Nach Wolfssichtung in Weinsberg

Wolf in freier Wildbahn? Experte gibt Tipps: Das ist bei Aufeinandertreffen zu tun

  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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  • Petra Neset-Ruppert
    Petra Neset-Ruppert
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In Weinsberg ist ein Wolf in eine Fotofalle getappt. Doch wie verhält man sich richtig, wenn einem das Tier begegnet? Ein Experte gibt Antworten.

Die neuste Wolfssichtung in Weinsberg im Landkreis Heilbronn zeigt, dass die Tiere ganz langsam auch nach Baden-Württemberg zurückkehren. Zuvor wurden Wolfssichtungen schon aus Schramberg und Schwäbisch Hall gemeldet. Zwar handelte es sich immer um Einzeltiere, aber allein die Tatsache, dass sie Baden-Württemberg durchqueren, ist ein Indiz für ihre Rückkehr in unsere Wälder. Aber wie verhalte ich mich eigentlich, wenn ich einem Wolf begegne? Eine berechtige Frage, da immer mehr von ihnen in Baden-Württemberg beobachtet werden.

Die echo24.de-Redaktion forschte nach und sprach mit einem Experten darüber. Andreas Fischer ist Leiter des Wildtierparadieses in Tripsdrill, wo Wölfe versorgt werden. Die Rückkehr der Tiere nach Baden-Württemberg verfolgt Fischer daher mit großem Interesse. Mit echo24.de spricht er über die Wölfe in freier Wildbahn und gibt Tipps, wie man sich am besten verhält, wenn ein Wolf doch mal vor einem stehen sollte. So viel schon einmal vorweg: Der Wolf ist kein Tier, vor welchem der Mensch Angst haben muss.

Wolf: Wie verhalte ich mich bei Begegnung richtig? Ein Experte gibt Antworten

Update, 9. Januar 2020: Im Wildtierparadies werden täglich vier Wölfe in ihren Gehegen versorgt. „Da wir hier im Wildparadies Tripsdrill Erfahrungen mit der Haltung von Wölfen und anderen Wildtieren haben, verfolgen auch wir die Rückkehr des Wolfs in Baden-Württemberg mit großem Interesse. Grundsätzlich können wir aber keine verbindlichen Handlungsempfehlungen geben, was zu tun ist, wenn man einem Wolf in freier Wildbahn begegnet“, sagt Fischer.

Doch aus der langjährigen Erfahrung heraus kann Andreas Fischer sagen, wie er sich verhalten würde. Was also tun wenn, plötzlich in der Nähe ein Wolf beim Waldspaziergang auftaucht? "Als allererstes würde ich den Anblick genießen – so einen Moment erlebt man so schnell nicht wieder. Sollte der Wolf nicht ohnehin von selbst weglaufen, würde ich mich groß machen, zum Beispiel, indem ich mich breitbeinig hinstelle und dabei laut rufe oder in die Hände klatsche", erklärt Fischer.

Wolf begegnet: Was insbesondere Hundehalter beachten sollten

Ist man nicht alleine im Wald spazieren, sondern mit dem Hund beim Gassi gehen sollte man auch gut auf die Fellnase achten. "In bekannten Wolfsgebieten sollte man Hunde anleinen. Ein Hund, der sich zu weit von seinem Herrchen entfernt, kann vom Wolf als Konkurrent wahrgenommen und angegriffen werden", erklärt der Wildtierparadies-Leiter. Falls der Hund nicht angeleint ist, sollte man das Tier zu sich holen, an die Leine nehmen und den Rückzug antreten.

Falls ein Wolf sich zum Beispiel nicht sofort zurückzieht, könnte es mitunter am Alter des Tieres liegen: "Halbwüchsige Tiere sind oft neugieriger und nähern sich dem Menschen noch am ehesten. Das ist unter normalen Bedingungen kein Grund, panisch zu werden."

Wolfssichtung: So gefährlich ist der Wolf für den Menschen tatsächlich

Zwar hat der Wolf häufig einen schlechten Ruf, doch so böse ist er nicht: "Der Mensch steht nicht auf der Speisekarte des Wolfes." Doch besonders wichtig ist es, den Tieren ihren Freiraum zu lassen und ihnen nicht zu nahe zukommen: "Wenn sich der Wolf in die Enge getrieben fühlt, würde er sich natürlich verteidigen. Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich um einen großen Beutegreifer handelt", erklärt Fischer.

Wer einen Wolf in freier Wildbahn entdeckt, sollte die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg informieren, denn dort werden die Wolfssichtungen in Baden-Württemberg überwacht und dokumentiert. Vom baden-württembergischen Umweltministerium gibt es Handlungsempfehlungen, wie man sich bei einer Begegnung mit einem Wolf verhalten sollte.

Wolfssichtung in Sinsheim: Tier läuft in Foto-Falle – Hier könnte es sein

Update, 7. Januar 2020: Der Wolf, der am 25. Dezember in eine Foto-Falle in Sinsheim-Rohrbach getappt war, könnte eventuell schon weitergezogen sein. "Im Nordschwarzwald liegen genetische Nachweise von Kotuntersuchungen von einem Wolf vor", sagt Pressesprecher Matthias Schmid vom Stuttgarter Umweltministerium gegenüber echo24.de. Man könne also nicht ausschließen, dass es sich hierbei um denselben Wolf handelt.  

"Wölfe können 60 bis 70 Kilometer am Tag zurücklegen und könnten somit auch aus anderen Bundesländern kommen", so Schmid. Deshalb ist es schwer zu sagen, ob das in Sinsheim-Rohrbach gesichtete Tier sich überhaupt noch in der Region aufhält. Die FVA, die forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg, hatte dem Umweltministerium bestätigt, dass sich Ende Dezember ein Wolf in der Region um Sinsheim aufgehalten hat. Das Bildmaterial sei echt und stamme aus dem Kraichgau. 

Wolfssichtung in Sinsheim: Nachweise von Wolf vorhanden

Es soll auch einen Nachweis geben, der in Wolfsforschungskreisen als "C1 Nachweis" bekannt ist. Weitere Spuren des Wolfs wie Haare, Fährten oder genetisches Material konnten die Experten in Sinsheim nicht finden, berichtet rnz.de. Denn: Acht Tage nach der Sichtung und teils langen Regenphasen in diesem Zeitraum gestaltete sich die Suche sehr schwierig.

Die FVA informierte am 2. Januar das Umweltministerium über zwei tot aufgefundene Damwildkühe bei Buchen. Untersuchungen sollen zeigen, wie es dazu gekommen ist. 

Wolfssichtung in Sinsheim: Wolf auf Foto eindeutig zu erkennen

Erstmeldung, 2. Januar 2020: Die meisten Menschen kennen sie nur aus Filmen, Bildern oder dem Zoo. Sie reißen Rehe, Hirsche, Wildschweine und können große Schäden bei Tierherden anrichten. Schon seit Anfang des  9. Jahrhunderts trug genau das dazu bei, dass Wölfe in Deutschland nach und nach ausgerottet wurden. Doch jetzt kehren sie langsam wieder zurück – denn immer wieder werden Wolfssichtungen gemeldet. 

Nun wurde auch ein Wolf in Sinsheim-Rohrbach gesichtet. Die forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) erhielt am 31. Dezember ein Foto einer Wildkamera, auf dem ein Wolf abgebildet ist. "Die FVA hält es für möglich, dass sich ein Wolf in der Region um Sinsheim aufhält oder vorübergehend aufgehalten hat", heißt es in einer Pressemitteilung des Umweltministeriums in Stuttgart. Die Herkunft des Fotos müsse jedoch noch verifiziert werden. Das Tier auf dem Bild sei jedoch eindeutig ein Wolf. 

Sinsheim: Umweltministerium Stuttgart informiert Nutztierhalter über Wolfsverdacht

Das Stuttgarter Umweltministerium hat Nutztierhalter in der Region informiert und um erhöhte Aufmerksamkeit gebeten. Vor allem deshalb, weil Sinsheim außerhalb der Förderkulisse Wolfsprävention im Nordschwarzwald liegt. Ein Wolfs-abweisender Herdenschutz ist dort deshalb bislang nicht erforderlich. Nutztierhalter können über die FVA vom Umweltministerium bereitgestellte Notfall-Zaunsets oder Flatterband mit Stangen für 1,2 Meter Höhe ausleihen. 

Rubriklistenbild: © Pixabay

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