Luca Quitadamo stellt seine Familie vor besondere Aufgaben

So meistert eine junge Familie Lucas (7) Behinderung

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Flaschmob von Autana auf dem Heilbronner Kiliansplatz zum fünfjährigen Bestehen der Stiftung.
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Flaschmob von Autana auf dem Heilbronner Kiliansplatz zum fünfjährigen Bestehen der Stiftung.
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Früher wollte der Siebenjährige nur für sich sein. Nun macht er stetig Fortschritte.

Auf den ersten Blick ist Luca Quitadamo aus Heilbronn-Böckingen ein lebensfrohes Kind: Interessiert spielt er mit Bauklötzen oder tobt durch die Wohnung. Doch wenn dem Siebenjährigen etwas nicht gefällt, wird er bestimmend, fängt schnell an zu schreien. Und beim Körperkontakt mit anderen Kindern wirkt der Zweitklässler unbeholfen und grob. "Viele denken, es liege an schlechter Erziehung", sagt Lucas Mutter Sabrina Patriciello. Doch der Bub kann nicht anders. Er ist Autist.

"Bei jedem Autisten wirkt sich diese Mehrfachbehinderung anders aus", erklärt Dominik Dehm. Jeden Montag schaut der Pädagoge von der Heilbronner Autana-Stiftung für mehrere Stunden bei Luca vorbei, kümmert sich um ihn und unterstützt die Eltern.

So meistert eine junge Familie Lucas (7) Behinderung

"Autisten haben große Probleme, sich auf neue Situationen einzustellen, müssen langsam darauf vorbereitet werden", erklärt Dehm. Im Gegensatz zu Nichtbehinderten, können Autisten Sinneseindrücke nicht selektieren. Dehm: "Wenn in der Innenstadt Verkehrslärm, Musik und zahllose Unterhaltungen zusammenkommen, bedeutet das für Autisten eine nicht mehr zu bewältigende Reizüberflutung." Viele fangen an zu schreien und wollen nur noch weg.

"Mit drei Jahren kam Luca in den Kindergarten und hat bis dahin nicht gesprochen", sagt die 32-jährige Mutter. Eine Psychologin hat dann frühkindlichen Autismus diagnostiziert. Vermutlich hervorgerufen durch einen Gendefekt. Das Problem: Autismus ist eine unsichtbare Behinderung. Betroffenen wirken introvertiert, beschäftigen sich lieber mit Gegenständen als mit anderen Menschen. Grund: Sie können sich nicht in andere hineinversetzen. Patriciello: "Dafür haben Autisten Inselbegabungen und sind keinesfalls weniger intelligent als der Durchschnittsmensch." Luca zum Beispiel ist Klassenbester in Mathe, konnte schon vor der Einschulung das Alphabet und die Zahlen von eins bis 100 auswendig – in drei Sprachen: Deutsch, Italienisch und Englisch.

Ein Schock war die Autismus-Diagnose für die Familie nicht. "Endlich wussten wir, was los ist", sagt die Mutter. Seither nimmt die Familie auf ihren Sprössling besondere Rücksicht. Im Unterricht ist immer Lucas Schulbetreuer dabei. Daheim ist eine feste Tagesstruktur ganz wichtig. Ein Bummel in der Innenstadt ist für Luca schwierig und eine Ausnahme. Zudem müssen die Eltern immer alles viel genauer erklären als bei anderen Kindern im selben Alter. Patriciello: "Das zehrt schon an den Kräften."

Heilbar ist Autismus nicht. Aber Betroffene und ihre Familien können gemeinsam versuchen, damit klarzukommen. Bei Luca gibt es immer wieder kleine Fortschritte: "Als Kleinkind wollte er sich gar nicht anfassen lassen, hatte auch keine Freunde. Mittlerweile kommt er mit den beiden Kindern einer befreundeten Familie super klar. Auch wenn es mit ihnen unter die Leute geht. Da kann er sich auf seine Freunde konzentrieren – und das gibt ihm Sicherheit", erklärt Lucas Mutter.

Manche Autisten bekommen ihre Behinderung so weit in den Griff, dass sie eine Familie gründen. Und wegen der Inselbegabungen hat es mancher Autist sogar zur Professur geschafft. Liegt hier vielleicht auch die Zukunft von Luca? Seine Mutter sagt stolz: "Die Mitschüler sind begeistert davon, was sich Luca alles merken kann. Viele sagen: 'Es gibt nichts, was Luca nicht weiß.'"

Information

Seit fünf Jahren unterstützt die Autana-Stiftung in Heilbronn Autisten, Menschen mit sonstigen Behinderungen sowie Demente und ihre Familien in der Betreuung und in hauswirtschaftlichen Tätigkeiten. Infos gibt es im Internet unter www.autana-stiftung.de

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