Projekt Artemis

Audi trifft überraschende Entscheidung: Projekt Artemis gescheitert?

Audis neuer Pilotbetrieb in München.
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2020 wurde die Artemis GmbH aus Audi ausgegründet.
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Die Artemis GmbH sollte bis 2024 ein völlig neues Elektroauto entwickeln. Doch schon ein Jahr später trifft Audi eine überraschende Entscheidung. Ist das Projekt gescheitert?

In diesem Jahr feiert der Audi Slogan „Vorsprung durch Technik“ sein 50-jähriges Jubiläum, allerdings ist dieser nicht mehr ganz treffend. Denn bei der Elektromobilität rennt Audi noch immer hinterher und versucht den Vorsprung von Branchenprimus Tesla aufzuholen.

Dabei sollte auch das Projekt Artemis helfen, das wohl nicht grundlos nach der griechischen Göttin der Jagd benannt worden ist. Es ist ein Eingeständnis, dass Audi nicht mehr länger der Gejagte, sondern der Jäger ist. Das wollte Audi jedoch schnellstmöglich ändern, bis 2024 sollte Artemis daher ein Elektroauto entwickeln, das es mit Tesla aufnehmen kann.

Audi: Projekt Artemis startet mit ehrgeizigem Ziel

Ein ambitionierter Zeitplan mit ebenso hochgesteckten Zielen. So soll das neue Elektroauto - das intern Landjet heißt - eine Reichweite von mindestens 650 Kilometern haben und bereits autonomes Fahren auf Stufe Vier unterstützen. Zudem soll ein gesamtes Ökosystem samt Ladestationen und Ablegern der Luxusmarken Bentley und Porsche entstehen.

Da man im Volkswagen-Konzern aber der Meinung war, dass das innerhalb der gegebenen Strukturen bei Audi in diesem Zeitraum nicht möglich sei, wurde Artemis im vergangenen Jahr als eigenes Unternehmen gegründet, wie ntv.de berichtet. Im Business Insider sagte Artemis-Chef Alexander Hinzinger im vergangenen Sommer: „Wir bauen eine Rakete.“ Kein zufälliger Vergleich, trägt doch die NASA-Mission, die 2024 wieder Menschen auf den Mond schicken will, denselben Namen.

Audi: Projekt Artemis sollte sich am Motorsport orientieren

Audi-Chef Markus Duesmann sprach laut ntv.de indes von einem „Schnellboot“, das Volkswagen dazu verhelfen solle, den Abstand auf Tesla in den Bereichen Software und autonomes Fahren aufzuholen. Zudem hatte Artemis das Ziel, völlig neue Strukturen zu etablieren und sollte sich dabei die schnellen Entwicklungszyklen aus dem Motorsport zum Vorbild nehmen. Ein Feld, in dem sowohl Duesmann als auch Hinzinger während ihrer Zeit in der Formel 1 einiges an Erfahrung sammeln konnten.

Außerdem erhoffte man sich bei Audi und Volkswagen durch die Eigenständigkeit und Start-up-Unternehmenskultur noch einen anderen Effekt: Es sollten auch IT-Talente aus dem Silicon Valley an Land gezogen werden, die sich sonst vielleicht nicht für einen Job bei einem traditionellen Autobauer interessiert hätten.

Audi: Künftig Kompetenzzentrum - Projekt Artemis gescheitert?

Doch so ganz ging der Plan nicht auf. Bereits jetzt steht fest, der Landjet wird nicht wie geplant 2024 auf den Markt kommen können. Bei Artemis hängt man dem eigenen Zeitplan rund ein Jahr hinterher und das hat Konsequenzen: Die Artemis GmbH wird nun zu einem „Kompetenzzentrum“. Die Artemis GmbH soll „zukünftig noch enger und direkter mit der Technischen Entwicklung von Audi“ zusammenarbeiten, wie Audi-Entwicklungsvorstand Oliver Hoffmann betont.

Nach dem Abschluss der Konzeptphase übernimmt Audi nun die weitere Fahrzeugentwicklung, die Softwareentwicklung wird an die Volkswagen-Tochter CARIAD übergeben. Zudem sind nach grade einmal einem Jahr die Tage von Hitzinger als Chef der Artemis GmbH gezählt, er soll eine neue Aufgabe bekommen. „Wir danken Alexander Hitzinger für sein Engagement in der frühen Entwicklungsphase unseres Artemis-Modells“, betonte Duesmann.

Audi: Duesmann bestätigt Verzögerung bei Projekt Artemis

„Ohne diesen Einsatz, gepaart mit seiner Erfahrung und seinem Know-how, würde das Fahrzeug nicht 2025 zu unseren Kunden rollen“, sagte der Audi-Chef und bestätigte damit erstmals die Verzögerungen bei der Entwicklung des Landjets. Warum Audi und Volkswagen plötzlich von der ursprünglichen Strategie der Unabhängigkeit abgerückt sind, ist laut ntv.de unklar.

Bereits in den vergangenen Monaten gab es aber bereits unbestätigte Medienberichte, dass eben jene Flexibilität und Kreativität zu Problemen und Missverständnissen geführt hätten. Zudem hätten sich die von Artemis entwickelten Lösungen nicht immer mit der angedachten Massenproduktion im Volkswagen-Konzern vereinbaren lassen.

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