Dämonisierung hilft keinem

Dr. Mark Benecke in Heilbronn: So ticken Serienmörder

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Gilt als "Der Herr der Maden": Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke.
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Der Kriminalbiologe hat schon in die finstersten Abgründe geblickt.

Er hat immer freundlich gegrüßt, war stets ordentlich frisiert und seine Schuhe waren auch immer sauber. Kann so jemand wirklich ein schlechter Mensch sein? "Serienmörder passen auf, dass sie bloß nicht auffallen. Und hinterher machen sich immer alle Vorwürfe, dass man nichts bemerkt hat. Zu Unrecht!" Denn wer mordet, ist gar nicht soooo verschieden von Volker Vorbild um die Ecke, der ein vermeintlich korrektes Leben führt.

Dr. Mark Benecke: Abgründe und Serienmord

Dr. Mark Benecke, der bekannteste Kriminalbiologe der Welt, hat schon in die tiefsten Abgründe geblickt: Zugerichtete Leichen untersucht, sich mit Serienmördern unterhalten und Tatorte schrecklicher Verbrechen inspiziert. Vor dem nahezu vollbesetzen Wilhelm-Maybach-Saal in der Heilbronner Harmonie erzählt Dr. Mark Benecke gestern Abend unter dem Motto "Serienmord" von persönlichen Erfahrungen, die die meisten nur aus Thrillern oder dem "Tatort" kennen. Und einiges ist ganz schön verblüffend.

Bilder: Dr. Mark Benecke mit "Serienmord" in Heilbronn

Dr. Mark Benecke: Serienmörder sind keine Dämonen

Benecke erklärt: "Niemandem ist geholfen, wenn man Täter dämonisiert. Man muss sich davon lösen, Serienmörder einfach als Irre zu bezeichnen. Das wäre viel zu einfach." Beispiel: Ein Täter häutet seine Opfer und zieht die Haut wie ein Kleidungsstück über. Der 48-jährige Biologe erklärt: "Es geht dabei um menschliche Nähe. Ebenso beim Aufessen von Leichenteilen. Nur sind die Täter antisozial." Und nicht in der Lage, diesen engen menschlichen Kontakt in gesellschaftlich verträglicher Art und Weise herzustellen.

Nach der Show nimmt sich Dr. Mark Benecke gerne Zeit für seine Fans.

Wer Kannibalen leichtfertig als abartig betrachtet, sollte auch mal einen Blick auf den eigenen Teller werfen. Es ist zum Beispiel kein Wunder, dass der deutsche Serienmörder Karl Denke die Gesäßmuskeln seiner Opfer verspeist hat. Benecke: "Bei Steak und Hühnerbrust nimmt man schließlich auch Muskelgewebe zu sich." Und auch vermeintlich sexuelle Abartigkeiten sorgen nicht automatisch für Tod und Verderben. "Sexuelle Norm gibt es nicht, das ist eine kulturelle Fantasie. Pädophilie ist zum Beispiel gar nicht so selten." Aber sie wird erst, wenn sie mit einem antisozialen Charakter zusammentrifft, zur Gefahr.

Dr. Mark Benecke: Ohne Vorurteile zu Ergebnissen

"Der Vortrag von Dr. Mark Benecke hat uns sehr gut gefallen", erklären Tanja und Volker Brahner aus Langenbeutingen. "Es ist beeindruckend, wie witzig und unterhaltsam er dieses todernste Thema rüberbringt."  Und David Kölsch aus Landau erklärt: "Mir gefällt vor allem Beneckes Denkansatz, sich nicht über andere zu stellen und die Verbrechen vorurteilsfrei zu betrachten. Denn nur so kommt man zu Ergebnissen, die einen weiterbringen."  

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