Audi sagt Mikroplastik den Kampf an

Schluss mit Mikroplastik? Audi und TU Berlin entwickeln Hammer-Lösung

Eine Grafik der verschiedenen  Module der Filter.
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Bei den Filtern können verschiedene Module kombiniert werden.
  • Simon Mones
    VonSimon Mones
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Die Automobilindustrie investiert immer mehr, um die Umwelt zu schützen. Audi und die TU Berlin haben nun eine besondere Lösung entwickelt, um Mikroplastik abzufangen.

Wie die gesamte Autoindustrie versucht auch Audi seinen Einfluss auf die Umwelt immer weiter zu reduzieren. Statt den klimaschädlichen Verbrennern sollen daher künftig nur noch klimaneutrale Elektroautos verkauft werden. Doch ein Problem wird damit nicht gelöst, denn durch den Reifenabrieb gelangt Mikroplastik über den Straßenablauf und die Kanalisation in Böden, Flüsse und Meere. Doch auch dafür hat Audi gemeinsam mit der Technischen Universität (TU) Berlin eine Lösung gefunden.

Denn vermeiden lassen sich die umweltschädlichen Feinpartikel - die auch beim Fahrradfahren entstehen - leider nicht. „Aber wir können präventiv etwas tun, damit weniger Mikroplastik in die Umwelt gelangt und sie belastet“, sagt Rüdiger Recknagel, Geschäftsführer der Audi Stiftung für Umwelt. Um das hinzubekommen, wurden - gemeinsam mit dem Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft und weiteren Partnern - besondere Sedimentfilter für Straßenabläufe entwickelt.

Audi: Filter gegen Mikroplastik - TU Berlin mit an Bord

Ziel der Filter - die Audi Urbanfilter getauft hat - ist es, die anfallenden Schmutzpartikel möglichst nah am Entstehungsort aufzufangen und so zu verhindern, dass diese in die Kanalisation gelangen. Zudem haben die Sedimentfilter eine weitere Besonderheit: Sie lassen sich modular konzipieren und können somit optimal an unterschiedliche Straßensituationen, Verkehrs- und sonstige Schmutzbelastungen angepasst werden.

Denn je nach Verkehrsaufkommen und Straßenverlauf entstehen unterschiedlich viele Schadstoffpartikel. Doch die Filter von Audi und der TU Berlin können mehr als nur Mikroplastik abfangen. „Daneben wollen wir auch noch möglichst viele andere Schadstoffe abfangen, die auf und an Straßen anfallen – Getränkedosen und Zigarettenkippen, die leider häufig auf dem Gehweg landen, genauso wie eigentlich natürliche Partikel wie Sand, Blätter und Pollen von Bäumen“, erklärt Joachim Wloka, Greenovation-Projektleiter bei der Audi Stiftung für Umwelt.

Audi: Filter gegen Mikroplastik - verschiedene Module kommen zum Einsatz

Die Sedimentfilter sind in die drei Zonen Straße, Schacht und Ablauf unterteilt. „Insgesamt entwickeln wir neun verschiedene Module für verschiedene Straßen- und Verkehrsbedingungen“, erläutert Daniel Venghaus, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft an der TU Berlin. „Aus diesem Baukasten können dann bis zu drei Module miteinander kombiniert werden, um je nach Einsatzort das beste Ergebnis zu erzielen.“

So könnte bei einem Filtersystem im oberen Bereich beispielsweise eine spezielle Ablaufrinne oder ein entsprechender Asphalt zum Einsatz kommen. Feststoffe wie Blätter würde im Gulli-Schacht von einem optimierten Laubkorb oder Filterrocks abgefangen. Im untersten Bereich (Ablauf) geht es um die Feinfiltration. „Hier erproben wir gerade ein Magnetmodul“, sagt Venghaus. Diese seien laut den Versuch besonders gut geeignet, um feine Partikel zurückzuhalten, ohne dabei zu verstopfen.

Audi: Besonderes System zur Reinigung der Mirkpastik-Filter

Bei der Reinigung der Filter setzen Audi und die TU Berlin auf eine intelligente Vernetzung. Dabei fließen viele unterschiedliche Informationen zusammen, wie beispielsweise die Termine der Straßenreinigung, das Verkehrsaufkommen auf der jeweiligen Straße, wann hier Rushhour ist, Stoßzeiten wie Ferienbeginn und -ende sowie die Wettervorhersage. Aber auch andere Umweltfaktoren wie die Anzahl der Bäume, die an der Straße stehen.

Je nach Einzugsgebiet sind unterschiedliche Filter nötig, um die schwimmenden, schwebenden und sedimentierbaren Partikel aus dem Wasser zu filtern.

 „Aus all diesen Angaben können wir den Verschmutzungsgrad der einzelnen Filter prognostizieren und ermitteln, wann der optimale Zeitpunkt zur Entleerung ist. Im Grunde ist das dieselbe Idee wie bei der Predictive Maintenance, der prädiktiven Wartung, die in der Automobilindustrie fest verankert ist“, erklärt Wloka. „Wir sorgen hier für eine sektorenübergreifende Vernetzung und Übertragung optimaler Prozesse.“

Audi: Wetterbericht spielt bei Reinigung eine wichtige Rolle

Insbesondere die Wettervorhersage spielt dabei eine wichtige Rolle. Denn durch Sturm und Regen können die Filter je nach Jahreszeit schnell verstopfen und somit würde über den Notüberlauf doch ungefiltertes Schmutzwasser in Flüsse und Seen gelangen. „Kündigt die Wettervorhersage nach einer längeren Trockenzeit starken Regen an, können wir direkt reagieren und die Straße vor dem Niederschlag mithilfe von Straßenkehrmaschinen reinigen lassen“, sagt Venghaus.

Der Filter könnte damit also länger im Einsatz bleiben und die Gewässer würden sauber blieben. Bis die Urbanfilter von Audi und der TU Berlin aber zum Einsatz kommen können, dauert es noch etwas. Die Module befinden sich größtenteils noch in der Planung. Im Laufe dieses Jahres sollen sie aber praktisch erprobt werden. Es ist jedoch nicht das erste Filter-Projekt von Audi, so kamen in Heilbronn bereits Luftfilter zum Einsatz.

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