Geflügelbauern müssen reagieren

Vogelgrippe in BaWü: 50 Betriebe mit Verdachtsfällen – schreckliche Konsequenzen

  • Anna-Maureen Bremer
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  • Olaf Kubasik
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Die Vogelgrippe versetzt Landwirte in Baden-Württemberg in Aufruhr. Jetzt gibt es Verdachtsfälle in 50 Betrieben. Mit schrecklichen Konsequenzen.

Update, 25. März: Es ist der absolute Albtraum für Geflügelbauern: Die Geflügelpest scheint Baden-Württemberg zu überrollen. Es gibt in 50 Höfen Verdachtsfälle. Betroffen wären demnach 15 Kreise. In den Betrieben seien tote Vögel und Tiere gefunden worden, die eindeutige Vogelgrippe-Symptome zeigten. „Endgültige Laborergebnisse stünden noch aus, doch die Behörden hätten schnell gehandelt“, berichtet der SWR.

Geflügelpest in Baden-Württemberg: Tiere müssen getötet werden

Die Konsequenzen eines Geflügelpest-Ausbruchs in einem Geflügelhof sind enorm: Alle Tiere müssen vorsorglich getötet werden. Die Ställe müssen alle desinfiziert werden. Und auch im näheren Umkreis sind Tiere betroffen: Im Umkreis von mindestens drei Kilometern müssen sämtliche Nutztiere in den Ställen bleiben.

KrankheitGeflügelpest, aviäre Influenza, Vogelgrippe
ErregerInfluenza-A-Virus
Symptomeallgemeine Schwäche, hohes Fieber, erschwerte Atmung, Ödeme, Blauverfärbung der Haut und der Schleimhäute, Durchfall und neurologischen Störungen

Wie kommt die Geflügelpest zu uns? Im SWR-Bericht heißt es: „Die Quelle für den vermutlichen Vogelgrippe-Ausbruch scheint klar: Ein Betrieb in Paderborn, aus dem Junghennen nach Baden-Württemberg geliefert wurden. In zwei weiteren Fällen geht es um Jungenten, die aus Tschechien kamen.“ Geflügelhalter, die von dort Lieferungen erhalten haben, sind nun angehalten sich bei ihrem jeweiligen Veterinäramt zu melden.

Baden-Württemberg: Ist die Geflügelpest gefährlich für Menschen?

Müssen sich Menschen um ihre Gesundheit sorgen? Nein, Experten gehen davon aus, dass die Vogelgrippe für Menschen ungefährlich ist. Baden-Württemberg ist nicht das einzige Bundesland, das aktuell mit der Krankheit zu kämpfen hat. In Nordrhein-Westfalen war in den vergangenen Wochen in mehreren Betrieben der hochansteckende Vogelgrippe-Erreger H5N8 festgestellt worden. Dort wurden bereits zehntausende Tiere aus Sicherheitsgründen getötet.

Geflügelpest erreicht Baden-Württemberg: Horror-Nachricht für Bauern - drastische Folgen drohen

Ursprungsmeldung aus Dezember 2020: Erstmals seit drei Jahren ist die Geflügelpest, die im Volksmund auch Vogelgrippe genannt wird, wieder da - und hat nach Nord- und Ostdeutschland jetzt auch Baden-Württemberg erreicht (Stand vom 28. Dezember 2020). Und das könnte schwerwiegende Folgen haben. Denn: Bei ihrem letzten Auftreten 2016/2017 mussten 1,2 Millionen Vögel getötet werden. Der wirtschaftliche Schaden lag damals bei 16 Millionen Euro.

Die Geflügelpest ist eine Influenza-Erkrankung, die besonders für Hühnervögel tödlich endet und im schlimmsten Fall - durch den aggressiven Subtypen A/H5N1 - sogar auf den Menschen übertragen werden kann, wie echo24.de* berichtet.

In Baden-Württemberg wurde der erste Fall der Geflügelpest im Schwarzwald-Baar-Kreis nachgewiesen. Bei einem Wildvogel. Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Stuttgart teilte am Freitag mit, dass ein schwer erkrankter Mäusebussard an einem Weiher bei Donaueschingen gefunden worden sei.

Denn Befund der Infizierung mit dem Influenza-Virus hätten Untersuchungen des Friedrich-Loeffler-Instituts und des Chemischen Veterinäruntersuchungsamts Freiburg bestätigt. Eine Horror-Meldung vor allem für Landwirte, die sich erst kürzlich mit einer anderen Tierseuche* konfrontiert sahen.

Übertragung der Geflügelpest

Die Geflügelpest kann alle Vogelarten infizieren. Besonders gefährdet sind Hühner und Puten, aber auch Fasane, Wachteln, Perlhühner und Wildvögel. Wasser-, See und Küstenvögel erkranken in der Regel nicht schwer, da sich das Virus ihnen angepasst hat. Sie tragen als Wirte des Erregers zu seiner Verbreitung bei.

Geflügelpest in Baden-Württemberg: Risiko weiterer Ausbrüche wird als hoch eingeschätzt

Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg stuft das Risiko weiterer Vogelgrippe-Ausbrüche bei Wildvögeln im Land als hoch ein. Landwirtschaftsminister Peter Hauk ruft Geflügelhalter dazu auf, ihre Tiere bestmöglich vor einem Seucheneintrag über Wildvögel zu schützen: „Insbesondere müssen bei Auslauf- und Freilandhaltungen Kontakte des Geflügels und sonstiger gehaltener Vögel mit Wildvögeln sowie eine Virus-Einschleppung über Einstreu, Futter und Tränkwasser in die Haustierbestände in jedem Fall verhindert werden.“

Bereits im November hatte Landwirtschaftsminister Peter Hauk von den Geflügelhaltern gefordert, die Bio-Sicherheitsmaßnahmen zur Verhinderung der Geflügelpest strikt einzuhalten. Nun würden zuständigen Behörden vor Ort das weitere Vorgehen im Rahmen einer Allgemeinverfügung festlegen, die am Montag öffentlich bekannt gegeben wird. Wegen der geographischen Lage des Weihers sind zunächst der Schwarzwald-Baar-Kreis sowie der Landkreis Tuttlingen betroffen.

Geflügelpest in Baden-Württemberg: Behandlung erkrankter Tiere ist strikt verboten

Wenn die Vogelgrippe in einem Betrieb ausbricht, müssen alle Tiere getötet werden*, wie auch *bw24.de berichtet. Grund: Eine Behandlung der erkrankten Tiere ist verboten. Für Landwirte entsteht großer wirtschaftlicher Schaden - wie in Bretzfeld bei Heilbronn, wo die Vogelgrippe im Frühjahr auf einem kleinen Hof ausgebrochen war*. Zum Schutz vor dem Virus verordnen die Landkreise und kreisfreien Städte deshalb eine sogenannte Aufstallung. Die Tiere müssen dann ausschließlich im Stall gehalten werden, um Kontakt zu Wildvögeln oder deren Ausscheidungen zu vermeiden.

Die zuständigen Veterinärbehörden organisieren das Einsammeln und Beproben verendeter Tiere, um die Verbreitung des Virus im Land zu ermitteln.

Pressemitteilung des Landwirtschaftsministeriums Baden-Württemberg

Wer verendete oder kranke wildlebende Wasservögel und Greifvögel findet, soll diese den zuständigen Veterinärbehörden bei den Landratsämtern oder Bürgermeisterämtern der Stadtkreise melden. In einer Pressemitteilung des Landwirtschaftsministerium heißt es: „Diese organisieren das Einsammeln und Beproben verendeter Tiere, um die Verbreitung des Virus im Land zu ermitteln.“ Im April kam es in Baden-Württemberg zu einem mysteriösen Blaumeisen-Sterben*, dessen Auslöser allerdings kein Virus war. *echo24.de und *bw24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Carsten Rehder/dpa

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