Mehr FSME-Risikogebiete

Achtung, Zecken! 2021 droht in Deutschland ein extremes FSME-Jahr

  • Julia Thielen
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Sie sind so klein - und können doch so gefährlich sein: Zecken. 2021 wird wohl das Jahr für die fiesen Blutsauger. Schuld ist auch Corona.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, birgt in ihrem Namen einen Trugschluss. Die hauptsächlich von Zecken auf den Menschen übertragbare und gefährliche Krankheit ist entgegen ihrer Beschreibung längst nicht nur im Frühsommer ein Problem. In Deutschland - besonders in den Risikogebieten - kann FSME zu jeder Zeit auftreten. Genauso wie die Übeltäter selbst. 2021, so befürchten Experten, stellt in Sachen Zecken wohl einen Negativ-Rekord auf. Schuld daran ist unter anderem auch das Coronavirus.

Einer der häufigsten Irrtümer im Bezug auf die blutsaugenden Spinnentiere sei, dass Zecken nur im Sommer aktiv seien, erklärt der Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg. Doch weit gefehlt: „Die Zecken, die FSME übertragen, sind ab sieben Grad Celsius aktiv. Liegt im Winter über einen längeren Zeitraum die Temperatur darüber, bleiben die Zecken aktiv und können auch in dieser Jahreszeit zustechen und Menschen infizieren.“

Zecken: Blutsauger-Alarm - 2021 könnte Negativ-Rekord aufstellen

Auch, wenn das Wetter in Baden-Württemberg und Deutschland im Winter oft extrem frostig war - auch 2021 sind schon Zecken unterwegs. Denn: Sie haben sich längst an unsere Winter angepasst. Bei extremen Kälten fallen die Blutsauger in Winterstarre. Doch sobald die Temperatur an mehreren Tagen über sieben Grad klettert, sind auch die Zecken wieder unterwegs. Dank milder Winter im schlimmsten Fall sogar das ganze Jahr über.

In den FSME-Risikogebieten sind Zecken 2021 besonders gefährlich.

Dann sitzen die Blutsauger an Grashalmen oder im Gebüsch und warten auf einen Wirt, bei dem sie sich sattfressen können. Den Zecken ist es dabei egal, ob sie auf einer Maus oder einem Mensch landen. Einmal ausgewählt, tankt die Zecke beim Wirt dank eines Saugrüssels.

Zecken: Gefahr droht direkt nach dem Stich - FSME übertragbar

Anders als oft angenommen beißen Zecken aber nicht - sie stechen. „Dazu benutzen sie ihren mit winzigen Scheren versehenen Saugrüssel und ritzen eine kleine Grube in die Haut. Diese läuft mit Blut voll, welches die Zecke aufsaugt“, erklärt der Nabu Baden-Württemberg.

Damit das Blut flüssig bleibt, „spucke“ die Zecke nach ihrem Stich eine Flüssigkeit in die Haut. Und genau dort liegt für den Menschen die Gefahr. Denn was die Blutsauger absondern, kann unter Umständen auch Krankheitserreger enthalten. Für den Menschen können zum Beispiel Borreliose und FSME gefährlich werden.

FSME: 2020 mit traurigem Zecken-Rekord - neue Risikogebiete

Für 2020 vermeldete das Robert-Koch-Institut (RKI) einen Rekord an FSME-Erkrankungen. Insgesamt wurden 704 FSME-Fälle registriert. „Dies ist mehr als das Doppelte des jährlichen Medianwertes“, heißt es vom RKI. Zu den bestehenden Risikogebieten vor allem in Bayern und Baden-Württemberg kamen nach der hohen Fallzahl für 2021 fünf neue hinzu. Dabei konnte noch 2019 ein sinkender Wert der FSME-Erkrankungen nicht nur in Baden-Württemberg vermeldet werden.

Was ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)?

FSME ist eine Krankheit, die bei den meisten Patienten ohne Krankheitsanzeichen abläuft. Sie kann aber auch einen gefährlichen Lauf nehmen. Dann reichen die Symptome von Fieber bis zu Entzündungen des Gehirns oder Hirnhäuten. Übertragen wird die Krankheit in den meisten Fällen durch den Stick einer Zecke. Verantwortlich ist meist der sogenannte Gemeine Holzbock, aber auch die Auwaldzecke verbreitete sich in den letzten Jahren zunehmend. Eine ursächliche Behandlung der Krankheit gibt es nicht. Einzig eine Impfung kann gegen FSME schützen. In bestimmten Risikogebieten in Deutschland wird sie von Behörden empfohlen.

Einige Experten fürchten, dass die Zahl der FSME-Erkrankungen in diesem Jahr sogar ein neues Hoch erreichen könnte. Nicht nur, weil sich die besonders auch für Hunde gefährliche Auwaldzecke immer weiter ausbreitet. Sondern auch wegen des Coronavirus.

Zecken 2021: Keine genaue Prognose, aber Gefahr hoch

Zwar konnte das Landesgesundheitsamt in Baden-Württemberg bislang noch keine genaue Prognose für die Zecken-Saison 2021 abgeben, einen Fall von FSME gab es aber schon Anfang März aus dem Landkreis Raststatt zu verzeichnen.

OrdnungZecken
übetragbare Krankheitenz.B. Borreliose, FSME, Babesiose
Risikogebiete in Baden-Württembergalle Kreise außer Stadtkreis Heilbronn

Und das könnte erst der Anfang sein. Das RKI machte für das Rekordhoch der FSME-Erkrankungen 2020 nämlich nicht nur „hohe Zahlen von Zecken“ aus. Zusätzlich könnten auch die wegen der Corona-Pandemie ergriffenen Maßnahmen zu einer gestiegenen Fallzahl geführt haben. Deshalb „verbringen die Menschen möglicherweise Ihre Freizeit häufiger im Freien und haben somit ein erhöhtes Expositionsrisiko“, heißt es vom RKI.

Zecken-Alarm in Baden-Württemberg: Gefahr auch dank Corona größer

Ähnlich dürfte es dank Bundesnotbremse und Dauer-Lockdown auch 2021 aussehen. Zumal erste Wetter-Prognosen für den Sommer auf viel Sonne hoffen lassen. Das würde wohl noch mehr Menschen in die Natur locken. Und da warten die Zecken nur auf ihre Opfer.

Das Risiko, in entsprechenden Gebieten bei einem Zeckenstich auch FSME-Erreger abzubekommen, sei laut RKI im vergangenen Jahr gestiegen. Schutz vor der Krankheit gäbe es nur einen: „Daher sollten Personen, die in FSME-Risikogebieten leben oder dorthin fahren, einen ausreichenden Impfschutz anstreben. Für einen kompletten Impfschutz sind in der Regel drei Impfungen notwendig“, erklärte der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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