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Bitter-böse: Hagen Rether in der Heilbronner Harmonie

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Von: Daniel Hagmann

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Es wirkt wie plaudern im Wohnzimmer. Doch die Pointen des 48-Jährigen sind genau so hart wie unsere Lebenswirklichkeit.

Pointen - zynisch wie die Realität: Hagen Rether in Heilbronn
Pointen - zynisch wie die Realität: Hagen Rether in Heilbronn © Daniel Hagmann

Man kann natürlich schimpfen, wettern und mit dem Finger auf "die da oben" zeigen. Und schon ist man fein raus aus allen Miseren um uns herum. Oder man macht es wie Hagen Rether: Dort, wo die dürftige Stammtischlogik aufhört, fangen seine perfekt sitzenden Pointen gerade erst an. Und die sind genau so böse und bitter wie unsere Lebenswirklichkeit selbst.

Dreieinhalb Stunden sitzt Rether gestern Abend in aller Gemütlichkeit auf seinem Bürostuhl in der Heilbronner Harmonie und plaudert in seinem ständig aktualisierten Programm "Liebe" in aller Gemütsruhe drauflos - wohltuend in Zeiten, in denen immer der die Aufmerksamkeit bekommt, der am lautesten schreit. Rethers Kredo: Wir leben heute genau in der Welt, die wir verdienen. Und wer sich in Wut und Zorn ergeht, begibt sich in eine untertänige Opferrolle.

Selbstzerstörung

Rether: "Unser Wohlstand steht auf Leichenbergen. Jetzt fliegen uns 600 Jahre Kolonialzeit um die Ohren - und wir haben nichts Besseres zu tun, als Asylantenheime anzuzünden. Dabei ist unsere Lebensweise deren Fluchtursache." Als intellektueller Beobachter tritt Rether einen Schritt zurück, betrachtet das große Ganze und knüpft Zusammenhänge, die einem am Homo sapiens zweifeln lassen:

Obwohl der Mensch von seinem eigenen zerstörerischen Verhalten weiß, macht er einfach weiter. "Wir sind nicht die Krone der Schöpfung, wir sind die Dornenkrone der Schöpfung. Und mit jedem Burger, den wir essen, drücken wir sie uns tiefer in die Stirn."

Jüdische Moscheen

Aber die Schuld haben laut landläufiger Meinung immer die anderen. Und das politische Ergebnis des Ganzen: "Wähler, die sich nicht verstanden fühlen, wählen Leute, die sich nicht ausdrücken können." Aber was will man von Wählern erwarten, die behaupten: "Das Problem, das wir in Deutschland haben, ist, dass wir den Juden zu viele Moscheen bauen." Offenbar hat sich die Welt also komplett in die Fritten geritten. Und raus aus der Misere geht's nur, wenn jeder anfängt, vor der eigenen Tür zu kehren.

Nach dem anspruchsvollen und abendfüllenden Programm ist das Heilbronner Publikum begeistert: "Rether schaut hinter den Vorgang. Ganz unaufgeregt, aber scharfzüngig blickt er in die Abgründe der Welt. Und das lässt einen manchmal auflachen, aber viel häufiger heftig schlucken", sagt Doris Schuchert aus Heilbronn. Und auch Uwe Gablenz aus Sulzfeld hat's gefallen: "Er zeigt die Dilemma der Welt mit einer Wortgewalt auf, die absolut einmalig ist."

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