Umweltschutz bei Audi

Audi Neckarsulm: Vollgas für den Umweltschutz - so klappt die Mission Zero

  • Simon Mones
    VonSimon Mones
    schließen

Mit der Mission:Zero hat sich Audi beim Umweltschutz hohe Ziele gesteckt. Wie das klappen soll, haben wir uns in Neckarsulm angeschaut.

Die Null muss stehen. Diesen Satz kennt man sonst nur als Plattitüde aus dem Fußball, doch er passt auch zu Audi. Im Rahmen der 2018 gestarteten Mission:Zero sollen bis 2025 alle Audi Standorte bilanziell CO2-neutral sein. Auch im Audi-Werk in Neckarsulm wird daran gearbeitet, die Automobilproduktion möglichst umweltschonend und ressourceneffizient zu gestalten und CO2-Emissionen sowie Abfall zu vermeiden.

Das Werk in den Böllinger Höfen nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein: Als erster Audi-Standort in Deutschland wird dort mit dem e-tron GT ein vollelektrisches Modell produziert - und das bilanziell CO2-neutral. „Im Blockheizkraftwerk der Böllinger Höfe setzen wir zum Beispiel auf Biogas, um CO2-neutral Wärme zu erzeugen“, erklärt Achim Diehlmann, Leiter des Betrieblichen Umweltschutzes und Projektleiter des Umweltprogramms Mission:Zero. Zudem wird am Standort Neckarsulm bereits ausschließlich Ökostrom verwendet.

Audi Neckarsulm: Nachhaltigkeit wird wichtiger - 13.000 Tonnen Aluminium wiederverwendet

Doch die Dekarbonisierung ist nur einer von vier Bausteinen, mit denen Audi eine nachhaltigere Zukunft am Standort Neckarsulm umsetzen will. „In den vergangenen Jahren hat Nachhaltigkeit im Unternehmen immens an Bedeutung gewonnen“, betont der Umwelt-Experte. Das zeigt sich auch bei den Autohäusern der Volkswagen-Tochter.

Doch auch bei der Nutzung der Ressourcen spiegelt sich die zunehmende Bedeutung der Nachhaltigkeit wider: Bereits seit 2017 gehen Aluminiumblech-Verschnitte im Rahmen des Kreislaufs „Aluminium Closed Loop“ an den Lieferanten zurück, der sie aufbereitet und erneut für Audi verarbeitet. Durch die Nutzung von Sekundär-Aluminium werden bis zu 95 Prozent Energie im Vergleich zur Verwendung von Primär-Aluminium eingespart. 2020 konnten so an den Standorten in Ingolstadt und Neckarsulm rund 13.000 Tonnen Aluminiumblech-Verschnitte über den Aluminium Closed Loop an die Lieferanten zurückgeführt werden.

Audi Neckarsulm: Für den Umweltschutz - Verpackungsmaterialien werden geprüft

Im Rahmen der Mission:Zero schaut sich Audi aber auch die Verpackungsmaterialien an. Früher bekam Audi beispielsweise die Halterungen für die Subwoofer mit mehreren Lagen Luftpolsterfolie geliefert. Nach einem Gespräch mit dem Zulieferer konnten die Folien eingespart werden, da man erkannte, dass das Problem lediglich durch einen kleinen Metallstift verursacht wurde und auch ohne Folie gelöst werden konnte.

Denn der Metallstift ließ sich auch mit einem Noppen abdecken. Doch damit nicht genug, auch bei den Abfällen hat sich Audi etwas einfallen lassen. Zum einen ein Sortierungssystem für die verschiedenen Abfallarten, zum anderen wird der Verpackungsmüll teilweise weiter verwendet.

Audi Neckarsulm: Kunststoffabfälle werden zu Material für 3D-Drucker

Dazu hat Audi gemeinsam mit einem niederländischen Start-up ein Projekt ins Leben gerufen, um aus den Kunststoffabfällen 3D-Druck-Filament herzustellen. Mithilfe von 3D-Druckern entstehen daraus ergonomische Montagehilfen wie Schutzkappen oder Drückhilfen für Mitarbeitende. „Diese Form des Upcyclings hilft zugleich den Mitarbeitern in den Bereichen ergonomisches Arbeiten sowie Arbeitssicherheit“, stellte Volker Eitrich, Fertigungsabschnittleiter für die Modelle A6 und A7 fest.

Aus Plastikverpackungen werden bei Audi Filamente für den 3-D-Drucker.

Weiteres Einsparpotenzial bieten neue Methoden zur virtuellen Planung: Für den Audi e-tron GT konnte erstmals ein Teil der Spezialbehälter zum Transport empfindlicher Bauteile rein virtuell konzipiert werden. Auch die Planung für die Fertigung des Elektroautos lief komplett virtuell und ohne Prototypen. Inzwischen ist diese am Standort Neckarsulm pilotierte VR-Anwendung konzernweit im Einsatz und hilft, Ressourcen für Behälter-Prototypen zu sparen. 

Audi Neckarsulm tirfft Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität

Doch die Mission:Zero blickt bei Audi auch über die Produktion und den reinen CO2-Ausstoß hinaus, auch Themen wie die Biodiversität oder die Wassernutzung spielen eine wichtige Rolle. „Mission:Zero hat im Unternehmen die Akzeptanz geschaffen und Mittel freigesetzt, um auch Maßnahmen wie etwa zum Erhalt der Biodiversität zu unterstützen“, betont Umweltexperte Diehlmann. „Blühwiesen oder Nistplätze nutzen in erster Linie den Tieren und machen sich für den Menschen auf andere Weise bezahlt, indem sie die Lebensqualität und die Arbeitsumgebung verbessern.“

Am Audi-Standort in Neckarsulm ergibt sich hier jedoch eine Schwierigkeit, denn bedingt durch die Lage gibt es nur wenige Grünflächen. „Uns bleibt hier nur die Nachverdichtung, freie Flächen sind rar“, erklärt Diehlmann. Um trotzdem etwas für die Umwelt zu tun, hat Audi seit 2014 mehrere Bienenvölker angesiedelt. Zudem sind auf dem Werksgelände Nistplätze für Mauersegler, Schwalben und Falken entstanden. Hinzu kamen in diesem Jahr mehrere Insektenhotels, die von den Auszubildenden von Audi gebaut und aufgestellt wurden.

Audi Neckarsulm baut Wasserkreislauf auf - bis 2025 kein Neckar-Wasser mehr

Auch bei der Wassernutzung verfolgt Audi in Neckarsulm im Rahmen der Mission:Zero einen ehrgeizigen Plan: Ab 2025 wollen die „Vier Ringe“ auf eine Wasserentnahme aus dem Neckar verzichten und stattdessen den Kreislauf zwischen Werk und Kläranlage schließen. Dazu soll bis 2022 eine neue Wasserversorgungsanlage gebaut werden.

Bis 2025 will Audi einen geschlossenen Wasserkreislauf aufbauen.

Aktuell läuft dazu ein Pilotprojekt, in dem der gemeinsame Wasserkreislauf mit dem Abwasserzweckverband Unteres Sulmtal und die Technik dahinter getestet werden. Das Ziel: „So wenig wie möglich in die Natur eingreifen“, sagt Projektleiter Christian Forelle. Bis 2035 soll der ökologisch gewichtete Wasserverbrauch pro produziertem Fahrzeug daher von aktuell durchschnittlich etwa 3,75 Kubikmeter auf etwa 1,75 Kubikmeter halbieren werden.

Rubriklistenbild: © Audi AG

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema