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Sorge vor Wolfsrudel im Schwarzwald – „es wird mehr Risse geben“

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Von: Lisa Klein

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Experten rechnen schon bald mit dem ersten Wolfsrudel in Baden-Württemberg. Der Schwarzwaldverein fordert daher klare Regeln zum Umgang mit problematischen Wölfen.

Die Zahl der in Deutschland lebenden Wölfe wächst. Der Wolf hat auch seinen Weg nach Baden-Württemberg zurückgefunden. Bislang verläuft das Zusammenleben mit den Raubtieren eher friedlich: Angriffe auf Menschen wurden in den letzten Jahren nicht gemeldet. Alle paar Monate fallen Schafe oder Ziegen den Raubtieren zum Opfer und Landwirte melden Risse. Zuletzt wurden Anfang Januar sechs tote Ziegen im Schwarzwald gefunden – es wird vermutet, dass sie von einem Wolf erlegt wurden. Ein DNA-Test soll Klarheit schaffen. Die Fälle halten sich bislang aber in Grenzen.

Wie echo24.de berichtet, ist es jedoch nur eine „Frage der Zeit“, bis es die ersten Wolfsrudel in Baden-Württemberg gibt. Der Schwarzwaldverein warnt vor Problemen, die dadurch entstehen. Obwohl das Land bereits einen Managementplan für die Rückkehr der Wölfe entwickelt hat, fordert der Schwarzwaldverein klare Regeln zum Umgang mit Problemtieren.

Schwarzwaldverein fordert klare Regeln zum Umgang mit problematischen Wölfen

Noch ist Baden-Württemberg eher „Durchgangsland“ für das Raubtier. Doch für die kommenden Jahre rechnet der Schwarzwaldverein neben den bereits bekannten einzelnen Tieren mit ersten sesshaften Gruppen und größeren Konflikten, berichtet die „Deutsche Presse-Agentur“ (dpa). „Mit Blick auf die Erfahrungen in Ostdeutschland, aber auch der Schweiz und Polen ist davon auszugehen, dass wir ein oder mehrere Rudel auch im Schwarzwald haben werden“, sagt Meinrad Joos, Präsident des Schwarzwaldvereins, gegenüber der „Badischen Zeitung“.

Wie viele Wolfsrudel leben in Deutschland?

In Deutschland gibt es 160 Wolfsrudel und über 40 Paare – aber keine dieser Gruppen lebt in Baden-Württemberg. Nach den Zahlen des Bundesamts für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) leben drei einzelne Tiere als „Stammgäste“ fest im Schwarzwald. Als sesshaft gilt ein Wolf, wenn ein eindeutig zuzuweisender Nachweis auch nach sechs Monaten noch gefunden wird.

Schwarzwaldverein warnt vor mehr Rissen, sobald das erste Rudel sesshaft wird

„Dadurch wird sich die Situation weiter verschärfen, es wird mehr Risse geben“, warnt er. Deshalb seien klare Regeln nötig, wie in Konfliktfällen mit Wölfen umgegangen werden könne. „Je früher der Wolf ins Jagd- und Wildtiermanagement-Gesetz aufgenommen wird, desto besser“, sagte Joos.

Das bedeute nicht, dass er pauschal zum Abschuss freigegeben wäre. Es könnten dann aber Vorkommen und Verhalten besser beobachtet werden. „Dann könnte auch erkannt werden, ob es sich um ein problematisches Tier handelt oder nicht.“ Auch aus Sicht der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch in Baden-Württemberg erste Wolfspaare Welpen zur Welt bringen und sich weitere Rudel bilden.

Schwarzwaldverein fordert Überprüfung von Problemwölfen – und gegebenenfalls den Abschuss

Von den beiden im Südschwarzwald sesshaften Wölfen habe sich das Tier im Bereich Schluchsee bislang überwiegend von Wildtieren ernährt. Der andere Wolf habe wiederholt Schafe, Ziegen und auch Weidetiere angegriffen und sei problematisch. „Hierfür sollten die Möglichkeiten einer Entnahme geschaffen werden“, sagte Joos, dessen Verein mit rund 60.000 Mitgliedern eine der großen Freizeit- und Naturschutzorganisationen im Land ist.

Zwei Wölfe sind im Gehege im Wildpark Schorfheide zu sehen.
Bislang sind die Wölfe in Baden-Württemberg noch als Einzelgänger unterwegs. Sollten sie sich als Rudel zusammenschließen, könnte das gefährlich werden. © Patrick Pleul/picture alliance/dpa

„Diese Überprüfung geht aber nur, wenn die Population überschaubar ist, daher sollten wir jetzt handeln, bevor es zu spät ist.“ Er rechnet nach eigenen Angaben aber damit, dass das Thema erst nach der nächsten Landtagswahl 2026 auf die Tagesordnung kommt.

Der Wolf hat keine natürlichen Feinde und steht in Deutschland als streng geschützte Art unter Naturschutz. Ein Abschuss ist verboten, es sei denn, die eigentlich Menschen gegenüber scheuen Wölfe verhalten sich in der Begegnung mit Menschen aggressiv. Dann erlaubt das Bundesnaturschutzgesetz einen Abschuss – offiziell „Entnahme“ genannt. Ein solcher Fall unprovoziert aggressiven Wolfsverhaltens ist seit 1998 laut dem Bericht aber noch nicht aufgetreten. Begegnungen sind vor allem im Schwarzwald durchaus möglich – echo24.de erklärt, wie man sich richtig verhält, wenn man auf einen Wolf trifft.

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