar geworden, dass das schlimme Konsequenzen haben könnte. "Ich wollte nicht Angst und Schrecken verbreiten, obwohl mir ja klar war, dass genau das die Folgen meines Anrufs sein werden. Ich wollte einfach nur, dass die Mädels mich respektieren und wahrnehmen."

Dazu kommt persönlicher Frust: Er sei mit seiner finanziellen Situation unzufrieden. Im Falle eines Urteils wird sich daran so schnell auch nichts ändern. Richter Roland Kleinschroth fragt, woher er denn die 200.000 Euro, die im Raum stehen, nehmen würde. T.: "Das Geld habe ich nicht."

Das Urteil soll am Donnerstag, 16. März, fallen.

Die Top-Themen in Heilbronn und der Region

Mehr zum Thema:

Volksfest mit Bombe bedroht: Prozess gegen 22-Jährigen

Anruf nach Mitternacht: Volksfest nach Bombendrohung geräumt

Volksfest-Bombendrohung: Tatverdächtiger festgenommen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare