Anzeige erstattet

Tierquälerei in Baden-Württemberg: Horror-Aufnahmen aus Schweinebetrieb schockieren

Schwein
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Aufnahmen aus einem Schweinemastbetrieb in Ulm schockieren aktuell Tierschützer. (Symbolbild)
  • Anna-Maureen Bremer
    VonAnna-Maureen Bremer
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In einem Schweinebetrieb bei Ulm entstehen schockierende Aufnahmen. Tote und verletzte Tiere liegen achtlos umher. Das Vetetinärsamt reagiert mündlich.

Update, 19 Uhr: Nach einer Anzeige wegen Tierquälerei in einem Schweinemastbetrieb im Alb-Donau-Kreis ist am heutigen Mittwoch, 30. Juni, auch die Polizei aktiv geworden. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Ulm mit. Demnach wurden die Zustände dokumentiert und Beweise gesammelt - ein sofortiges Handeln „schien nicht erforderlich“. Zuvor hatten Tierschützer schockierende Aufnahmen in dem Betrieb gemacht und dem SWR zugespielt (siehe Erstmeldung).

Wegen des Verdachts auf Tierquälerei hatte die Staatsanwaltschaft beim Amtsgericht Ulm einen Durchsuchungsbeschluss beantragt. Das gefundene Material soll nun von einem „sachkundigen Veterinär begutachtet und bewertet werden“. Ob die vorangegangenen Maßnahmen des Veterinärmts bereits Wirkung zeigten, sei nicht bekannt, hieß es von der Polizei. Die Ermittlungen dauern an. Und das ist leider kein Einzelfall! Wie RUHR24* berichtet, musste ein Viehhof in Unna geschlossen werden* - Videoaufnahmen zeigten furchtbares Tierleid.

Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) sei der Vorfall laut einem Sprecher seit dem 7. Mai bekannt. Er habe noch am selben Tag eine Kontrolle in dem Betrieb veranlasst, hieß es. Grund für die Ermittlungen ist laut Polizei die Anzeige einer Tierschutzorganisation gegen den Landwirt. Diese habe über „tierschutzwidrige Zustände“ im Frühjahr dieses Jahres berichtet. Auch das Veterinäramt habe im Frühjahr Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet und sei zudem kürzlich wiederholt in dem Betrieb gewesen. Ebenfalls Anzeige erstattete der NABU - weil ein Bundeswehr-Hubschrauber auf einer geschützten Insel im Vogelsberg* landete, wie fuldaerzeitung.de* schreibt.

Ulm: Tierquälerei - Horror-Aufnahmen aus Schweinebetrieb schockieren

Erstmeldung, 30. Juni, 9.30 Uhr: Die Aufnahmen, die Tierschützer über mehrere Wochen in einem Schweinebetrieb in der Nähe von Ulm gemacht haben, übersteigt für viele sicherlich das Maß des Erträglichen. Kaum ein Tier ist unverletzt. Die Schweine verletzten sich auf engem Raum dazu noch gegenseitig. Nun wurde der Betrieb untersucht.

Was der SWR über den Betrieb bei Ulm schreibt, erschüttert Tierschützer: „Auf den Fluren zwischen den Mastbuchten filmten die Tierschützer seit Februar vergangenen Jahres immer wieder tote Tiere, sterbende und schwerverletzte Schweine, Tiere mit offenen Wunden, die bis auf den Knochen reichten. In den Buchten lagen tote Tiere, die von ihren Artgenossen aufgefressen wurden.“

Tierquälerei: Aufnahmen aus Schweinebetrieb bei Ulm zeigen furchtbare Zustände

Wegen Tierquälerei wurde auch ein Schweinemastbetrieb im Kreis Rottweil geschlossen. Den Schweinen drohte ein trauriges Schicksal. Die Soko Tierschutz hatte Ende 2020 auch Videomaterial aus einem Schlachthof in Biberach veröffentlicht. Die Tierquälerei-Vorwürfe hatten Folgen für den Betrieb.

Nach einer Beurteilung der Baden-Württembergischen Tierschutzbeauftragen muss der Betrieb in der Nähe von Ulm angezeigt werden. „Gibt es denn keine Kontrollen?“, mag sich manch einer fragen. Doch, im Durchschnitt werden die Betriebe in Deutschland alle 16 Jahre kontrolliert. Im SWR-Interview verweist der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk darauf, dass die Veterinärbehörde im Fall Ulm sehr schnell gehandelt habe. „Wo Menschen handeln, gibt es immer auch Vergehen und Verstöße“, sagte er. Bei über 10.000 Tierhaltern im Land sei es erwähnenswert, dass die Amtsveterinäre umgehend bei dem Stall gewesen seien, als die ersten Informationen gekommen waren.

Tierquälerei bei Ulm: Landwirt will nach Schock-Aufnahmen seinen Schweinebetrieb stilllegen

Ein Fernseh-Interview wollte der betroffene Landwirt nicht geben. Ohne Kamera sprach er aber von „unglücklichen Momentaufnahmen“ und sagte, er sei zum Zeitpunkt als sie entstanden, krank gewesen. Deshalb habe er sich nicht ausreichend um seine Tiere kümmern können. Mittlerweile hat er mitgeteilt, seinen Schweinebetrieb stillzulegen zu wollen.

Die Veterinärbehörde im Landratsamt des Alb-Donau-Kreises in Ulm ist für den Fall zuständig. Nachdem es eine Anzeige gegeben hatte, sei der Betrieb auch von Beamten besucht worden. Nottötungen einiger Tiere seien demnach nicht mehr zu vermeiden gewesen. Laut SWR teilten die Behörden damals mit „Ein sofortiges Tierhaltungsverbot wurde geprüft, war aber rechtlich nicht gedeckt. (…) Mündlich wurde angeordnet, die angetroffenen Missstände unverzüglich zu beheben.“ *RUHR24 und fuldaerzeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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