Wölfe in Deutschland

Baden-Württemberg: Umweltministerin gibt „Problemwölfe“ zum Abschuss frei

  • Lisa Klein
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Die Wolfspopulation in Deutschland nimmt zu — so auch die Sorge bei Weidetierhaltern. Umweltministerin Thekla Walker gibt nun „Problemwölfe“ zum Abschuss frei.

Der Wolf kehrt so langsam in die deutschen Wälder zurück, die Population nimmt jährlich zu — und mit ihr auch die Sorge von Weidetierhaltern. Die neue Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) hat sich nun zum Abschuss „problematischer Wölfe“ bekannt. „Wenn ein Wolf zu nahe kommt oder ein problematisches Verhalten an den Tag legt, dann muss man den auch entnehmen und dazu sind wir dann grundsätzlich auch bereit“, sagte sie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Stuttgart.

Zwar sei der Wolf eine streng geschützte Art und nun hier resident, aber Walker könne Ängste bei Weidetierhaltern nachvollziehen. „Wir haben von Anfang an klargemacht, dass die Existenz und Zukunft der Weidetierhalter und -halterinnen für uns enorm wichtig sind.“ Es müsse sich erst an den Wolf gewöhnt und die Entwicklung sehr sorgsam beobachtet werden.

Wie viele Wölfe gibt es in Deutschland?

Laut des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) befanden sich im November 2020 laut offiziellem Monitoring der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) 128 Rudel, 35 Paare und 10 residente Einzeltiere in ganz Deutschland.

Ein Rudel ist laut NABU ein Familienverband, bestehend aus dem Elternpaar, Welpen des aktuellen Jahrgangs und den noch nicht abgewanderten Jungtieren aus dem Vorjahr. Ein Paar gilt erst als Rudel, wenn Nachwuchs nachgewiesen wird. In unseren gemäßigten Zonen besetzt je ein Rudel ein Revier, ist also ortstreu. In diesem Revier dulden die Elterntiere in der Regel nur ihre Jungtiere bis zu einem Alter von zwei Jahren und sonst keine anderen Wölfe. In Deutschland nutzt eine Wolfsfamilie ein Territorium von rund 250 Quadratkilometern.

Auf europäischer Ebene gehört der Wolf zu den streng geschützten Tierarten. Schon 1979 wurde er in die Berner Konvention — eine Naturschutzvereinbarung aller europäischen Länder — aufgenommen. Das Stören, Fangen oder Töten sowie weitere Beeinträchtigungen von Wölfen sind generell verboten. Zum Schießen eines Wolfes wird in Deutschland eine Genehmigung benötigt.

Umweltministerin gibt „Problemwölfe“ zum Abschuss frei — Wolf weiterhin unter Schutz

Die sogenannte Entnahme schließt das Fangen, aber auch das Töten einzelner Tiere ein. Liegt eine Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde des entsprechenden Bundeslandes vor, kann die Entnahme in Einzelfällen angeordnet werden. Trotz der Zunahme der Wölfe in Baden-Württemberg rief Walker zur Beruhigung in der Debatte auf. Man müsse zwar Respekt vor dem Wolf haben, aber keine Angst. Noch gibt es keine Rudel in Baden-Württemberg.

Der vorsätzliche Abschuss eines Wolfes ist in Deutschland übrigens eine Straftat und wird mit einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet. Für den versehentlichen Abschuss sieht der Gesetzgeber eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten vor. Darüber hinaus sind jagdrechtliche Konsequenzen wie der Entzug des Jagdscheines oder ein Verbot der Jagd möglich.

„Mit drei residenten Wölfen, die wir jetzt haben, ist das alles noch in einem überschaubaren Rahmen“, sagte die Umweltministerin. Und: „Vieles, was man so hört, sind mutmaßliche Fälle, die dann oft mit dem Wolf gar nichts zu tun haben. Oft stellt sich im Nachhinein raus: Es war gar nicht der Wolf, es war ein Hund.“ Und wo Herdenschutz bestand, hätten die Wölfe noch nicht ein einziges Nutztier gerissen.

Die Weidetierhalter bleiben weiterhin in der Verantwortung, ihre Herde zu schützen — etwa mit Herdenschutzhunden oder entsprechenden baulichen Maßnahmen. Von „wolfsfreien Zonen“ in baden-württembergischen Wäldern hält Walker nichts. „Das würde ja voraussetzen, dass sie dem Wolf irgendwie vorschreiben könnten, wo er sich bewegen darf und wo nicht. Ich glaube, das hat bis jetzt noch keiner geschafft.“

Wölfe in Deutschland: Die meisten Tiere sterben im Straßenverkehr

Aus Sicht von FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke sei „das Bekenntnis der grünen Umweltministerin zum Abschuss problematischer Wölfe“ längst überfällig. Die grün geführte Landesregierung habe die Nutztierhalter im Stich gelassen. „Sie hat in Kauf genommen, dass zahlreiche Tiere durch problematische Wölfe getötet wurden und damit die ökologisch wichtige Weidetierhaltung in Baden-Württemberg in Gefahr gebracht.“

Bislang sind im Südwesten drei Wölfe als Stammgäste bekannt, zwei von ihnen leben dauerhaft im Schwarzwald, ein weiterer im Odenwald. Generell ist wohl eher der Mensch ein Problem für den Wolf, statt der Wolf für den Menschen. Wie die dpa berichtet, sterben immer mehr Wölfe auf dem Asphalt: Vor fünf Jahren wurden 26 Tiere erfasst, vergangenes Jahr waren es bereits 99, wie die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) in ihrem jährlichen Bericht schreibt.

Zuletzt seien drei Welpen in den niedersächsischen Landkreisen Verden, Celle und Harburg überfahren worden. 79 Prozent der gefundenen Wölfe sterben im Straßenverkehr. Der Tierschutzorganisation WWF riet Autofahrern bei Unfällen mit einem Wolf, den Notruf zu wählen. „Wie bei Unfällen mit Reh oder Wildschwein gilt auch beim Wolf: Im Fall eines Zusammenstoßes sollte auf jeden Fall die Polizei kontaktiert werden. Das gilt auch, wenn das Tier noch lebt und sich vom Unfallort wieder entfernt“, sagte der Experte für Wildtiere in Deutschland, Moritz Klose.

Rubriklistenbild: © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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