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28 Grad im Oktober? Das macht der warme Herbst mit Tieren und Pflanzen

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Von: Michaela Ebert

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Viele Igelstationen sind momentan brechend voll. Nicht jedem Igel kann dabei noch geholfen werden, denn oft erreichen die Auffangstationen völlig unterernährte Tiere.
Igel sind besonders im Herbst aktiv. Dann begeben sie sich auf Nahrungssuche, um sich Fettreserven für den Winter anzufressen. © dpa

Im Oktober 2022 steigen die Temperaturen auf sommerliche 28 Grad. Für uns Menschen ein erfreuliches Sommer-Comeback. Doch was macht das mit den Tieren und Pflanzen?

Sonne satt und Temperaturen bis zu 28 Grad. Ein Klima, das wir im Oktober sonst nur aus südlicheren Ländern kennen. Doch der Herbst hatte im Jahr 2022 in Heilbronn und ganz Baden-Württemberg noch ein echtes Sommer-Comeback parat. Nach dem doch recht kühlen September tat der goldene Oktober doch noch mal richtig gut – oder?

Zumindest für uns Menschen war die Warmwetterperiode im Herbst eine echte Wohltat – Besonders mit Blick auf den anstehenden Winter und die gestiegenen Energiekosten. Aber wie sieht eine solche Wetterlage für die Tier- und Pflanzenwelt aus? Wer profitiert? Und für wen wird‘s kritisch?

Oktoberhitze 2022: Klimawandel oder goldener Herbst?

Sicherlich fragen sich bei derartigen Temperaturen einige: Ist das nur der goldene Oktober oder doch schon der Klimawandel? Generell kann gesagt werden: Ein paar warme Tage am Ende des Monats sind gar nicht so ungewöhnlich. Trotzdem betont der ARD-Meterologe Karsten Schwanke, dass es in diesem Jahr etwa acht bis neun Grad mehr waren als normalerweise zu dieser Jahreszeit.

Auch wenn in den letzten Tagen vielerorts noch mal die kurze Hose ausgepackt wurde, kamen beim Blick in den Garten wohl eher weniger Sommergefühle auf: Wo vorher bunte Blumenbeete standen, sind jetzt braune und verblühte Stoppelfelder zu sehen, die meisten Bäume haben bereits ihre Blätter verloren und auch die Erntezeit neigt sich dem Ende zu.

Wärme im Herbst: Einige Spezies profitieren von vielen Sonnenstunden

Diejenigen, die ihre Blätter noch behalten haben, können jedoch von den vielen Sonnenstunden profitieren. Die meisten haben ihre Früchte und Blüten ja ohnehin schon abgeworfen, weshalb sich die überschüssige Energie gut für den Winter einspeichern lässt.

Doch genau da liegt auch das Problem vieler Insekten. Das warme Wetter lockt sie hervor und die Arten, die auf die bunten Blüten angewiesen sind, finden jetzt kaum noch Nektar. Bienen, Schmetterlinge, und Hummeln zum Beispiel verbrauchen somit bei der anstrengenden Suche viel Energie – Wichtige Energie, die sie eigentlich für den anstehenden Winter benötigen.

28 Grad im Oktober: Das machen die Tiere

Anders sieht es aus bei den Igeln. Für die verzögert sich die Winterruhe zwar nach hinten, jedoch profitieren sie vielmehr von der Wärme. Denn somit bleibt ihnen viel Zeit, sich eine besonders dicke Fettschicht für den Winter anzufressen. Und das Buffet ist immerhin reich gedeckt. Denn neben Insekten finden die stacheligen Vierbeiner noch viele weitere Krabbeltiere, die auch auf ihrer Speisekarte stehen.

Spinnen zum Beispiel. Angetrieben durch die Wärme werden sie aktiv und begeben sich auf Futter-, wenn nicht sogar Partnersuche. Nicht selten verirren sie sich dabei verschiedene Spinnenarten in unsere Häuser. Aber auch andere lästige kleine Plagegeister, wie Fruchtfliegen findet man derzeit zuhauf. Wie man sie am besten loswird, berichtete echo24.de bereits.

Nach Sommer-Comeback: Im November warten Temperaturunterschiede von bis zu 50 Grad

Auch Zecken zählen wohl zu den Tieren, die von milderen Nachsommern profitieren. Immerhin brauchen sie laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) lediglich sieben bis zehn Grad, um aktiv zu werden. Somit können sie länger auf süddeutschen Feldern und Wiesen überleben und das vor allem in Gegenden, welche ohnehin schon als Hochrisikogebiet gelten.

Wer sich nun aber wundert, wo die ganzen Fledermäuse sind, kann beruhigt werden. Die meisten von ihnen haben sich bereits in ihre Winterquartiere, tief ins Innere von Höhlen zurückgezogen – und das Sommer-Comeback dort schlichtweg verschlafen. Eine gar nicht so dumme Idee, wenn man bedenkt, dass es schon im November zu deutlichen Temperaturunterschieden von bis zu 50 Grad kommen kann.

Auch wenn die Folgen auf den ersten Blick für viele Tiere und Pflanzen weniger dramatisch wirken, hätte eine derartige, langfristige Veränderung der Temperaturen in Süddeutschland ohne Zweifel dramatische Folgen für Tiere und Pflanzen. Das beträfe dann allerdings nicht nur den Herbst, sondern auch alle weiteren Jahreszeiten – und hätte zudem auch Auswirkungen auf Natur und Menschheit.

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