Fußpflege, Frühstück und fesche Frisen

SIE bringen Obdachlosen ein kleines Stück Luxus

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Drei ehrenamtliche Helferinnen aus Neckarbischofsheim-Untergimpern haben nur ein Ziel: bedürftigen Menschen helfen.

"Was machen wir denn heute?" - "Wie immer. Alles weg." Wenn Marianne Herkle aus Neckarbischofsheim-Untergimpern ihre Kunden in der Aufbaugilde Heilbronn nach ihren Wünschen fragt, weiß sie die Antwort bereits. Die 55-Jährige kennt ihre Pappenheimer. Oft lautet die Antwort: Kurz, pragmatisch, gepflegt. Wie immer eben.

Die gelernte Friseurin kommt alle zwölf Wochen nach Heilbronn, um armen Menschen und Obdachlosen die Haare zu schneiden. Ehrenamtlich. Immer mit dabei: Frühstücksfee Ursula Kriege (73) und Monika Münch (68), die Bedürftigen eine Fußpflege anbietet. Alle drei Mitarbeiterinnen kommen aus demselben Ort und arbeiten bereits seit fast 13 Jahren ehrenamtlich für die Aufbaugilde. Herkle erklärt: "Uns geht es gut, deswegen möchten wir anderen Menschen helfen. Als praktizierende Christen gehört das für uns dazu."

Der Job ist dennoch alles andere als leicht. Die Helferinnen haben es nicht selten mit Belägen oder Schuppenflechten auf der Kopfhaut sowie Druckstellen, Warzen oder Hühneraugen an den Füßen zu tun. "Berührungsängste sind hier fehl am Platz. Aber es sieht teilweise schon schlimm aus, was man da zu sehen bekommt", sagt Herkle.

SIE bringen Obdachlosen ein kleines Stück Luxus

Das wissen auch die Menschen, die regelmäßig den Service für nur drei Euro Entgelt für Nebenkosten in Anspruch nehmen. Stammgast Peter M. (63), der von Herkle einen feschen Sommerschnitt verpasst bekommt, weiß: "Das, was die Damen hier leisten, ist sicher stressig. Es haben schon viele hier angefangen und schnell wieder aufgehört." Und auch Wolfram B. betont, wie dankbar er ist. "Es ist wichtig, dass ehrenamtliche Helfer solche Dienste anbieten. Man fühlt sich irgendwie besser danach", sagt der 49-Jährige, der bereits zum zweiten Mal seine Füße von Münch behandeln lässt.

Und dann sind da noch die Lebensgeschichten der Menschen, die die drei Damen während der Behandlungen erfahren. Man kommt mit ihnen ins Gespräch. Herkle: "Die Schicksale berühren. Man kann selbst so schnell reinkommen. Schneller als man denkt."

So erging es auch Carmelo A., der seit einem halben Jahr die Aufbaugilde besucht, um seine Füße behandeln zu lassen. Der Italiener besaß erst in Pforzheim, dann in Eppingen eine Pizzeria. Alles Geschichte. Vor drei Jahren musste er das Restaurant in Eppingen schließen. Der Familienvater hat vieles in seinem Leben verloren. Carmelo A.: "Es ist sehr schwer, wieder hochzukommen. Stolz hat man in meiner Situation keinen mehr."

Engagieren Sie sich ehrenamtlich?

Trotz der teilweise tragischen Schicksale behandeln die Damen ihre Patienten mit Herz und viiiel Humor. "Heute ist guter Mond, da wachsen Haare und Nägel nicht so schnell", sagt Herkle und grinst. Der Tag ist noch lang. Die Damen behandeln jeweils bis zu 20 Personen. Wieder einmal mehr wird ihnen bewusst, wie hart dieses Ehrenamt ist. "Wir machen das gerne. Dennoch brauchen wir dringend Unterstützung. Die sechs bis zwölf Wochen-Abstände sind einfach zu lang und nicht ausreichend. Wir würden es noch öfters anbieten, wenn denn noch jemand zur Unterstützung da wäre."

Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich bei Gabriele Weber von der Aufbaugilde Heilbronn unter Telefon 07131/770370 melden.

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