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Weiterbetrieb trotz Risse: Ist das Atomkraftwerk Neckarwestheim II gefährlich?

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Von: Juliane Reyle

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Kernkraftwerk Neckarwestheim 2
Atomkraftwerk Neckarwestheim 2, in Baden-Württemberg, bleibt noch am Netz. Ist die Laufzeitverlängerung riskant? © Bernd Weißbrod/dpa

Das Atomkraftwerk Neckarwestheim II bleibt wegen der Gasmangellage vorerst am Netz. Doch der bald 40 Jahre alte Reaktor birgt Risiken - sogar der Bund empfiehlt, das Kernkraftwerk nicht weiterzunutzen.

Neckarwestheim II ist bereits der zweite Reaktor im süddeutschen Neckarwestheim bei Heilbronn. Der Reaktorblock I wurde bereits vor 11 Jahren vom Netz genommen und Ende dieses Jahres sollte auch der zweite Block abgeschaltet werden. Der Zustand des Reaktors, dessen Bau im Jahr 1982 begann, soll inzwischen bei mehreren Untersuchungen Mängel aufgewiesen haben. Doch das Atomkraftwerk bleibt dennoch als Energiereserve am Netz. Wie gefährlich ist das Kernkraftwerk, wenn es bis Ende April 2023 weiter betrieben wird?

Der Reaktor Neckarwestheim II:

ReaktortypDruckwasserreaktor\t
elektrische Leistung NETTO1.310 MW
elektrische Leitung BRUTTO1.400 MW
Baubeginn9. Nov. 1982\t
Kommerzieller Betrieb15. Apr. 1989\t
StilllegungVoraussichtlich Ende April 2023

AKW Neckarwestheim weist Risse auf - BMUV und BMWK haben von einer Laufzeitverlängerung abgeraten

Bei jährlichen Kontrollen wurden mehrfach Schäden wie Risse in den Heizrohren am Kernreaktor in Neckarwestheim festgestellt. Zeitweise wurde er sogar für Renovierungen ganz abgeschaltet. Vergangenes Jahr ging das Kraftwerk dann trotz Rissen wieder ans Netz. Damit ist es das einzige Kraftwerk in Baden-Württemberg, das noch in Betrieb ist – andere liegen bereits still, wie heidelberg24.de schreibt. Sogar Bundesumweltministerium und Bundeswirtschaftsministerium haben im Frühjahr von einer Weiternutzung des Neckarwestheimer Atommeilers abgeraten:

 Im Ergebnis einer Abwägung von Nutzen und Risiken ist eine Laufzeitverlängerung der drei noch bestehenden Atomkraftwerke auch angesichts der aktuellen Gaskrise nicht zu empfehlen.

Gemeinsame Pressemitteilung von BMUV und BMWK

Ist die Weiternutzung des AKW Neckarwestheim riskant? Welche Gefahren drohen?

Kernkraftwerke haben zwar Vorkehrungen, die vor Gefahren schützen sollen, doch wie Greenpeace erklärt, ist kein Sicherheitssystem perfekt. Vielmehr sammeln sich im Lauf der Zeit immer wieder Schwachstellen, die bei der Konstruktion des Reaktors nicht berücksichtigt wurden. Verarbeitungsmängel, ungeeigneter Stahl und Materialien, die für die Belastungen nicht ausgelegt sind, bedingen, dass Atommeiler störanfällig sind.

Am Reaktor Neckarwestheim 2 wurden bereits mehrfach Mängel entdeckt. Kein Wunder, denn der Alterungsprozess von Materialien ist bekannt und der Bau des Kraftwerks liegt fast 40 Jahre zurück. Insbesondere Rohrleitungsschäden können gefährlich werden. Läuft Kühlwasser aus, droht eine Überhitzung des Reaktorkerns und diese kann im schlimmsten Fall zur Kernschmelze, Explosion und somit zu einem GAU führen. Im Moment geht zwar keine akute Gefahr vom Reaktor Neckarwestheim II aus, doch die Alterungserscheinungen machen das Kraftwerk störungsanfälliger.

Nach Herunterfahren des AKWs droht weiterhin atomare Gefahr

Das Atomkraftwerk könnte auch nach einer Abschaltung noch für Gefahr sorgen, denn die Brennelemente benötigen Jahre, um vollständig abzukühlen - auch in diesen Phasen kann es noch zur Kernschmelze kommen. Deshalb wird ein AKW, das vom Netz genommen wird, nicht direkt, sondern über Jahre hinweg abgebaut. Außerdem können mit radioaktiven Strahlungen belastete Elemente auch nach 200.000 Jahren noch gesundheitliche Schäden anrichten, allerdings sind sie dann auf das Strahlenniveau von Natururan abgesunken, wie kernenergie.ch berichtet.

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