Halbleitermangel trifft auch Audi

Audi leidet unter Chip-Mangel: Krise spitzt sich zu!

In Neckarsulm ist derzeit Betriebsruhe angesagt. Dafür sorgt ein Tweet von Audi für großes Aufsehen. (Symbolbild)
+
Weil Chips fehlen, muss Audi aktuell immer wieder die Produktion anpassen. (Symbolbild)
  • Simon Mones
    VonSimon Mones
    schließen

Die Automobilindustrie leidet unter einem Halbleiter-Mangel. Die Folgen bekommt auch Audi regelmäßig zu spüren.

Wo sonst Autos im Akkord vom Fließband rollen, geht in dieser Woche nichts mehr. Die Produktion bei Audi in Ingolstadt steht vorerst komplett still. Auch in Neckarsulm dominieren Produktionsausfälle und Kurzarbeit den Arbeitsalltag. Grund dafür ist die weltweite Halbleiter-Krise.

Bereits seit Monaten sorgt die angespannte Liefersituation dafür, dass Audi, aber auch Daimler immer wieder ihre Produktion anpassen und Kurzarbeit anmelden müssen. Verschärft wurde die Lage zudem durch einen Corona-Ausbruch in Asien sowie ein schweres Unwetter in Texas. Ein Brand bei einem weiteren Zulieferer tat sein Übriges. In Stuttgart leidet man besonders unter der Situation und hat sogar mit heftigen Verzögerungen bei den Lieferzeiten zu kämpfen.

Audi leidet unter Halbleiter-Mangel: Entspannung in Sicht?

Erst 2023 erwartet Daimler-Boss Ola Källenius eine deutliche Entspannung. Etwas optimistischer schätzt man die Lage bei Audi ein. „Wir rechnen derzeit damit, dass sich der Engpass bis mindestens Mitte des kommenden Jahres ziehen kann“, erklärte Michael Müller, Head of Supply Chain Management bei Audi, dem Online-Portal Ingolstadt Today.

„Wir haben Verträge - und die sind natürlich gültig. Dass der Automobilindustrie derzeit Halbleiter fehlen, ist aber keine Frage des Geldes, sondern der begrenzten Kapazitäten und weltweit schwieriger Rahmenbedingungen“, sagte Müller weiter. Zwar haben die Marken im Volkswagen-Konzern alle ihre eigenen Einkaufsabteilungen, wegen der Ausmaße der Halbleiter-Krise wurde jedoch auf Konzernebene eine übergreifende Taskforce eingerichtet. Diese steht - über alle Marken hinweg - mit den Zulieferern in engem Kontakt. Audi hat zudem einen eigenen Krisenstab eingerichtet.

Audi-Bänder stehen still: Halbleiter-Mangel sorgt für leere Lager

„In den vergangenen Monaten haben die Taskforce des Volkswagen-Konzerns sowie der Audi-eigene Krisenstab mit Hochdruck und mit Erfolg daran gearbeitet, die Auswirkungen dieses weltweiten Versorgungs-Engpasses zu minimieren“, betonte eine Audi-Sprecherin auf Anfrage von echo24.de.

Dass die Bänder still stehen, ließ sich jedoch nicht gänzlich verhindern. Bedingt durch die aktuelle Lage fallen die Entscheidungen, in welchen Schichten in den Audi-Werken produziert werden kann, jedoch sehr kurzfristig. „Wir planen natürlich mit den Teilen, die unsere Lieferanten uns zusichern können, was aufgrund der Situation nur wenige Tage Vorlauf hat. Wir versuchen dann, das absolute Maximum an Produktion herauszuholen. Nach Monaten des Mangels gibt es jedoch keinen Puffer mehr. Unvorhergesehene Ereignisse schlagen daher in aller Regel voll auf die Produktion durch - und das erleben wir im Moment“, sagte Dieter Braun, Leiter Supply Chain, gegenüber Ingolstadt Today.

Audi passt Produktion an - Halbleiter-Mangel sorgt für mehr Konkurrenz

Hinzu kommt: neben den universellen Chips gibt es auch zahlreiche spezielle. Sobald diese nicht mehr auf Lager sind, stehen die Bänder still - auch, wenn Audi nach Informationen von Ingolstadt Today die Bestellmengen nicht reduziert haben soll. Offiziell bestätigt wurde das jedoch nicht.

Was die Situation ebenfalls verschärft: Nicht nur die Automobilindustrie ist dringend auf Halbleiter angewiesen, sondern auch viele andere Industrien benötigen neue Chips. Entsprechend habe sich die Konkurrenzsituation durch die gestiegene Nachfrage nach Unterhaltungselektronik oder Geräten fürs Homeoffice verschärft.

Entsprechend schwer ist es für Audi, die Entwicklungen auf dem Halbleiter-Markt einzuschätzen. „Wir analysieren die Situation permanent sehr genau und stimmen uns eng mit Zulieferern und Spediteuren sowie innerhalb des Volkswagen-Konzerns ab“, erklärte eine Audi-Sprecherin auf Nachfrage von echo24.de. „Zur Vorsicht haben wir beispielsweise an den deutschen Standorten die Voraussetzungen für die Beantragung von Kurzarbeit geschaffen, um flexibel auf Produktionsausfälle reagieren zu können. Unser Ziel ist, die Folgen auf die Produktion möglichst zu begrenzen. Dabei liegt unsere Priorität auf der Abarbeitung des hohen Auftragsbestands.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema