Diskussionen um die Heiligen Drei Könige

Rassismus-Debatte um schwarzen König Melchior: Deshalb muss die Krippenfigur weg

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
    schließen

Die Krippenfigur von König Melchior sorgt für Diskussionen. Ist die Darstellung zu rassistisch? Die Geschichte der Heiligen Drei Könige bringt Licht ins Dunkel.

Die evangelische Münstergemeinde in Ulm verbannt die Heiligen Drei Könige aus der diesjährigen Weihnachtskrippe. Grund für die Maßnahme sind rassistische Merkmale an König Melchior. Genauer gesagt, geht es um die Krippenfigur des Königs. Denn der ist mit einer Fratze, wulstigen Lippen, einer grotesken Körperhaltung sowie unschönen Beinen dargestellt. Es entsteht der Eindruck, dass ein „Mohrenkind“ als Schleppenträger eines weißen Königs dient. Die Darstellung geht auf eine alte Legende zurück.

Angeblich kam einer der Heiligen Drei Könige in Ulm vorbei. Von dort wollte er Brezeln als Geschenk für das Jesuskind mitnehmen. Doch der Duft des leckeren Gebäcks war wohl ziemlich verführerisch. Denn die Wanderkameraden des Königs aßen die Brezeln angeblich selbst. Danach habe sich der König „schwarz“ geärgert. Daher wird einer der Könige seither mit dunkler Hautfarbe dargestellt. Die Krippenfigur von König Melchior in Ulm weist zusätzlich zur schwarzen Hautfarbe noch klar rassistische Stereotypen auf.

Rassismus-Debatte um Krippenfigur: Grund für Hautfarbe ist kein rassistischer

Nicht ganz klar ist, welcher der Heiligen Drei Könige die schwarze Hautfarbe hatte. In Ulm ist es König Melchior, anderorts werden aber auch Caspar und Balthasar dunkelhäutig dargestellt. Fakt ist, dass die Krippenszene in Ulm auf die bildhafte Darstellung des Franz von Assisi zurückgeht. In seiner Krippenszene kommen immer die verschiedenen Traditionen zusammen. Der Hintergrund: In Bethlehem wird im katholischen Glaube der Retter der Welt geboren.

Die Heiligen Drei Könige repräsentieren die damals bekannten Kontinente: Europa, Asien und Afrika. Folglich wird einer der Könige mit dunkler Hautfarbe dargestellt. In Anlehnung an die Darstellung der Krippenszene des Franz von Assisi kreierte der Künstler Martin Scheible zwischen 1920 und 1930 die Krippenszene für Ulm. Später kam die Krippe samt König Melchior in Besitz der Familie Mößner. Die wiederum verschenkte die Krippe an die Münstergemeinde. Dort steht sie noch heute.

Rassismus-Debatte um Krippenfigur: Ist König Melchior zu rassistisch?

Im Hinblick auf die Krippenszene des Franz von Assisi ist die schwarze Hautfarbe des Königs nicht mit rassistischen Hintergedanken verbunden. Problematisch ist für die Münstergemeinde in Ulm die klischeebehaftete Darstellung der Figur. Zudem weist die Brezel in der Hand von König Melchior eine klare Verbindung zu der alten Legende auf. Der König wird vor lauter Ärger schwarz. Tatsache ist, dass mit der Farbe Schwarz in der Legende ganz klar etwas Negatives in Verbindung gebracht wird.

Evangelium und Rassismus sind unvereinbar.

Dekan Ernst-Wilhelm Gohl, Münstergemeinde

In der kirchlichen Tradition ist ein schwarzer König an der Krippe selbstverständlich. „Das stellt in der Münstergemeinde auch niemand infrage“, erklärt Gohl. Wirklich wichtig sei nicht die Krippe mit ihren Geschichten. „Vielmehr geht es um Rassismus im Alltag.“ Diesen gibt es laut der Münstergemeinde auch in Ulm. So werden dunkelhäutige Pfleger in der Diakoniestation von Patienten und Angehörigen manchmal abgelehnt. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.

Rassismus-Debatte um Krippenfigur: Im Grunde geht es um viel mehr

Dekan Ernst-Wilhelm Gohl will über die Krippenfigur von König Melchior debattieren. Aber erst im nächsten Jahr.

In der Mitteilung der Münstergemeinde heißt es weiter: „Auch im Wohnungsmarkt oder in der Freizeit tun sich Menschen mit Migrationshintergrund oft schwerer als andere.“ Das sei das eigentliche Thema. Das Fazit: Der evangelischen Münstergemeinde in Ulm geht es nicht um die Frage, ob die Heiligen Drei Könige in der Krippe vertreten sind oder nicht. Vielmehr ist für die Gemeinde das Thema Rassismus an sich das Problem. Es geht um die aktuelle Situation. Und nicht um eine Legende.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema