Besser früh und sicher schwimmen lernen

Gefahr Wasser: Wenn die Abkühlung tödlich endet – Kinder „ertrinken lautlos“

  • Julia Cuprakowa
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Während der Badesee- und Freibad-Saison ist besondere Vorsicht der Eltern gefragt, denn Kinder können leicht in sehr seichte Wasser ertrinken.

Der Sommer ist endlich da und damit beginnt auch die Badesee- und Freibad-Saison, denn die Corona-Zahlen in Baden-Württemberg befinden sich momentan auf einem Tiefflug. Viele Familien mit Kleinkindern zieht es an die schönsten Seen der Region - nur nicht an den Breitenauer See bei Obersulm (Kreis Heilbronn), denn dort wurde das Wasser dieses Jahr wegen vorgeschriebener Sicherheitsüberprüfung komplett abgelassen.

Doch gerade das kühle Nass kann schnell gefährlich werden für Kinder, vor allem wenn die Kleinen noch nicht schwimmen können. Denn: Kinder haben einen anderen Körperschwerpunkt und ertrinken hierdurch leichter. Sie ertrinken meist lautlos und sinken aufgrund ihres spezifischen Gewichts wie ein Stein auf den Boden, ohne noch einmal für einen kurzen Moment aufzutauchen, heißt es auf kindergesundheit-info.de. Umso wichtiger ist es daher, dass die Kinder das Seepferdchen-Frühschwimmer-Abzeichen nach Möglichkeit machen. Aber aufgepasst: Auch das Seepferdchen-Abzeichen birgt einige Tücken.

Ertrinkungsgefahr für Kinder in Badesee und Freibad - Seepferdchen-Abzeichen reicht oft nicht aus

Es ist das Ziel für alle Anfänger beim Schwimmen: das Seepferdchen-Abzeichen. Jedes Kind strahlt, wenn es den kleinen Aufnäher endlich auf der Badehose oder dem Schwimmanzug tragen darf. Schließlich zeigt das Abzeichen allen: Ich kann schwimmen.

Doch der Schein trügt. Denn das Abzeichen zeugt noch lange nicht von einem sicheren Schwimmer. „Häufig können Kinder gerade einmal so eine Bahn schwimmen“, erklärt Michael McQuirt von der DLRG Neckarsulm. 25 Meter müssen Kinder absolvieren, um das Seepferdchen zu erlangen. Dazu kommt ein Sprung vom Beckenrand und das Heraufholen eines Gegenstandes aus schultertiefem Wasser.

Gefahr für Kinder in Badesee und Freibad - Eltern sollten Kinder ans Wasser gewöhnen

Natürlich ist der Frühschwimmer, wie das Abzeichen offiziell heißt, der erste Schritt auf einem langen Weg zum guten Schwimmer. Doch besser ist es, länger dranzubleiben. McQuirt: „Im Optimalfall machen die Kinder auch noch das Bronze-Abzeichen.“ Denn dafür sind bereits 200 Meter Schwimmen vonnöten. Wer das schafft, kann sich selbstständig lange über Wasser halten.

Um dahin zu kommen, sollten Eltern „so früh wie möglich“ mit ihren Kindern schwimmen gehen und üben. „Schon Babys können sich nach und nach ans Wasser gewöhnen. Das kann in der Badewanne anfangen“, sagt McQuirt. Wer auf Nummer sicher gehen will und sich allein nicht mit dem Baby ins Wasser traut, der bekommt in Babyschwimmkursen Hilfe und Tipps. Wassergewöhnungs-Kurse können dann besonders für ängstliche Kinder ein sinnvoller Zwischenschritt sein, ehe das eigentliche Schwimmenlernen anfängt.

Ertrinkungsgefahr: Kinder sollten Schwimmunterricht nehmen

Der Rat des DLRG: „Gehen Sie viel in die Bäder, gehen Sie viel Schwimmen. Wer das von Anfang an macht, der lernt das Schwimmen beinahe von selbst.“ Natürlich können auch Eltern ihren Kindern das Schwimmen beibringen. Sinnvoll ist es aber, diese Aufgabe von ausgebildeten Lehrern übernehmen zu lassen.

Parallel dazu sollten Eltern natürlich trotzdem mit ihren Kindern schwimmen gehen. Das macht nicht nur Spaß, Kinder können so ganz nebenbei die gelernten Bewegungsabläufe besser abspeichern. „Dazu sollten Kinder ab dem Kindergartenalter auch die Baderegeln lernen. Natürlich müssen sie nicht Regeln auswendig können. Aber die Wichtigsten zu beherrschen hilft Kindern dabei, ihre Schwimmfähigkeiten richtig einzuschätzen“, erklärt McQuirt.

Gefahr für Kinder nicht nur in Badesee und Freibad - Auch Wassertonnen und Planschbecken

Ertrinken gehört neben Ersticken zu den häufigsten Ursachen tödlicher Unfälle bis zum fünften Lebensjahr. Im Alter von einem bis vier Jahren steht das Ertrinken sogar an erster Stelle der tödlichen Unfälle, wie kindergesundheit-info.de weiter berichtet. „Die Kinder sterben lautlos – so furchtbar sich das auch anhört“, sagt McQuirt. „Deshalb müssen Eltern bei Nichtschwimmern immer in greifbarer Nähe sein.“

Denn: Ertrinkungsunfälle geschehen oft nicht in großen Gewässern, sondern überwiegend im eigenen Garten, im Planschbecken, im Gartenteich, in der Regentonne, in einem kleinen Bach oder Graben. Meist unterschätzen die Eltern die Gefahr und lassen ihre Kinder unbeaufsichtigt. Vor allem Kleinkinder sind durch ihre körperlichen Besonderheiten gefährdet.

Wenn ein Kind zum Beispiel in einer Badewanne oder in einem Planschbecken mit Kopf unter Wasser gerät, verliert es die Orientierung und kann sich nicht selbst retten. Erschreckend ist auch, dass ein Baby bis zum Alter von etwa 15 Monaten in Wassertiefe von zehn Zentimetern ertrinken kann. Hinzu kommt noch, dass ein Kind etwa bis zum dritten Lebensjahr sein Gesicht nicht dauerhaft über Wasser halten kann, weil sein Kopf im Vergleich zum Körper zu schwer ist.

Permanente Aufsicht der Eltern notwendig - trotz Schwimmflügel im Freibad

Aufgrund oben genannter Gründe sollten alle Wasserbehälter, wie zum Beispiel Regentonnen, Gartenteich, Schwimmbecken, immer gut gesichert sein - aber auch dann ist die Anwesenheit und Aufsicht von Erwachsenen von größter Wichtigkeit. Denn die meisten Kinder sind sehr neugierig und finden stets Mittel und Wege, um an das Wasser zu kommen.

Aber auch an Seen und im Freibad ist Aufsicht durch die Eltern unabdingbar. Denn auch Schwimmflügel oder andere Hilfen sind „eine Sicherheit, aber keine Lebensversicherung“. Trotzdem sei es immer noch sicherer, Schwimmflügel anzuziehen, als es nicht zu tun. Wer sich an diese wichtigen Regeln hält und zudem den Umgang mit dem Wasser regelmäßig übt, für den steht dem Badespaß mit Kind dann nichts mehr im Wege.

Rubriklistenbild: © Frank May

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