Stadtinitiative-Chef schimpft auf Gewerkschaft

Gestrichener Einkaufssonntag sorgt für mächtig Stunk

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Die Kirchbrunnenstraße wird am 2. April leer bleiben.
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Thomas Gauß wirft Ver.di Willkür vor. DENN: Dem Einzelhandel gehen mindestens fünf Millionen Euro flöten.

Thomas Gauß, Vorsitzender der Stadtinitiative Heilbronn, ist mächtig angefressen: "Das ist für mich von Ver.di eine ganz durchsichtige und billige Werbe- sowie Marketingmaßnahme, die auf dem Rücken von uns Einzelhändlern ausgetragen wird." Der Grund: die Absage des für den 2. April geplanten verkaufsoffenen Sonntags in Heilbronn. Die Gewerkschaft hatte angekündigt, dagegen zu klagen und wollte ihn verbieten lassen.

Warum? Die verkaufsoffenen Sonntage haben sich seit 20 Jahren in der Käthchenstadt etabliert, sind bei Kunden und Mitarbeitern gleichermaßen beliebt. Gauß verweist auf eine anonyme Umfrage, die unter den Angestellten durchgeführt wurde: "Wir haben 668 Rückmeldungen erhalten. 214 waren dagegen, wobei sie da auch noch unterscheiden konnten, ob sie einen, zwei oder drei verkaufsoffene Sonntage gutheißen. 454 bekannten sich zu allen drei Tagen." Im Klartext: Knapp 68 Prozent stehen voll und ganz hinter den zusätzlichen Verkaufstagen.

Gauß legt nach: "Da die Klagen von Ver.di immer zu einem möglichst späten Zeitpunkt erfolgen, sehen wir uns jetzt im Vorfeld dazu gezwungen, die Veranstaltung abzusagen. Damit wollen wir möglichen finanziellen Schaden, durch beispielsweise im Vorfeld produzierte Werbemittel, Anzeigenbuchungen und Aktionen in den Geschäften, abwenden."

Er rechnet vor: "Der geschätzte Umsatz am verkaufsoffenen Sonntag beträgt in der Heilbronner Innenstadt mindestens fünf Millionen Euro. Wenn man das auf drei Sonntage hochrechnet, entsteht eine riesige Deckungslücke. Das schadet dem Einzelhandel, damit auch den Mitarbeitern und so auch Ver.dis eigenen Mitgliedern."

Besuchen Sie verkaufsoffene Sonntage?

Was Gauß besonders ärgert: die Willkür, mit der Klagen der Gewerkschaft eingereicht werden. "In Ludwigsburg wird gegen den verkaufsoffenen Sonntag vorgegangen. Aber nur im Breuningerland, nicht in der Innenstadt." Zudem habe der Einzelhandel gegenüber der Online-Konkurrenz durch die Ladenschlussgesetze eh schon einen Nachteil.

Dort ist der Sonntag der umsatzstärkste Tag. Jeder Sonntag. Es gibt auch Mitarbeiter - wie im Einzelhandel an Flughäfen und großen Bahnhöfen sowie an Tankstellen - die sonntags arbeiten. Gauß: "Warum klagt Ver.di nicht dort? Sind das Mitarbeiter zweiter Klasse?"

Nico Weinmann, Aufsichtsratsmitglied der Heilbronn Marketing GmbH (HMG), äußert sich folgendermaßen: "Ich respektiere die nachvollziehbare Entscheidung der Stadtinitiative. Es liegt gleichwohl im Interesse aller Beteiligten, dass wir einen starken und erfolgreichen innerstädtischen Handel in Heilbronn haben. Ein defizitärer Handel gefährdet Arbeitsplätze. Deshalb müssen wir im Rahmen der Verhältnismäßigkeit dem Handel die Möglichkeiten bieten, sein Angebot zu präsentieren, um beispielsweise mit dem Internet im fairen Wettbewerb zu konkurrieren. Verkaufsoffene Sonntage im gesetzlichen Umfang sind durchaus ein Beitrag dazu."

Gerne hätte echo24.de auch Ver.di die Möglichkeit zur Stellungnahme geboten, doch mehrmalige telefonische Versuche, jemanden dort zu erreichen, schlugen fehl.

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