Dieter Harfensteller zu den Herausforderungen für die Apotheken-Branche

Spagat wird schwieriger

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Dieter Harfensteller sieht für seine Apotheken in Heilbronn, Erlenbach und Weinsberg zuversichtlich in die Zukunft, glaubt aber, die Branche steht vor großen Herausforderungen.

Dieter Harfenstellers Kunden haben seine Heilbronner Apotheke zum fünften Mal in Folge zur Nummer eins gewählt wurden. Auf die Branche sieht er aber schwere Zeiten zukommen.

Was macht den Apotheken das Leben so schwer?

Dieter Harfensteller: Zum einen wird der wirtschaftliche Ertrag immer geringer. Zum anderen gibt es eine überbordende Bürokratie.

Wie sehen Sie das Thema Versandhandel?

Harfensteller: Es wird ja argumentiert, toll, dann kriegen die Leute ihre Medikamente nach Hause geliefert. Aber das ist Blödsinn. Die Apotheken liefern heute schon täglich per Botendienst zehntausende von Mitteln an die Kunden, und zwar zeitnah und kostenfrei.

In Hüffenhardt will ein niederländischer Versandhändler Medikamente über einen Automaten ausgeben.

Harfensteller: Das ist ein Auswuchs, der lawinenartige Strukturänderungen nach sich ziehen kann. Ich finde, die Politik muss einfach mal deutlich sagen, was sie will. Sie kann nicht auf der einen Seite sagen – ich vergleiche das mal mit der Gastronomie –, ich gehe in ein SB-Restaurant, aber ich möchte da bitte hervorragend bedient werden. Genau das will man im Apothekenmarkt: billigen Versand und gleichzeitig persönliche und flächendeckende Versorgung der Patienten. Das geht nicht! Die Frage ist: Will man die ortsnahe Apotheke erhalten? Dann muss man dafür die Rahmenbedingungen schaffen. Wir haben im Moment die Rahmenbedingung, dass sich ausländische Versandapotheken nicht an deutsches Recht halten müssen. Das ist doch ein Unding!

Haben wir in Deutschland im Grunde nicht schon genügend Apotheken?

Harfensteller: Das ist ein Vorurteil, das sich hartnäckig hält. Bei der Versorgungsdichte pro 100.000 Bürger liegen wir im Europäischen Vergleich im unteren Bereich. In Deutschland kommen auf 100.000 Bürger 23 Apotheken, der europäische Durchschnitt liegt bei 31. Die beste Versorgung gibt es mit 87 – in Griechenland.

Wie sieht die Lage in Baden-Württemberg aus?

Harfensteller: Die Tendenz bestätigt sich auch hier. Die Apothekendichte sank von 2612 im Jahr 2014 auf 2450 im Jahr 2018 – um fast zehn Prozent. In der Innenstadt von Heilbronn gab es vor fünf Jahren 14 Apotheken, heute sind es noch sieben. Das zeigt, dass selbst in der Innenstadt das Verhältnis von Ertrag zu Kosten nicht mehr stimmt.

Welche Konsequenzen ziehen Sie?

Harfensteller: Ich versuche, den Spagat zwischen der Topleistung – also die extreme Zuwendung zum Kunden – und einem günstigen Preis hinzubekommen, ohne dass ich finanziell an die Wand fahre. Das ist teilweise die Quadratur des Kreises, aber irgendwie schaffen wir das noch.

Ist Apotheker trotz allem ein Traumjob?

Harfensteller: Unbedingt, das ist ein sehr vielseitiger Beruf. Außerdem geht es vielen in meiner Branche nicht allein um die Bezahlung, sondern eben einfach auch darum, anderen Menschen zu helfen. Wenn sich Kunden bedanken, dass man sie gut beraten und ihnen geholfen hat, dann macht einem das wahnsinnig Freude. (off)

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