Alkohol oder nicht - das ist die Frage

Trotz Corona Weihnachtsmärkte in BaWü? Hitziger Glühwein-Streit entbrannt

Zwei Menschen stoßen auf einem Weihnachtsmarkt mit Glühwein an.
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In Sachen Weihnachtsmarkt in Baden-Württemberg scheiden sich die Geister an der Alkoholfrage.
  • Julia Thielen
    vonJulia Thielen
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Weihnachtsmärkte in Zeiten von Corona? In Baden-Württemberg dreht sich die Frage gerade vor allem um den Alkohol.

Weihnachtsmarkt ohne Glühwein. Das ist wie Adventskalender ohne Schokolade. Geht schon, ist aber einfach nicht dasselbe. Oder? Dieser Frage müssen sich die Städte in Baden-Württemberg stellen, die in diesem Jahr trotz Corona einen Weihnachtsmarkt möglich machen wollen. Denn auch wenn Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) Weihnachtsmärkte im Südwesten grundsätzlich befürwortet - er empfiehlt den Kommunen aber, ein Alkoholverbot auszusprechen. Längst ist in der Glühwein-Frage ein regelrechter Streit entbrannt.

Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg: Kommunen entscheiden selbst ob sie absagen oder nicht

Ob ein Weihnachtsmarkt überhaupt stattfindet oder abgesagt wird, hat jede Kommune selbst in der Hand. Für viele Weihnachtsmärkte gab es vorab schon das Aus. Doch einige Städte halten an ihren Adventsmärkten, zumindest in abgespeckter Form, fest. Solange das allgemeine Corona-Infektionsgeschehen das zulasse, dürfen die Gemeinden in Baden-Württemberg selbst entscheiden. Das erklärte Kretschmann am Mittwoch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Den Freibrief zur Durchführung von Weihnachtsmärkten in Baden-Württemberg trotz Corona begründete Kretschmann mit den unterschiedlichen Infektionsgeschehen in einzelnen Regionen. „Auch die lokalen Bedingungen zur Durchführung von Weihnachtsmärkten sind von Ort zu Ort verschieden“, sagte der Ministerpräsident. Nur wenn die Corona-Zahlen im gesamten Bundesland stark steigen, müsste es eine Entscheidung für ganz Baden-Württemberg geben.

Trotz Corona Weihnachtsmärkte: Alkoholfrage sorgt für Streit in BaWü

Dennoch will Kretschmann den Kommunen in Sachen Weihnachtsmarkt einiges mit an die Hand geben. Das Sozialministerium soll zum Beispiel Leitfäden zu Hygienemaßnahmen und Zu- und Abläufen der Besucher bereitstellen. Auch ein Alkoholverbot legte der Ministerpräsident den Städten Baden-Württembergs ans Herz. Doch diesen Wunsch teilen längst nicht alle. Glühwein oder nicht? Diese Frage spaltet die Gemüter.

Schon vor der Entscheidung, Weihnachtsmärkte grundsätzlich zu erlauben, hatte die grün-schwarze Koalition in Baden-Württemberg angesichts der Corona-Pandemie lange diskutiert. Und zwar vor allem über ein mögliches Alkoholverbot. Jetzt darf jede Stadt selbst entscheiden. Doch selbst die Empfehlung zum Verzicht auf Glühwein und Co. steht in der Kritik.

Glühwein-Streit: Weihnachtsmärkte in BaWü können theoretisch stattfinden

„Ich habe noch nie jemanden mit Glühweintassen auf Bierbänken tanzen gesehen“, sagte Mark Roschmann, Vorsitzender des Schaustellerverbands im Südwesten. Er wünscht sich einen Ruck der Landesregierung, Weihnachtsmärkte auch mit Alkoholausschank durchführen zu wollen. Es gebe keinen Grund, Alkohol auf den Märkten zu verbieten. Roschmann sprach von einer Ungleichbehandlung im Vergleich zum sogenannten stehenden Gewerbe. Die Problemfälle mit Blick auf die Corona-Pandemie seien private Partys. Wenn auf den Märkten kein Glühwein ausgeschenkt werden dürfe, besorgten ihn sich die Menschen selbst, dann gebe es alkoholisierte Menschentrauben woanders.

Es brauche keinen Glühwein mit Schuss oder Hochprozentiges. Nur ohne das Heißgetränk gehe es auch nicht. Roschmann: „Drei Viertel der Besucher kommen nur wegen der Tasse Glühwein zum Weihnachtsmarkt, erst danach kauf‘ ich Christbaumkugeln und gebrannte Mandeln.“ Die Weihnachtsmärkte machten ein Drittel des Jahresumsatzes der Schausteller im Land aus. Unterstützung gibts es von Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Pauschale Verbote hätten in der Corona-Zeit bislang ihrer Meinung nach bei Betroffenen und in der Bevölkerung eher zu eingeschränkter Akzeptanz geführt.

Weihnachtsmärkte in BaWü trotz Corona: Streit um Glühwein entbrannt

Auch Tourismusminister Guido Wolf (CDU) sagte, er begrüße, dass ein generelles Glühweinverbot vom Tisch sei. Sozialminister Manne Lucha (Grüne) dagegen sieht den Alkoholkonsum auf den Märkten kritisch. Alkohol enthemme und führe unter Umständen zur Missachtung beispielsweise von Hygieneregeln. „Der Streit zwischen dem Alkoholverbieter Lucha und der Gegenposition von Frau Hoffmeister-Kraut lässt sich offenbar nicht lösen“, sagte der tourismuspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Erik Schweickert. „Dann müssen das halt die Kommunen entscheiden.“

Die sind angesichts ständig veränderter Corona-Zahlen aber oft noch unsicher, ob und wie ein Weihnachtsmarkt überhapt stattfinden kann. So arbeitet Heilbronn beispielsweise immer noch an einem Konzept zur Durchführung des Weihnachtsmarkts. Der traditionelle Altdeutsche Weihnachtsmarkt in Bad Wimpfen wurde gestern dagegen wie viele andere vor ihm gänzlich abgesagt.

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