Neue Richtlinie als Orientierungshilfe

Audi: Streit um gendersensible Sprache eskaliert - Anwälte mit Hammer-Ansage

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Audi droht wegen der Gender-Gap Ärger.
  • Simon Mones
    vonSimon Mones
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Die gendergerechten Sprache bei Audi sorgt weiterhin für Ärger. Die Anwälte eines Volkswagen-Mitarbeiters reagieren jetzt mit einer Hammer-Ansage.

Update, 6. Mai: Der Streit um die gendersensible Sprache bei Audi nimmt erst mal kein Ende. Über seine Anwälte Burkhard Benecken (Marl) und Dirk Giesen (Düsseldorf) hatte ein Volkswagen-Mitarbeiter eine Unterlassungserklärung gefordert, da er sich genau dadurch in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt sah. Insbesondere in seiner „Ausprägung als Schutz der geschlechtlichen Identität“. Ursprünglich hatte Audi bis zum 18. April Zeit, diese abzulegen, die Anwälte des Premiumherstellers erbaten sich aber eine Verlängerung der Frist bis zum 3. Mai.

Wie die Anwälte des Volkswagen-Mitarbeiters nun mitteilten, habe Audi das Anliegen „in einem Dreizeiler, ohne weitere Begründung und ohne inhaltliche Auseinandersetzung mit den gerügtem Rechtsverletzungen zurückgewiesen“. Daher werde man nun beim Landgericht Ingolstadt Klage gegen Audi einreichen.

Audi: Streit um gendersensible Sprache eskaliert - Anwälte mit Hammer-Ansage

„Ziel ist es, ein Grundsatzurteil zu erstreiten, um diesem opportunistisch-heuchlerischem Gender-Wahn einen Riegel vorzuschieben“, erklärten Benecken und Giesen in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Zudem üben die Anwälte Kritik daran, dass Audi sich „in der Sache nicht positioniert, sondern auf formale Umstände ausweicht“.

Auf Anfrage von echo24.de erklärte Audi, dass man sich zu laufenden juristischen Vorgängen nicht äußert. Eine Sprecherin stellte allerdings klar: „Gendersensible Sprache ist Ausdruck einer sichtbaren, positiven Haltung zu Vielfalt und Chancengleichheit. Deswegen hat sich Audi entschlossen, gendersensible Sprache in der internen und externen schriftlichen Audi Kommunikation einzuführen, zum Beispiel im Audi Intranet oder in Pressemitteilungen.“

Ärger um Gender-Gap: Audi-Anwälte mit überraschender Bitte

Update 28. April: Die gendergerechte Sprache bei Audi sorgt weiterhin für Ärger, eigentlich hatte der bayrische Autobauer bis zum 18. April Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Das hatte ein Volkswagen-Mitarbeiter über seine Anwälte Burkhard Benecken (Marl) und Dirk Giesen (Düsseldorf) gefordert. Der Grund: Wegen der neuen Richtlinien fühlte sich der Mann in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt. Genauer gesagt in seiner „Ausprägung als Schutz der geschlechtlichen Identität“.

Wie die BILD berichtet, haben die Audi-Anwälte jetzt allerdings um eine Fristverlängerung bis zum 3. Mai gebeten. „Wir werden dem Fristverlängerungsgesuch nach Rücksprache mit unserem Mandanten nachkommen“, erklärten die Anwälte des Volkswagenmitarbeiters auf Anfrage der BILD. Wofür Audi die Fristverlängerung braucht, ist allerdings nicht bekannt.

Auch die Anwälte Benecken und Giesen zeigten sich „erstaunt, dass der Weltkonzern Audi, der für die Prüfung der fachlichen und rechtlichen Fragen des Genderleitfadens über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr ein extra hierfür eingerichtetes Gremium eingesetzt hat, jetzt nochmals zwei Wochen für eine Stellungnahme zu der Thematik benötigt.“

Gender-Gap bei Audi: Neuer Leitfaden sorgt für Ärger - Prozess droht

Update, 12. April: Seit etwas mehr als einem Monat heißt es bei Audi: „Vorsprung beginnt im Kopf“! Dahinter verbirgt sich ein neuer Leitfaden für gendergerechte Sprache, denn die soll künftig sowohl in der internen als auch in der externen Kommunikation genutzt werden.

Über ein Jahr lang hatte eine Projektgruppe den seit Anfang März gültigen Leitfaden erarbeitet, Audi hat sich darin für die sogenannte „Gender-Gap“ entschieden. Denn diese schließt auch nicht binäre Geschlechter mit ein. Allerdings stößt diese Entscheidung nicht bei allen auf Gegenliebe.

Audi: Volkswagen-Mitarbeiter fühlt sich in Persöhnlichkeitsrechten verletzt

So manchem scheint die Gender-Gap sogar ein richtiger Dorn im Auge zu sein, anders lässt sich die Reaktion eines Volkswagen-Mitarbeiters wohl nicht erklären. Wie die Bild berichtet, geht der Volkswagen-Mitarbeiter nun sogar juristisch gegen den Audi-Leitfaden vor, um mithilfe der Anwälte Burkhard Benecken (Marl) und Dirk Giesen (Düsseldorf) eine Unterlassung zu erwirken.

Der Grund: Der Volkswagen-Mitarbeiter beklagt, die „Gander-Gaps“ verletzen seine Persönlichkeitsrechte in seiner „Ausprägung als Schutz der geschlechtlichen Identität“. „Unser Mandant ist in verschiedenen VW-Gremien tätig, die mit Mitarbeitern der Audi AG in ständigem Kontakt und Austausch stehen. Er ist daher von diesem Gender-Unfug direkt betroffen und hat daher das erforderliche Rechtsschutzinteresse“, erklärten die Anwälte Benecken & Giesen laut Bild.

Audi: Frist bis zum 18. April - Anwälte drohen mit weiteren Schritten

Doch der Volkswagen-Mitarbeiter ist nicht der Einzige, der sich an der Gender-Richtlinie von Audi stört. Auch der „Verein Deutsche Sprache e.V.“ (VDS) stört sich an dem Vorstoß von Audi und unterstützt den Volkswagen-Mitarbeiter daher „moralisch und finanziell“. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand traut, sich dieser sprachlichen Umweltverschmutzung entgegenzustellen“, findet der Vorsitzende des VDS, Professor Walter Krämer.

Der „Verein Deutsche Sprache e.V.“ (VDS) übt heftige Kritik am gendern. (Symbolfoto)

„Das Gendern ist kein natürlicher Sprachwandel, es ist ein ideologisch gefärbter Versuch, Menschen zu einer Sprache zu zwingen, die sie im Alltag nicht sprechen“, betont der VDS-Vorsitzende. Audi hat nun bis zum 18. April Zeit, die Unterlassungserklärung abzugeben. Doch was passiert, wenn die Volkswagen-Tochter dem nicht nachkommt? „Dann gibt es postwendend einen Antrag im einstweiligen Rechtsschutzverfahren an das Landgericht Ingolstadt“, betonten die Anwälte Benecken & Giesen.

Auf Anfrage der Bild, bestätigte eine Audi-Sprecherin den Eingang des Schreibens, dieses sei an die Rechtsabteilung der Volkswagen-Tochter weitergeleitet worden. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns nicht zu laufenden juristischen Vorgängen äußern“, sagte die Audi-Sprecherin.

„Vorsprung beginnt im Kopf“: Das gilt künftig für Audi-Mitarbeiter

Erstmeldung, 2, März: Seit nun mehr 50 Jahren beansprucht Audi für sich „Vorsprung durch Technik“. Nun geht der Premiumhersteller aus Bayern noch einen Schritt weiter und sagt: „Vorsprung beginnt im Kopf“. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine neue Werbekampagne von Audi - dort heißt es aktuell „Future is an Attitude“ - sondern um eine neue Richtlinie für die Mitarbeiter.

Seit dem 1. März setzt Audi auf gendergerechte Sprache, das berichtete die Augsburger Allgemeine. Diese Richtlinie wurde zuvor über ein Jahr lang von einer Projektgruppe erarbeitet. Die Mitarbeiter von Audi heißen deshalb künftig „Audianer_innen“. Die neue Richtlinie gilt sowohl für die interne als auch die externe Kommunikation.

Audi: Gender-Gap statt Gendersternchen - Mitarbeiter heißen künftig Audianer_Innen

„Wertschätzung, Offenheit, Verantwortung und Integrität sind die Basis unserer Unternehmenskultur. Dies machen wir auch in unserer Sprache deutlich“, erklärte die Audi-Personalchefin Sabine Maaßen. Doch warum hat sich Audi für den sogenannten Gender-Gap entschieden, anstatt dem Gendersternchen?

Der Grund ist relativ einfach, wie Antonia Wadé aus der Audi-Projektgruppe verdeutlicht: „Der Gender Gap schafft Raum für alle nicht-binären Geschlechtsidentitäten.“ Zudem könnte das weitverbreitete Gendersternchen in IT-Verwendungen zu Problemen führen, da das Sternchensymbol oftmals schon anderweitig verwendet werde. „Mit dem Gender-Gap folgt Audi der Empfehlung des „Charta der Vielfalt” e.V. und weiteren Partner-Initiativen des Unternehmens“, heißt es in einer Mitteilung der bayrischen Premiummarke.

Audi: Richtlinie als Orientierungshilfe - Auch Volkswagen will „diversitysensible Sprache“ prüfen

Die von der Audi-Projektgruppe erarbeitete Richtlinie umfasst ein 13-seitiges Dokument, das laut der Augsburger Allgemeinen den Titel „Vorsprung beginnt im Kopf trägt“. Dies soll als Orientierungshilfe für die Mitarbeiter dienen. Audi betonte zudem, dass eine gendersensible Kommunikation, eine Frage des Respekts sowie ein klares Zeichen gegen Diskriminierung sei.

Audi ist damit ein Vorreiter innerhalb der Volkswagen Gruppe. Entsprechend will nun auch Volkswagen prüfen,  „wie sich diversitysensible Sprache nachhaltig umsetzen lässt“. Dazu soll eine Lösung gefunden werden, bei der eine breite Akzeptanz zu erwarten ist.

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