Schausteller verzweifelt

Aus für Weihnachtsmärkte: Experte nennt unbeachtete, traurige Bilanz

  • Julia Thielen
    VonJulia Thielen
    schließen

Nach der Absage vieler Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg droht eine erschreckende Folge. Schausteller versuchen, sie zu verhindern.

An was denkst du zuallererst, wenn du an Weihnachtsmarkt denkst? Für viele dürfte die Antwort „Glühwein“, „gebrannte Mandeln“ oder „Lebkuchen“ lauten. Die besonderen Leckereien in der Adventszeit gehören zum Bummel an den Ständen der Märkte einfach dazu. Doch genau das führt aktuell zu einer heftigen Folge - schließlich wurden viele Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg kurz vor knapp wieder abgesagt.

Mancherorts war bereits alles aufgebaut, als die Schausteller erfuhren, dass sie ihre Stände nicht öffnen durften. Andere mussten nach einigen Tagen wieder schließen. So oder so - die Verantwortlichen hatten in der Hoffnung auf eine Durchführung trotz Corona bereits umfangreich vorgesorgt.

Weihnachtsmärkte BW: Nach Aus - Experte nennt unbeachte, traurige Bilanz

Etliche Tonnen Lebensmittel wurden bereits eingekauft und sollten dann an Kunden abgegeben werden können. Doch nun bleiben die Schausteller auf Bratwürsten und Glühwein sitzen.

Viele Weihnachtsmärkte wurden bereits geschlossen.

Einer von vielen furchtbaren Rückschlägen für die Betroffenen in der Corona-Pandemie in Baden-Württemberg. Ein großer Teil der Nahrungsmittel müsse nun weggeworfen werden, erklärte Mark Roschmann, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Südwest Stuttgart.

Weihnachtsmärkte Baden-Württemberg: Schausteller müssen Lebensmittel wegwerfen

Nach seinen Angaben hatten etliche Schausteller alles versucht, damit die Lebensmittel nicht verkommen oder gar im Müll landen. Viele Anbieter hatten ihre Waren an Tafeln für Bedürftige verteilt: nur: „Das ist selbst für die Einrichtungen zu viel, wie uns die Organisatoren sagen“.

Auch auf Wochenmärkten werden die gebeutelten Schausteller ihr Angebot nicht los. Das klinge zwar gut, die Auswahl auf den Märkten sei im Südwesten aber schon ohne zusätzliche Angebote der verzweifelten Händler groß genug.

Baden-Württemberg: Auch auf Wochenmärkten kein Platz

Das bestätigt ein Sprecher der Stadt Konstanz: „Auf unseren Wochenmärkten sind die Platzkapazitäten für weitere Verkaufsstände leider weitgehend ausgeschöpft.“ Nur am Dienstag und am Mittwoch könne man noch verderbliche Lebensmittel in begrenztem Umfang zulassen. Doch das reicht bei weitem nicht, um die Ware vor dem Weg in die Tonne zu bewahren.

Lange haltbar sind viele der Nahrungsmittel jedenfalls nicht. Selbst Glühwein laufe aufgrund der Zugabe von Nelken oder Zimt deutlich schneller ab als normaler Wein.

Weihnachtsmärkte: Schausteller bekommen finanzielle Hilfen

Einziger Lichtblick: Zumindest auf finanziellen Ausgleich können die Betroffenen hoffen: Nach dem Aus für die Weihnachtsmärkte könnten Überbrückungshilfen vom Bund sowie ein Tilgungszuschuss und der Unternehmerlohn beim Land Baden-Württemberg beantragt werden. „Verschiedene Kommunen haben ebenfalls Unterstützung angeboten“, sagte Roschmann.

So arbeitet beispielsweise die Stadt Pforzheim nach eigenen Angaben an einem Hilfskonzept. Wie das gelingen kann, werde geprüft, teilte ein Sprecher mit: „Einerseits sollen keine Lebensmittel vernichtet werden. Andererseits möchten wir auch die Schausteller unterstützen, die durch die Absage des Weihnachtsmarktes wirtschaftlich sehr betroffen sind, insbesondere im Hinblick auf den bereits getätigten Wareneinkauf.“

Baden-Württemberg: Zahlreiche Weihnachtsmärkte abgesagt

Anfang der Woche war der Stuttgarter Weihnachtsmarkt abgesagt worden. Aus Sicht des Rathauses wäre der Besucherandrang unter Corona-Bedingungen nicht kontrollier- und beherrschbar gewesen. Auch in Heilbronn gab es eine Absage. Weitere Weihnachtsmärkte im Südwesten reagierten am Mittwoch mit Schließung, beispielsweise in Freiburg und Konstanz.

Rubriklistenbild: © Martin Schutt/dpa

Das könnte Sie auch interessieren