Künstliche Gene machen die Bakterien anspruchsloser

Uni Ulm: Forscher stellen mögliche Antibiotika-Alternative her

10. Jahrestag des Beginns der EHEC-Epidemie in Deutschland
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Wenn Bakterien etwas gegen Bakterien haben: Genetisch veränderte Bodenbakterien stellen Antibiotika-Alternative her. (Symbolbild)
  • Julia Cuprakowa
    VonJulia Cuprakowa
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Einem Forscherteam der Uni Ulm ist es gelungen, Bakterien herzustellen, die als Antibiotika-Alternative zum Einsatz kommen könnten.

Antibiotika sind aus dem Alltagsleben nicht mehr wegzudenken – aufgrund dessen kommt es zu zunehmender Antibiotika-Resistenz. Aus diesem Grund muss dringend eine Alternative her. Und genau das ist einem Forschungsteam von Institut für Mikrobiologie und Biotechnologie der Universität Ulm gelungen, wie echo24.de* berichtet.

Mithilfe gentechnisch veränderter Bodenbakterien (Corynebacterium glutamicum) stellten die Wissenschaftler antimikrobielle Wirkstoffe in Reinform her. Das heißt: Den Forschern ist es gelungen, die sogenannten Bacteriocine herzustellen, die als Antibiotika-Alternative zur Bekämpfung bakterieller Krankheitserreger eingesetzt werden könnten. Und auch bei der Konservierung von Lebensmitteln könnten diese antibakteriellen Peptide wertvolle Dienste leisten, heißt es auf der Homepage der Universität.

Forscherteam der Uni Ulm: Genveränderte Bodenbakterien produzieren Antibiotika-Alternative

Einzelne Bakterienstämme sind gerne unter sich. Um sich unliebsame Nahrungskonkurrenten vom Leib zu halten, produzieren sie antimikrobielle Substanzen, die verhindern sollen, dass sich andere Bakterienstämme in ihrer Umgebung ausbreiten. Diese sogenannten Bacteriocine werden heute schon in der Nahrungsmittelindustrie eingesetzt, um Lebensmittel zu konservieren. Doch sie haben laut Ulmer Forschungsteam auch ein großes medizinisches Potenzial. Wieso setzt man diese Bacteriocine dann nicht schon längst als Antibiotika-Alternative in der Medizin ein?

„Für die klinische Anwendung solcher Bacteriocine braucht es neuartige großtechnische Verfahren, die es möglich machen, die Effizienz der Produktion und die Reinheit des Stoffes massiv zu verbessern“, erklärt Professor Christian Riedel, Mikrobiologe der Uni Ulm.

Im Klartext heißt es: Bisher werden solche Bacteriocine in einem sehr teuren und komplexen Verfahren hergestellt. Außerdem entstehen so bestenfalls nur halbgereinigte Präparate oder Rohfermente. Für den medizinischen Einsatz – beispielsweise als Antibiotika-Ersatz – müssen die Bacteriocine aufwendig gereinigt werden. Doch das ist teuer und daher wirtschaftlich uninteressant.

Produktionswirt der Antibiotika-Alternative schon länger bekannt

Nun ist es dem Forscherteam der Universität Ulm in Zusammenarbeit mit anderen Fachkollegen aus Deutschland, Norwegen, Dänemark und Österreich gelungen, Bodenbakterien gentechnisch so zu verändern, dass sie Bacteriocine in Reinform produzieren. Die Bodenbakterien, die hier als Produktionswirt dienen, sind bereits seit Langem als natürlicher Produzent von Aminosäuren – beispielsweise des Geschmacksverstärkers Glutamat – bekannt.

Aber es gibt auch schlechte Bakterien, die den Menschen schaden könnten. Diese können zum Beispiel dann gefährlich werden, wenn solche Bakterien das Leitungswasser verunreinigen, wie es in Sindelfingen* zuletzt der Fall war. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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