Großes Beben in der Wirtschaft

Nächstes Unternehmen aus der Region stoppt Geschäfte in Russland

  • Anna-Maureen Bremer
    VonAnna-Maureen Bremer
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Russland bekommt keine Teile mehr – zumindest nicht von Daimler Truck. Das Unternehmen stellt die Geschäfte wegen des Kriegs in der Ukraine vorerst ein.

Es ist der weltgrößte Lastwagenbauer, Daimler Truck, der jetzt ebenfalls auf den Ukraine-Krieg reagiert. Und zwar deutlich: Alle geschäftlichen Aktivitäten in Russland sind vorerst eingestellt. Viele Unternehmen in der Region sind von der Krise betroffen. Bosch schickt aktuell keine Mitarbeiter in die Länder und äußert sich mit einem ausführlichen Statement zur Arbeit in Russland und der Ukraine.

Zusammenarbeit mit Russland eingestellt: Daimler Truck setzt Zeichen gegen Ukraine-Krieg

„Wir stehen als Unternehmen für eine friedliche globale Zusammenarbeit und lehnen jede Form vom militärischer Gewalt kategorisch ab“, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Montag in Stuttgart. Wie das Handelsblatt berichtet, hatte es eine Kooperation mit dem russischen Panzerwagenhersteller Kamaz gegeben. Sie wurde nun gestoppt.

Deutlich, könnte man meinen. Aber dem Daimler-Truck-Betriebsratschef Michael Brecht reicht das nicht aus. Die dpa schreibt: „Das Einstellen der Geschäfte sei eine erste wichtige Entscheidung. „Wir als Gesamtbetriebsrat von Daimler Truck halten es darüber hinaus für angebracht, dass sich Daimler von allen Anteilen an der Kamaz AG trennt“, sagte Brecht. Das wäre nach seinen Worten ein wichtiges politisches Signal. Man könne jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und spätere wirtschaftliche Folgen berücksichtigen.“

Die Kooperation zwischen Daimler Truck und dem russischen Lkw-Hersteller Kamaz bestehe bereits seit 2012, heißt es. Daimler Truck beliefert das Unternehmen mit Teilen für zivile Fahrzeuge. Diese Lieferungen seien nun eingestellt worden. Es wäre auch mehr als kontrovers, wenn Deutschland jetzt ausgerechnet einen russischen Panzer-Hersteller versorgen würde. „Wir haben mit militärischen Fahrzeugen von Kamaz nie etwas zu tun gehabt“, unterstrich der Daimler-Trucks-Sprecher. Er wird außerdem zitiert: „Wir sind bestürzt über die militärische Gewalt in der Ukraine, das Leid der Bevölkerung und sind sehr besorgt um den Frieden in Europa.“

Krieg in der Ukraine: Unternehmen aus Baden-Württemberg reagieren

Joint Venture Daimler Kamaz Rus gehört zu gleichen Teilen dem russischen und dem deutschen Unternehmen. Rund 1.000 Menschen werden in Moskau und Chelny (Tartastan) beschäftigt. Dort werden ausschließlich nichtmilitärische Lkw und Fahrerkabinen gebaut. Von deutscher Seite sei die Produktion dennoch heruntergefahren worden.

Gemessen am weltweiten Absatz von Daimler Truck macht der russische Markt nur rund ein Prozent aus. Der Schritt des Unternehmens sei immer wieder zu prüfen. Dennoch seien die wirtschaftlich Folgen wohl überschaubar.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa