Chancen geben

Deshalb macht dieser Heilbronner DJ viel mehr als Musik

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Ben Bynum tut das, was er gerne macht.
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Auch junge Menschen machen Kultur! Und dieser Mann unterstützt Kreative dabei, sich zu verwirklichen.

Es ist Mittwochmorgen, 10 Uhr. Mit Ben Bynum treffe ich mich bei Falafel Beirut, einem Geheimtipp in Heilbronn. Den Inhaber begrüßt mein Gesprächs-Partner wie einen alten Freund. Es ist gemütlich hier, unseren Kaffee bekommen wir in alten Sammlertassen. Hat was. Wir treffen uns, weil der 33-jährige Veganer etwas Neues macht in Heilbronn. Etwas für Künstler, für Musiker, Maler und Kreative.

Massage-Therapie, DJ, Kunst und Kultur in Heilbronn: Wie passt das zusammen?

Würde ich Ben nicht als jahrelangen Szene-DJ kennen, wäre ich vielleicht gar nicht darauf angesprungen. "Irgendwas Kreatives" machen ja viele. Aber er scheint eine Vision zu haben. Er sagt: "Junge Leute mögen und machen Kultur. Es hört ihnen aber oft keiner zu, sie bekommen gar nicht die Möglichkeit, zu zeigen, was sie können." 

Zu Beginn des Gesprächs legt er mir drei Visitenkarten auf der Tisch. Eine ist schwarz-weiß, auf der zweiten schaut mir ein Gorilla entgegen "Straight outta Jungle" (Dt.: "Direkt aus dem Dschungel") steht darauf. Passt irgendwie zu dem Typen, der da neben mir sitzt. Ist ihm die Karte von der Massage-Therapie versehentlich dazwischen gerutscht? Nein, überall steht Ben Bynum drauf. Muss man das verstehen? Macht der alles und nichts ganz? Im Gespräch überzeugt der zweifache Vater vom Gegenteil: "Ich mache Menschen gerne glücklich und alles, was ich tue, hat damit zu tun. Das greift alles sinnvoll ineinander."

Aus alt mach neu: Neuer Name, neuer Job, neues Alles

Ben Bynum tut das, was er gerne macht.

Bynum weiter: "Man könnte meinen, das Universum hat mir über Jahre versucht zu sagen, dass ich auf dem falschen Weg bin, aber ich habe das nicht gleich kapiert." Nach der Realschule macht er erstmal "etwas Vernünftiges" und geht in die Lehre als Kfz-Mechatroniker - viel lieber wäre er auf die Kunstschule in Stuttgart gegangen. Von heute auf morgen verliert er den Job. Und irgendwie war auch danach erst einmal kein Job dabei, in dem sich der kreative Kopf wirklich ausleben konnte. "Ich bin einfach nirgendwo richtig angekommen." 

Vor zwei Jahren beschließt er, endlich auf sich selbst zu hören und krempelt sein Leben komplett um. Sein DJ-Name ist nicht mehr Ben Carter sondern ab jetzt DJ Gorealla. Und endlich tut er, was er gerne macht: andere Menschen glücklich machen. Er erklärt: "Es geht sicher vielen so, wie es mir ging. Sie würden sich gerne verwirklichen, aber es gibt keine Unterstützung, keine Anlaufstellen. Jetzt gibt es "Art. Beyond. Culture." - ein Zuhause für Kunst, wie es auf der Facebook-Seite heißt. 

Art. Beyond. Culture. - ein Netzwerk für die, die in keine Schublade passen

Wo kann ich meine Werke ausstellen? Wie findet mein neuer Song Gehör und wo nehme ich den überhaupt auf? Nach 16 Jahren an den Schallplatten und Event-Management hat sich Ben Bynum ein riesiges Netzwerk in Heilbronn und der Region aufgebaut. Dieses nutzt er jetzt, um Kultur und kreative Köpfe zu fördern. "Ich glaube an Karma", sagt Bynum: "Und wenn ich Menschen eine Chance gebe, dann verhelfe ich ihnen zu ihrem Glück, was für mich wiederum gutes Karma bedeutet. Das ist schön!" 

"Vibes. Massage Therapie." - Weil's glücklich macht

Um sich noch ein wirtschaftliches Standbein aufzubauen, arbeitet der 33-Jährige in Untergruppenbach in seiner eigenen Praxis im 3Klang Forum am Stettenfels als Massage-Therapeut: "Vibes. Massage Therapie." Das klingt direkt nach Kurzurlaub. Passt das zu Kunst und Kultur? "Natürlich passt das", sagt er: "Wer gute Energien gibt, bekommt auch gute Energien zurück. Und das trifft auf alle drei Berufe zu - egal ob Musik und Events, Massage oder eben Kunst."

Ausstellung

ARTFUL heißt die neue Kunstausstellung, die Ben jeden Monat mit einem neuen regionalen Künstler im Club Kaiser veranstaltet. 
Stücke von Bernd "Berk" Eisold gibt's den ganzen November zu bestaunen - jeden Mittwoch und Donnerstag ab 17 Uhr im sechsten Stock. 

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