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Zehn bis 15 Jahre Rückbau – so geht‘s nach der AKW-Abschaltung in Neckarwetsheim weiter

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Von: Michaela Ebert

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Am 15. April kommt es in Deutschland zu einem historischen Ereignis: dem Ende der Atomenergie. Auch in Neckarwestheim wird das Atomkraftwerk an diesem Tag heruntergefahren. Doch was folgt danach?

Das Ende der Atomkraftära in Deutschland ist besiegelt, das Atomkraftwerk Neckarwestheim längst vom Netz. Dennoch wird der Rückbau die Region noch jahrzehntelang beschäftigen. Bis zu 15 Jahre sollen die Arbeiten in und um den Meiler andauern, wie echo24.de bereits berichtet.

Doch was genau ist geplant? Wie kann man sich den Rückbau vorstellen? echo24.de hat beim Betreiber EnBW nachgefragt und Antworten zu der umfassenden Rückbaustrategie erhalten. Diese wurde übrigens bereits mit der Ankündigung des deutschen Atomkraftausstiegs 2011 geplant und schon 2012 abgeschlossen.

„Masterplan“ von Betreiber EnBW: Rückbau des AKW Neckarwestheim wird bis zu 15 Jahre dauern

Dennoch soll zunächst alles anders kommen, als geplant. Die im Dezember 2022 beschlossene Laufzeitverlängerung der drei letzten verblieben Atomkraftwerke, darunter auch das Kernkraftwerk im Landkreis Heilbronn, wirft die Pläne zunächst durcheinander – und die sind teilweise auf einzelne Tage exakt abgestimmt. Mit großem Aufwand, heißt es seitens der EnBW, müssen sie daraufhin umgeplant werden.

Kernkraftwerk Neckarwestheim
Blick auf das Kernkraftwerk Neckarwestheim. © Bernd Weißbrod/dpa

Doch für den Betreiber scheint dies zunächst kein Problem zu sein. Immerhin befinden sich bereits vier weitere EnBW-Kernkraftwerke in Baden-Württemberg im Rückbau – darunter auch Block 1 in Neckarwestheim:

Rückbau des AKW Neckarwestheim: Formale Maßnahmen und Freigabe der Behörden notwendig

Seit April steht nun auch der Block 2 in Neckarwestheim still. Die eigentliche Abschaltung bezeichnet der Betreiber selbst als Standardprozess, der auch regelmäßig zur jährlichen Revision durchgeführt wurde – und am 15. April 2023 dann eben zum allerletzten Mal. Dabei wurden sogenannte Steuerstäbe schrittweise in den Reaktorkern eingefahren.

Neckarwestheim im ÜberblickDaten
Bauzeit1984 bis 1989 (jüngstes deutsches AKW)
Erste Einspeisung ins öffentliche Stromnetz3. Januar 1989
Jährliche Stromproduktion11 Milliarden Kilowattstunden (rund 1/6 des jährlichen Strombedarfs in Baden-Württember)
Bis zur Abschaltung375 Milliarden produzierte Kilowattstunden

Doch wie geht es nun weiter? Zunächst wurden die Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter entfernt und anschließend in das benachbarte Lagerbecken überführt. Zudem sind formale Schritte notwendig. So muss zum Beispiel ein notwendiges Betriebsreglement für den sogenannten „Restbetrieb“ des Atomkraftwerks in Kraft gesetzt und die Genehmigung „in Anspruch“ genommen werden. Zudem müssen die Behörden die detaillierte Beschreibung der ersten einzelnen Abbauvorhaben freigeben – erst dann darf mit den eigentlichen Abbautätigkeiten begonnen werden.

Abbautätigkeiten am AKW-Neckarwestheim: Entfernen der Brennelemente und Dekontamination

Anschließend – und noch bevor die Abbautätigkeiten starten – werden nukleare Systeme „dekontaminiert“. Denn: Durch feine Risse kann beispielsweise radioaktives Material in den Beton eingedrungen sein.

Walter Hackel, Ex-Leiter des Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich sieht darin eine der größten Schwierigkeiten: „Das ist eine der eigentlichen Herausforderungen beim Rückbau, dass man die Materialien ganz sauber trennt, zwischen dem was sauber ist, also dekontaminiert und nicht radioaktiv, was in den normalen Müllkreislauf kann, und dem Abfall. Und die Kunst ist eben möglichst wenig Abfall zu erzeugen und möglichst viel freigabefähiges Material“, erklärt der Experte gegenüber dem „Südwestrundfunk“ (SWR).

Zudem muss ohnehin erst ein Endlager für den radioaktiven Müll gefunden werden – das wohl größte Problem nach der Abschaltung der Atomkraftwerke. Die Abschaltung des AKW Neckarwestheim hinterlässt somit viele Fragen. Auf die meisten davon gibt es Antworten, auf manche allerdings nicht.

Erste Abbau-Tätigkeiten: Demontage von Kühlmittelleitungen und Rückbauten im Reaktordruckbehälter

Zu den ersten Abbautätigkeiten zählt die Demontage der Hauptkühlmittelleitungen. Dabei handelt es sich um Rohre mit rund einem Meter Durchmesser. Außerdem werden die Einbauten des Reaktordruckbehälters zerlegt – das geschieht sogar unter Wasser.

Bis jedoch auch von außen sichtbare Rückbau-Maßnahmen stattfinden, wird laut Lutz Schildmann, Pressesprecher der EnBW, noch viel Zeit vergehen. Ob die Gebäude abgerissen werden, klärt sich erst zu einem späteren Zeitpunkt – der Abbau in den Gebäuden hat Priorität.

Der gesamte Rückbau soll rund sieben Milliarden Euro kosten und wird vom Betreiber durch entsprechende Rücklagen selbst finanziert. Rein gesetzlich ist die EnBW dazu übrigens ohnehin verpflichtet.

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