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Audi und EnBW schenken gebrauchten Elektroauto-Batterien zweites Leben

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Von: Julia Cuprakowa

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Audi und EnBW starten ein gemeinsames Pilotenprojekt. Sie schenken alten Elektroauto-Batterien ein zweites Leben und verwenden sie als Speicher für erneuerbare Energie.

Seit Jahren gilt Deutschland als Vorreiter der Energiewende. Dabei sind stationäre Strom-Speicher, die volatil (flüchtig) erzeugte Sonnen- und Windenergie zwischenspeichern, unverzichtbar. Prognosen zeigen, dass die dafür benötigten Batteriekapazitäten sich künftig möglicherweise alleine aus gebrauchten Elektroauto-Akkus stellen lassen.

Im Klartext heiß das: Hochvolt-Batterien von ausrangierten Elektroautos können auch nach jahrelangem Einsatz auf der Straße noch sinnvoll genutzt werden. Deshalb starten die Audi AG und die EnBW Energie Baden-Württemberg AG ein gemeinsames Projekt mit einem stationären Batteriespeicher für sogenannte Second Life Batterie, die aus zerlegten Erprobungsfahrzeugen von Audi stammen. Damit macht Audi endlich positive Schlagzeilen. Erst kürzlich hat der Konzern zu den Pleite-Aussagen und den Folgen Stellung bezogen, wie echo24.de bereits berichtete.

Gemeinsames Pilotenprojekt von Audi und EnBW ging am 2. Dezember in Betrieb

Wie bereits erwähnt, ist das Herzstück der Energiewende die erneuerbare Energie. Ihr Ausbau bringt die Dekarbonisierung, also die Reduzierung von Kohlendioxidemissionen durch den Einsatz kohlenstoffarmer Energiequellen, entscheidend voran und ist ein wichtiger Baustein der angestrebten Klimaneutralität von Wirtschaft und Gesellschaft. Das Problem: Tageszeit- und witterungsbedingt produzieren Solar- und Windenergieanlagen nicht schwankungsfrei Ökostrom. Bisweilen generieren sie mehr Strom, als gerade verbraucht wird. In Verbrauchsspitzen reicht die erzeugte Menge wiederum oft nicht aus, wie „EnBW“ in einer Mitteilung erklärt.

Und genau dieses Problem soll nun mit alten E-Tron-Batterien von Audi gelöst werden. Die gemeinsame Anlage von Audi und EnBW soll Strom aus Erneuerbaren Energien speichern, Schwankungen im Stromnetz ausgleichen und damit zur Versorgungssicherheit beitragen. Gemeinsam mit Landesverkehrsminister Winfried Hermann nahmen die beiden Kooperationspartner die Pilotanlage auf dem Kraftwerksgelände der EnBW in Heilbronn am 2. Dezember 2022 offiziell in Betrieb.

Verkehrsminister Hermann sagte im Rahmen der Veranstaltung: „Die Inbetriebnahme des Batteriespeichers zeigt erneut eindrucksvoll, dass die Mobilitäts- und die Energiewende nur gemeinsam gelingen kann. Für eine erfolgreiche Energiewende sind Batteriespeicher unabdingbar. Ausgemusterte Batterien aus E-Autos zum Teil eines Stromspeichersystems zu machen, ist ein sehr vielversprechender Ansatz. Der erneuerbar gewonnene Strom kann zwischengespeichert werden und die Anlagen müssen nicht vom Netz gehen im Falle eines Überangebots. So erreichen wir eine optimale Nutzung von erneuerbaren Energien und wertvolle Ressourcen werden noch länger genutzt“, heißt es auf der Seite von EnBW.

Audi und EnBW-Projekt: Zwölf Batterien können 3.000 Haushalte eine Stunde lang versorgen

Der neue Batteriespeicher in Heilbronn besteht aus zwölf Hochvolt-Batteriesystemen, die aus zerlegten Entwicklungsfahrzeugen stammen. Zusammengeschaltet bringen sie es auf eine Gesamtleistung von einem Megawatt. Damit könnte der sofort einsatzbereite Speicher etwa eine Stunde lang den Stromverbrauch von rund 3.000 Haushalten decken.

Das Besondere an ihm ist ein „Plug & Play“-Ansatz, mit dem die Fahrzeugbatterien einfach und somit sehr kostengünstig zu einem Speichersystem zusammengeschaltet werden können. Doch wie lange können die ausrangierten Elektroauto-Batterien als Speicher benutzt werden und was passiert damit danach?

Im Second Life-Einsatz leben Elektroauto-Batterien länger

Laut EnBW und Audi wird die HV-Batterie im Vergleich zu ihrem ersten Leben im Second Life-Einsatz mit deutlich niedrigeren und gleichmäßigeren Strömen genutzt. Die Beanspruchungen sind damit deutlich geringer als im mobilen Einsatz, bei dem zum Beschleunigen viel Energie sehr schnell fließen muss.

Die Projektverantwortlichen gehen deshalb für das zweite Leben der Zellen von einer Einsatzzeit von mindestens fünf bis zehn Jahren aus. Danach führt Audi die Batterien einem endgültigen Recycling zu. Dabei werden sie in ihre einzelnen Bestandteile und Rohstoffe zerlegt, um perspektivisch wieder in neuen Batterien zum Einsatz zu kommen.

Audi und EnBW ziehen mit Heilbronner Pilotenprojekt nach

Mit dem gemeinsamen Pilotenprojekt reiht sich die Audi AG und EnBW in eine Reihe anderer Projekte ein. Wie die „Heilbronner Stimme“ berichtet, gibt es bereits in Sachsen einen Speicher aus 10.000 ausgemusterten Fahrzeugbatterien, die zu einem Speicher mit 23 Megawattstunde zusammengeschaltet wurden. Ein Projekt in ähnlicher Größenordnung gibt es auch im Sauerland. 

Außerdem kann dieses Projekt als großer Schritt in Richtung Zukunft bedeuten. Denn: Die Lage der deutschen Automobilindustrie bleibt weiter angespannt. Hohe Energiepreise, Materialmangel und Inflation machen den Herstellern zu schaffen. Laut Audi-Vorstandsmitglied Hildegard Wortmann steht die Existenz des Unternehmens auf der Kippe. Auch die Prognosen für 2022 hatte der Automobilhersteller vor Tagen bereits korrigiert – Milliarden-Verluste beim Umsatz drohen.

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