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Gaskrise trifft Trigema hart: „Habe eine Druckerei, die T-Shirts druckt und kein Geld“

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Von: Sina Alonso Garcia

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Bislang hat Unternehmer Wolfgang Grupp noch für jedes Problem eine Lösung gefunden. Nun, da die Gaskrise seine Firma Trigema mit voller Wucht trifft, steht er erstmals völlig ratlos da.

Er war nie jemand, der lamentiert hat: Trigema-Chef Wolfgang Grupp ging bislang stets aktiv an Problemstellungen heran und versuchte sie auszumerzen, bevor sie ein größeres Ausmaß annehmen konnten. Angesichts der aktuell desolaten wirtschaftlichen Lage zeigt sich jedoch auch er ratlos. „Ich habe 53 Jahre versucht, meine Probleme eigenständig zu lösen und mich dem Wandel anzupassen. Aber jetzt werden mir von der Politik Steine in den Weg gelegt, die ich nicht wegräumen kann“, sagt Grupp im Gespräch mit Focus. „Trigema hat derzeit praktisch keine Chance.“

Am meisten belasten Trigema momentan die exorbitant gestiegenen Gaskosten, berichtet BW24. Wie Grupp erklärt, beliefen sich diese 2020 noch auf 1,2 Millionen Euro im Jahr. 2021 sei der Betrag auf 2,4 Millionen Euro gestiegen. Die Hochrechnung für 2022 zeige, dass man in diesem Jahr bereits bei 12 Millionen Euro landen werde. „Das ist das Zehnfache im Vergleich von vor zwei Jahren!“, so Grupp. Die steigenden Energiepreise sind in seinen Augen eine „große Katastrophe“. Deutschland habe sich 20 Jahre lang energietechnisch von Russland abhängig gemacht - um jetzt zu merken, dass Putin der größte Feind sei.

Trigema-Chef Wolfgang Grupp: Sanktionen gegen Russland bringen nichts, „weil nicht alle an einem Strang ziehen“

Da Grupp für sein Unternehmen mit 100 Prozent Eigenkapital haftet, glaubt er, dass Trigema vielleicht noch ein paar Jahre durchhalten kann. „Aber ich habe eine Druckerei, die T-Shirts druckt und kein Geld“, gibt er zu bedenken. Wegen der wirtschaftlichen Krise seine Produkte deutlich teurer zu machen, sieht der Unternehmer allerdings nicht ein. Zuletzt habe man diese bei Trigema lediglich zweimal um drei Prozent angehoben. „Ein Polo-Hemd kostet bei uns 59 Euro. Dafür bekommen Sie von uns eine super Qualität, das Shirt hält viele Jahre. Aber weiter nach oben kann ich preislich nicht, da sind Marken wie Lacoste etc. positioniert, die mehr verlangen können.“

Wolfgang Grupp - Trigema
Wolfgang Grupp, Eigentürmer und Geschäftsführer des Textilunternehmens Trigema. © Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild

Statt die Sanktionen zu unterstützen, befürwortet Wolfgang Grupp Gasimporte aus Russland. Was den Ukraine-Krieg angeht, wünscht er sich vor allem Diplomatie. „Aus meiner Sicht bringen Sanktionen nichts, weil nicht alle an einem Strang ziehen“, sagt er. Es müsse jemanden geben, der vermitteln kann. „Wenn ich im privaten Umfeld so lange mit jemandem gute Geschäfte mache und dann verkrachen wir uns, dann bitte ich auch darum, dass vermittelt wird.“

Wolfgang Grupp in Sorge: „Wir haben sicher ein Problem, wenn unsere Gasturbinen ausfallen“

Über Gasalternativen hat Grupp bereits viel nachgedacht. „Ich habe die Firma Alois Müller in Memmingen, die darauf spezialisiert ist, beauftragt, für uns Lösungen weg vom Gas zu suchen. Sie haben mir nun zu einem Öl-Kessel geraten“, sagt der Trigema-Chef gegenüber Focus. „Den haben wir sofort bestellt, aber die Lieferzeit beträgt über 1 Jahr!“ In der Zwischenzeit zügig voranzukommen, sei utopisch. „Wir haben sicher ein Problem, wenn unsere Gasturbinen ausfallen.“

Wasserstoff als Gasersatz kann Grupp sich ebenfalls vorstellen. „Aber da reden wir von mehr als drei Jahren, bis wir diese zur Energiegewinnung nutzen können“, gibt er zu bedenken. Normalerweise löse er Probleme sofort, solange sie klein sind. „Aber das geht hier leider nicht.“

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