Betriebsversammlung unter Corona-Bedingungen

Audi-E-Modelle bald auch in Neckarsulm? Betriebsrat mit krasser Forderung

Audi blickt positiv in die Zukunft.
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Der Betriebsrat forderte auf einer Open Air Veranstaltung elektrische Modelle für Neckarsulm.
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Die Neckarsulmer Audi-Belegschaft hat Sorgen. Was passiert mit dem Standort, wenn der Konzern die Herstellung von Verbrennern in wenigen Jahren einstellt?

Die Zukunft der Automobilbranche ist elektrisch. Diesem Credo folgen mittlerweile viele deutsche Fahrzeugbauer. Auch bei Audi sollen Verbrenner in den nächsten Jahre aus dem Sortiment verschwinden. Ab 2026 will die VW-Tochter laut Chef Markus Duesmann nur noch Elektroautos auf den Markt bringen. Bis 2033 soll die Produktion der Modelle mit Verbrenner nach und nach auslaufen. Diese Aussage stärkte Duesmann auch nochmals Anfang September auf der IAA. Doch manche Standorte – wie der in Neckarsulm – produzieren bisher noch gar keine Elektrofahrzeuge. Deshalb sorgen sich die Mitarbeiter um ihre Jobs.

Bei einer coronakonformen Open-Air-Betriebsversammlung machte die Audi-Belegschaft jetzt ihrem Ärger Luft. Zu insgesamt zwei Veranstaltungen für die Früh- und Spätschicht kamen laut einer Mitteilung über 3.300 Audianer. Auch Duesmann selbst war vor Ort. Für den Betriebsratsvorsitzenden, Rolf Klotz, die Möglichkeit, die Anliegen seiner Mitarbeiter direkt zu adressieren. „Es ist allerhöchste Zeit, dass wir unserem Vorstand die Neckarsulmer Ängste und Sorgen direkt aufzeigen. Wenn es eng wird für die Neckarsulmer, zeigt sich der starke Zusammenhalt der Belegschaft“, sagte Klotz zu Beginn seiner Rede.

Audi Neckarsulm: Sorgen der Belegschaft – wie geht es nach 2026 für den Standort weiter?

„Unsere starke Mannschaft hat eine Perspektive und Standortsicherung auch über die zweite Hälfte des Jahrzehnts verdient. Wir benötigen eine entsprechende Werkbelegung unseres Standorts, und damit eine Zukunft für uns, unsere Kinder und unsere Region“, forderte Klotz unter viel Applaus. Er machte Druck in Richtung Duesmanns – die Entscheidung, welche elektrischen Volumen-Modelle künftig in Neckarsulm gefertigt werden sollen, sei zeitnah zu treffen. Und zwar jetzt, und nicht erst dann, wenn „im Konzern alle Stücke vom E-Fahrzeug-Kuchen verteilt sind.“

Die Belegschaft der VW-Tochter am Standort Neckarsulm ist, so Klotz, auch deshalb so beunruhigt, weil der Audi-Vorstand das Werk Neckarsulm 2019 mittelfristig zum Verbrennerstandort erklärt hatte, um 2021 dann zu verkünden, dass 2026 das letzte Modell mit Verbrennungsmotor anlaufen solle. „Das wirf bei uns viele Fragen auf“, monierte der Betriebsratschef. Deshalb brauche es jetzt auch einen klaren Masterplan für die Transformation der technischen Entwicklung des Werks Neckarsulm, um die Kollegen „im Rahmen der Transformation mitzunehmen und rechtzeitig zu qualifizieren.“

Audi Neckarsulm: Nach Forderungen aus Betriebsrat – Duesmann mit Erklärungen

Auf diese harten Worte und klaren Forderungen aus der Belegschaft hatte Audi-Chef Duesmann im Anschluss auch direkt eine Antwort parat. Das Unternehmen investiere schon jetzt mit wichtigen Baumaßnahmen in die Elektrifizierung des Standorts. Außerdem sei noch genügend Zeit, um den Wandel geordnet zu gestalten „und die Mitarbeitenden auf diesem Weg mitzunehmen“, erklärte der Audi-Vorstandsvorsitzende. Zusätzlich brächten die nächsten Generationen der A4-/A5- und der A6/A7-Familie in den kommenden Jahren eine stabile Auslastung für Neckarsulm.

Darüber hinaus kündigte Duesmann zeitnah weitere Details zur Ansiedlung wichtiger Zukunftstechnologien in der technischen Entwicklung in Neckarsulm an. Der Audi-Chef versprach: „Neckarsulm hat bereits heute die besten Perspektiven und die richtigen Weichen gestellt.“

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