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Kastrationspflicht für Katzen in Baden-Württemberg ist „absolut überfällig“

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Von: Jason Blaschke

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Immer mehr Gemeinden in Baden-Württemberg führen eine Katzenschutzverordnung mit Kastrationspflicht ein – eine Reaktion auf das Leid vieler wild lebender Tiere.

Karlsruhe – Wild lebende Tiere in Baden-Württemberg werden für die Menschen zunehmend ein Problem, primär, wenn es um das Thema Krankheiten geht. Gerade viele der exotischen Tierarten, die sich aufgrund der Temperaturen mittlerweile auch in Baden-Württemberg wohlfühlen, sind ein Risiko. Denn gerade all jene Tierarten im Südwesten, die Krankheiten übertragen, sind potenziell auch für Menschen gefährlich – und es werden immer mehr.

Fotos von Wildkatzen in Baden-Württemberg schocken – krank und verwahrlost

Nahe Mannheim wurde die Hyalomma-Zecke gesichtet, in Konstanz die gefährliche asiatische Tigermücke, die von Bill Gates einst als „tödlichstes Tier der Welt“ bezeichnet wurde. Doch nicht bloß invasive Tierarten sind ein Problem, auch heimische Tiere können problematisch werden, etwa, wenn sie sich uneingeschränkt vermehren. Das ist in Baden-Württemberg primär mit Wildkatzen ein großes Problem, wie der Landestierschutzverband (LTV) berichtet.

Auf der Verbandshomepage finden sich mehrere Bilder verwilderter, kranker Katzen, die in Tierheimen gelandet sind – oft sind es Krankheiten wie Katzenschnupfen oder Katzen-AIDS. Viele Wildtiere würden auch schon mit Gen-Defekten auf die Welt kommen, berichten die Tierschützer. „Die Katzen sind wirklich krank“, sagt Stefan Hitzler, LTV-Vorsitzender in Baden-Württemberg im SWR-Gespräch. Und irgendwann landen sie in Tierheimen.

Eine kranke Wildkatze wird in einem Tierheim behandelt, das Tier ist verwahrlost.
Oft sind es Krankheiten wie Katzenschnupfen oder Katzen-AIDS, mit denen Wildkatzen in Tierheime kommen – ein Leid, das aus Sicht von Tierschützern verhindert werden kann. © Landestierschutzverband Baden-Württemberg e.V.

Katzenschutzverordnung in Baden-Württemberg – was Tierhalter wissen müssen

Doch auch hier können die Wildkatzen meist nicht lange leben, da sie aufgrund ihrer Scheu vor Menschen kaum vermittelbar sind, die Folge: Viele Wildkatzen werden gesund gepflegt und anschließend wieder in die Natur entlassen. Am Problem, dass sich diese Tiere ungehindert vermehren und oft schwer krank werden, ändert das aber nichts. Hitzler dazu: „Eine Katze, die nicht geboren ist und nicht ums Überleben kämpfen muss, wird nicht krank ins Tierheim gebracht.“

Auch deshalb führen immer mehr Gemeinden in Baden-Württemberg eine Katzenschutzverordnung ein, um das Problem Wildkatze an der Wurzel zu packen. Denn einer der Hauptpunkte in der Verordnung ist die Kastrationspflicht, die sowohl für Haus- als auch für Wildkatzen greift. Sprich, Katzenbesitzer sind verpflichtet, ihr Tier kastrieren zu lassen – wild lebende Katzen können einfacher über Tierschützer kastriert werden. Was die Verordnung beinhaltet:

Facebook-User begrüßen Kastrationspflicht: „Sollte selbstverständlich sein“

Dass immer mehr Gemeinden in Baden-Württemberg die Katzenschutzverordnung einführen, finden Tierschützer und Facebook-User richtig. Seit August ist auch die Stadt Lahr als erste große Kreisstadt dabei. „Absolut überfällig“, schreibt eine Facebook-Userin, eine andere ergänzt: „So etwas sollte selbstverständlich sein.“ Der LTV kritisiert jedoch, dass es für ganz Baden-Württemberg keine einheitliche Lösung gibt.

Auch deshalb setzen sich die Tierschutzvereine in Deutschland für bundeseinheitliche Katzenschutzverordnungen ein – denn nur, wenn viele mitmachen, kann das „ungesehene Leid“, wie es Hitzler nennt, beendet werden. Wie viele Streuner es in ganz Baden-Württemberg gibt, ist nicht bekannt. „Weil die Tiere nicht gesehen werden“, argumentiert Hitzler und erklärt, dass den Tierheimen schlicht die Kapazitäten für Zählungen fehlen würden.

Immer mehr Kommunen führen Katzenschutzverordnung ein – 37 allein in BW

Auch deshalb hofft der LTV-Vorsitzende, dass noch mehr Gemeinden in Baden-Württemberg in Zukunft mitmachen, um unnötiges Leid zu verhindern. „Die Kommune muss für sich sagen: Wir haben ein Problem mit frei laufenden Katzen.“ Doch bis es dazu komme, sei meist viel Überzeugungsarbeit vonseiten des Tierschutzes nötig, kritisiert Hitzler. Doch immerhin haben mittlerweile (Stand, Mai 2022) 37 Kommunen eine Katzenschutzverordnung eingeführt.

Kommunen in BW, in denen es eine Kastrationspflicht für Katzen gibt

Wer hier lebt und eine Katze als Haustier hat, muss die oben genannten Eckpunkte der Katzenschutzverordnung beachten. Alle die Kosten, die dabei entstehen, müssen die Tierbesitzer selbst tragen. Jedoch kann es sich lohnen, bei der Gemeinde nach Zuschüssen zu fragen, da sich manche Kommunen etwa an der Kastration finanziell beteiligen. Die Kosten für die Kastration wild lebender Tiere tragen in Baden-Württemberg fast immer die Tierschutzverbände.

Spenden für die Kastration frei lebender Katzen

Über das Spendenkonto vom Landestierschutzverband Baden-Württemberg, Stichwort: „KATZENKASTRATION“
Sparkasse Freiburg, IBAN: DE36680501010002391999
Online-Spenden über betterplace.org

Kastrationen von Wildkatzen zahlen Tierschutzverbände – 60.000 Euro pro Jahr

Auf kommunaler Ebene werden die Verbände oft noch finanziell unterstützt – doch auch vom Landesverband gibt es Fördermittel. Hitzler: „Wir geben an unsere Vereine bis zu 1.500 Euro im Jahr.“ In ganz Baden-Württemberg gibt es nach SWR-Informationen rund 115 kommunale Vereine, die die Kastrationskosten oft auch an den LTV abtreten. Der LTV übernimmt mit 60.000 Euro pro Jahr zwei Drittel der Kosten, das Land mit 30.000 Euro das restliche Drittel.

Doch trotz staatlicher Fördermittel sei „das nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, erklärt Hitzler. Das Geld reiche nicht aus – und wo kein Geld mehr da ist, können auch keine Kastrationen mehr durchgeführt werden. Umso wichtiger ist es, dass auch in Baden-Württemberg alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Privatpersonen können schon helfen, indem sie ihr eigenen Katzen kastrieren lassen, Wildkatzennester melden oder mit Spenden die Tierschutzvereine unterstützen.

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