Weihnachtszeit in Baden-Württemberg ohne Weihnachtsmärkte

Esslingen sagt Weihnachtsmarkt 2021 ab! Andere Städte ziehen nach

Weihnachtsmarkt vor dem alten Rathaus in Esslingen
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Esslingen sagt Weihnachtsmarkt 2021 ab! Andere Städte ziehen nach.
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  • Dominik Jahn
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Zahlreiche Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg finden nicht statt. Esslingen erlebt extrem angespannte Corona-Lage. Weitere Absagen und Gründe.

Update, 22. November: Jetzt doch! Zahlreiche große Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg sind abgesagt. Am Montag haben gleich drei Städte das Aus für ihre Märkte bekanntgegeben: Stuttgart, Esslingen und Ludwigsburg. Zu schlecht sind die aktuellen Corona-Zahlen, zu groß die Verantwortung.

Die Landeshauptstadt Stuttgart reagierte mit der Weihnachtsmarkt-Absage auf die Rückzieher von Esslingen und Ludwigsburg. Von Oberbürgermeister Nopper gab es danach einen Apell an Bund und Land für die Schausteller. Auch in der Stadt Esslingen hatte man lange die Hoffnung einen Markt durchführen zu können. Am Montagnachmittag war dann doch alles ganz anders.

Esslingen sagt Weihnachtsmarkt ab: Extreme Corona-Lage ist der Grund

Als Grund für die Absage wird auf der Internetseite der Stadt die „pandemische Lage in Esslingen und der Region“. genannt. Aktuell seien alle verfügbaren Intensivbetten des Klinikum Esslingens ausgelastet. Dazu erklärte der Geschäftsführer des Klinikums Matthias Ziegler: „Wir sind dringend darauf angewiesen, dass sich die Anzahl der CoViD-Patienten nicht noch weiter erhöht und müssen die medizinischen Versorgungskapazitäten sicherstellen.“

Besonders schwer ist den Verantwortlichen um Michael Metzler, Geschäftsführer der Esslingen Markt und Event GmbH, das Aus für die Schausteller gefallen. Metzler: „Es tut uns im Herzen weh, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt, an dem der Aufbau im vollen Gange war, diese Entscheidung treffen mussten. Aber um verantwortungsvoll auf die Situation zu reagieren, war die Absage der einzige Weg.“

In der offiziellen Stellungnahme auf der Seite der Stadt Esslingen heißt es weiter: „Im Zuge der zunehmenden Absagen in der Region und im gesamten Bundesgebiet appelliert Metzler an die Verantwortlichen von Bund und Land, für die Händler und Betroffenen der Weihnachtsmärkte wirtschaftliche Hilfsprogramme aufzulegen, zumal es sich vornehmend um Familien- und Einzelunternehmen handelt.“

Ludwigsburg: Barock-Weihnachtsmarkt abgesagt

Besonders hart dürfte es die Händler in Ludwigsburg getroffen haben. Nur wenige Stunden vor der Eröffnung des Weihnachtsmarktes erfolgte die Absage: Kein Ludwigsburger Barock-Weihnachtsmarkt 2021. Auch hier steht das Klinikum kurz vor der Überlastung.

Geschäftsführer des Klinikums Dr. Jörg Martin: „Wir stehen kurz vor einer Überlastung unserer medizinischen Versorgungskapazitäten und müssen dringend gegensteuern.“ Für Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht blieb bei diesen Fakten wenig Spielraum. In einer Mitteilung der Stadt erklärt er: „Wir stehen in der Verantwortung, eine Überlastung der Kliniken zu vermeiden. Es tut unheimlich weh, dass damit auch die Absage des Ludwigsburger Weihnachtsmarktes unumgänglich ist.“

Heilbronn: Käthchen-Weihnachtsmarkt 2021 abgesagt

Auch in Heilbronn wurde erst vor wenigen Tagen eine Entscheidung getroffen: Der Käthchen-Weihnachtsmarkt 2021 wurde von den Verantwortlichen der Stadt abgesagt. Auch hier spricht man von einer „ganz schwierigen Entscheidung“.

Aus für Weihnachtsmärkte in BW? 2G-Regel setzt Veranstalter unter Druck

Update vom 18. November: Die Corona-Zahlen in Baden-Württemberg steigen stetig weiter. Seit Mittwoch, dem 17. November, gilt im Südwesten deshalb die Alarmstufe. Das Robert Koch-Institut (RKI) warnt zudem aktuell vor größeren Veranstaltungen – worunter auch Weihnachtsmärkte fallen – und nicht notwendige Kontakte zu reduzieren.

Nach derzeitigem Stand dürfen in Baden-Württemberg trotz der sich immer weiter zuspitzenden Pandemie-Lage Weihnachtsmärkte stattfinden. Allerdings nur unter strengem Hygienekonzept und weitestgehend nur für Geimpfte und Genesene – die 2G-Regeln in Baden-Württemberg setzt sich durch.

Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg wegen Corona-Lage unter hohem Druck

Viele größere Städte im Südwesten halten in diesem Jahr an den Weihnachtsmärkten fest, die Betreiber sind bereits am Aufbauen und rechnen nicht mehr mit einer kurzfristigen Absage. In Ulm soll der Markt ab kommendem Montag erste Besucher empfangen. Der Aufbau erlaube eine Umsetzung der 2G-Regel mit Zugang nur für Geimpfte und Genesene, hieß es vonseiten der Stadt. An vier Eingängen soll es in Ulm Zugangskontrollen geben.

Der Weihnachtsmarkt in Stuttgart soll ebenfalls, wie geplant, am 24. November erste Besucher empfangen dürfen. Ob es dabei bleibt und ob die Vorgaben noch mal verschärft werden, ist derzeit aber noch unklar. Stadt und Veranstalter wollen am Donnerstag (18. November) über das weitere Vorgehen informieren.

Auch Karlsruhe hält an seinem Christkindlesmarkt und dem Beginn am kommenden Montag fest. Mit der Alarmstufe gilt hier gleichfalls die 2G-Regel. Für die Gastro-Bereiche mit Glühwein, Bratwurst und Waffeln sehen die Veranstalter Zäune zur Absperrung vor. Die Weihnachtsmärkte in Freiburg, Heidelberg und Konstanz am Bodensee starten bereits an diesem Donnerstag.

2G-Regelung: Kleinere Städte in Baden-Württemberg sagen Weihnachtsmärkte ab

Absagen gab es hingegen bereits in vielen eher kleineren Gemeinden. Villingen-Schwenningen sagte die Weihnachtsmärkte in beiden Stadtbezirken ab. „Es ist hart, aber solche Veranstaltungen sind zurzeit nicht angesagt und das Hygienekonzept auf den Weihnachtsmärkten ist fast nicht umsetzbar und kontrollierbar“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Roth am Mittwochabend.

Auch kleinere Städte wie Isny im Allgäu und Bad Krozingen im Schwarzwald haben ihre Weihnachtsmärkte gecancelt. In der Region um Heidelberg wurden die Weihnachtsmärkte in Neckargemünd und Leimen ebenfalls abgesagt.

Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg für Schausteller „immens wichtig“

Dass man sich in kleineren Städten mit Märkten an nur wenigen Tagen und einem hohen finanziellen Aufwand für Hygiene-Konzepte für eine Absage entscheide, könne er verstehen, sagte Mark Roschmann vom Schaustellerverband Südwest am Mittwoch. Anders sehe es bei den großen Märkten aus, wo es gute und sinnvolle Konzepte gebe.

Das Weihnachtsgeschäft sei für die Schausteller „immens wichtig“ und mache bis zu 60 Prozent des Jahresumsatzes aus. Sollte das wegfallen, müsse es einen finanziellen Ausgleich sowohl für die entstandenen Kosten als auch für den ausgebliebenen Gewinn geben, forderte Roschmann.

Aus für Weihnachtsmärkte? RKI mit heftiger Ansage zu Corona-Lage

Erstmeldung vom 14. November: Nur noch wenige Wochen bis Weihnachten - und die Corona-Zahlen in Baden-Württemberg explodieren. Bereits ab Mittwoch, 17. November, gilt die Alarmstufe. Dann gelten deutlich schärfere Maßnahmen als bisher und besonders für Ungeimpfte könnten die 2G-Regeln unbequem werden. Unter diesen Voraussetzungen scheinen Weihnachtsmärkte plötzlich nicht mehr so sicher zu sein wie noch vor wenigen Wochen gedacht.

Der Hintergrund: Das Robert Koch-Institut (RKI) forderte am Freitag, 12. November, angesichts der vierten Corona-Welle die Rückkehr zu massiven Einschränkungen in Deutschland. Man rate „dringend dazu, größere Veranstaltungen möglichst abzusagen oder zu meiden, aber auch alle anderen nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren“, heißt es im neuen Wochenbericht des RKI. Und dazu gehören auch die Weihnachtsmärkte, für die Baden-Württemberg bereits allgemeine Regeln bekannt gegeben hatte.

Weihnachtsmärkten in Baden-Württemberg droht Corona-Aus: RKI rät zu Absage von Großveranstaltungen

RKI-Präsident Lothar Wieler warnte: „Es ist fünf nach zwölf.“ In vielen Landkreisen in Deutschland gebe es mittlerweile so viele Neuinfektionen, dass Kliniken und besonders die Intensivstationen an der Kapazitätsgrenze seien. Dies werde ohne zusätzliche Maßnahmen überall eintreten. „Die vierte Welle trifft uns jetzt mit voller Wucht.“

Die steigenden Corona-Zahlen könnten Weihnachtsmärkten erneut einen Strich durch die Rechnung machen.

„Wir müssen alles tun, um diese Dynamik zu brechen. Sonst wird es für das ganze Land ein bitterer Dezember“, erklärte der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn. Er sprach sich zudem für das Prinzip 2G Plus bei öffentlichen Veranstaltungen aus. Bedeutet: Zugang nur für Geimpfte und Genesene, die zusätzlich einen aktuellen Test vorweisen müssen. Seit Samstag, 13. November, sind kostenlose Corona-Schnelltests wieder möglich. Könnte eine 2G-Plus-Regelung also eine Möglichkeit für Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg sein?

Aus für Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg? Viele Städte halten noch an Plänen fest

Nach aktueller Landesverordnung wäre auch in der Alarmstufe eine Durchführung möglich - die Regeln würden dies aber deutlich verkomplizieren. So würde in der Alarmstufe überall dort eine 2G-Regelung gelten, wo Besucher sich aufhalten - etwa an Ständen mit Essen und Glühwein. Beim reinen Verkauf von Waren gilt jedoch kein 2G. Also Kontrollen an Ständen oder gar abgetrennte Weihnachtsmärkte? Es scheint schwer vorstellbar.

Einige Städte wie Heilbronn, Stuttgart oder Esslingen haben bereits erste Weihnachtsmarkt-Regeln veröffentlicht (Stand 14. November) und stecken mitten in den Planungen, nachdem wegen der Corona-Pandemie letztes Jahr keine Märkte stattfinden konnten. Hier ist vielerorts noch keine Rede von Absagen - im Gegensatz zu vielen kleineren Gemeinden, wie der SWR berichtet. Das Landesgesundheitsministerium erklärt auf SWR-Nachfrage, dass in diesem Thema derzeit „viel in Bewegung“ sei. Klarheit wird also wohl erst die geplante Ministerpräsidenten-Konferenz in der kommenden Woche bringen.

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