Da ging's ab

Bilder: Procol Harum rocken in der Harmonie

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Sänger Gary Brooker und Procol Harum - das gehört untrennbar zusammen. Der britischen Rockband gab Brooker seine Stimme und ein ebenso markantes Orgelspiel in Welthits wie "A Whiter Shade Of Pale". Am Sonntagabend rockte die Band die Heilbronner Harmonie. 

Procol was? Das dürfte wohl der Gedanke von vielen gewesen sein, die dieser Tage die Plakate für das Konzert von Procol Harum in Heilbronn sahen – zumindest wenn sie unter sechzig sind. Doch wenn sie die ersten Takte von "A whiter shade of pale" hören, geht dann doch so ziemlich jedem ein Licht auf. Das 1967 erschienene Lied war einfach ein Megahit und taucht auch heute noch immer wieder in Filmen und im Radio auf. 

Das war am Sonntag in der Harmonie erst die Zugabe. Vorher begeisterte die britische Band ihre Fans mit echtem Classic Rock in einer Qualität, die kaum zu toppen ist. Ottenweiler, Heidelberg, sogar Garmisch-Partenkirchen – die Leute sind von weit her gereist, um diesen Auftritt mit zu erleben. "A whiter shade of pale ist einfach sein Lied, damit hab ich ihn überrascht“" erzählt Gabi Mönch aus Ottenweiler über ihren Mann Gerhard. 

Der freut sich schon diebisch auf das Konzert mit den alten Rockrecken. "Wir haben das nötige Alter für Procol Harum", sagt Christiane Müller-Zimmermann aus Heidelberg und lacht. Das sei einfach ihre Zeit gewesen. "Mein Mann will a whiter shade of pale auf seiner Beerdigung", verrät sie. Gänzlich unaufgeregt betritt die fünfköpfige Band die Bühne. 

Gary Brooker ist der Einzige, der von der ursprünglichen Besetzung übrig geblieben ist, aber auch die jetzige Formation spielt schon lange zusammen. "Wohoo", hört man aus dem Publikum die ersten Begeisterungsschreie. Und dann beginnt Brooker zu singen. Der Mann hat weiße Haare, ist 73 Jahre alt, sitzt an seinem Klavier und haut eine Stimme raus, die den Saal erbeben lässt. Einfach irre, rauchig, intensiv. 

Da sind echte Rockhymnen dabei, "An English dream" zum Beispiel – da dürfte bei manchem im Publikum die Jugend vor dem inneren Auge vorbei ziehen. Als noch Zeit war für richtig lange Instrumentalteile. Als man noch nicht alles auf dem Handy festgehalten hat, sondern seinen Kumpels einfach erzählt hat, wie geil das Konzert war. 

An diesem Abend wird dann aber doch das Smartphone gezückt – das muss wohl einfach festgehalten werden, als Beweis, dass man dabei war, als Procol Harum in Heilbronn spielten. Die Band zehrt aber nicht nur von der Vergangenheit, gerade erst 2017 ist ihr neuestes Album "Novum" erschienen, aus denen sie auch einige Lieder zum Besten geben. Man sollte jetzt denken, im Alter wird man milder, aber nein, die neuen Sachen sind sogar eher härter als die alten. 

Procol Harum können aber auch Balladen, "Sunday morning" etwa, das geht einem richtig ans Herz. Die haben auch was zu sagen, Kapitalismus- und Brexitkritik finden Gehör. Das Konzert endet mit stehenden Ovationen und dann, ja dann kommt er endlich, der Megahit – über sechs Minuten lang und wenn es nach den Fans gegangen wäre, hätten sie ruhig noch ein paar Minuten drauf packen können.

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