Landesregierung fällt Entscheidung

Modellversuch in Tübingen: Palmer spricht Klartext – so geht es weiter

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Die Inzidenz in Tübingen liegt über 100 – ist das Modellprojekt zum Scheitern verurteilt? Oberbürgermeister Boris Palmer erklärt, wie es ab Dienstag weitergeht.

Update, 6. April: Die 7-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg* ist mit 116,8 (Stand: 5. April) unverändert hoch. Auch der Landkreis Tübingen knackte in der vergangenen Woche die Marke von 100 und meldet echo24.de* zufolge einen Inzidenzwert von aktuell 108,9. Muss der umstrittene Modellversuch in Tübingen* deshalb abgebrochen werden? Nein, ist die Antwort von Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen. Auch am Dienstag könne der Corona-Modellversuch fortgeführt werden.

Corona-Modellversuch in Tübingen: So geht es am Dienstag weiter

Es gelten allerdings die Bedingungen des Osterwochenendes. Heißt: Trotz „Notbremse“  bleiben Handel, Kultur und Gastronomie unter Testpflicht geöffnet. Tagestickets gebe es aber weiterhin nur für Menschen, die im Landkreis Tübingen wohnen oder in der Stadt Tübingen arbeiten, sagt Palmer. „Die erweiterte Maskenpflicht und das Alkoholverbot gelten ebenfalls weiter.“ Bereits seit vergangenen Donnerstag dürfen Gäste von außerhalb nicht mehr am Modellprojekt teilnehmen.

Fraglich ist, ob der Corona-Modellversuch in Tübingen auch über den Dienstag hinaus fortgesetzt werden kann. Das entscheide die Landesregierung von Baden-Württemberg, sagt Palmer laut der Deutschen-Presse-Agentur (DPA) in Bezug auf die Fortführung des Corona-Modellversuchs in Tübingen. Nur wenn das zuständige Sozialministerium in Stuttgart* zustimmt, darf Tübingen sein Projekt „Öffnen mit Sicherheit“ fortführen und Handel, Gastronomie und Kultureinrichtungen offen lassen.

Seit 16. März können sich Menschen in Tübingen an mehreren Stationen kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Nur wer einen negativen Test vorweisen kann, bekommt das „Tübinger Tagesticket“ und kann damit in Läden, zum Friseur oder auch in Theater oder Museen gehen. Die Stadt Tübingen sah den Erfolg des Modellversuchs allerdings durch eine wachsende Zahl an Gästen von außerhalb zunehmend gefährdet und Kritik am Tübinger Corona-Modellversuch* wurde immer lauter.

Tübinger Modell am Ende? Inzidenz explodiert – Palmer zieht die Reißleine

Update, 31. März: Die 7-Tage-Inzidenz im Stadtkreis Tübingen schießt in die Höhe und liegt inzwischen (Stand: 31. März) bei 89,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Eigentlich wollte die Stadt Tübingen mit ihrem Modellprojekt Vorreiter in der Corona-Pandemie sein und mit einer intensiven Teststrategie zeigen, dass kontrollierte Öffnungen trotz unsicherer Lage in der Corona-Krise möglich sind. Andere Städte hatten bereits beabsichtigt, dem Tübinger Modell zu folgen – doch das Projekt scheint derzeit zu scheitern. Das berichtet echo24.de*.

Die Idee: Wer sich in der Stadt Tübingen frei bewegen möchte, kann sich ein „Tagesticket“ holen. Die Bedingung: Es muss ein negativer Corona-Schnelltest vorliegen, der am selben Tag an einer der Teststationen in Tübingen durchgeführt wurde. Wer negativ ist, darf unter Einhaltung der gültigen Corona-Regeln* shoppen gehen, Kultureinrichtungen wie Kinos und Museen besuchen und sogar die Außengastronomie nutzen. Allerdings ist aufgrund der steigenden Infektionszahlen inzwischen unklar, ob das Modellprojekt wie geplant bis zum 18. April fortgesetzt werden darf.

Tübingen – Inzidenz bei fast 90: Wird das Modellprojekt abgebrochen?

Der Oberbürgermeister Boris Palmer sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch (30. März), die Stadt werde die Lage bis zum Ostermontag streng beobachten. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte bereits: „Sollte Tübingen weiterhin steigende Inzidenzen haben und stabil auf die 100 zugehen beziehungsweise diese Marke pro 100 000 Einwohner sogar überschreiten, muss geprüft werden, inwieweit das Projekt ausgesetzt werden muss.“

Und genau das könnte schon bald der Fall sein, denn die Inzidenz im Stadtkreis Tübingen liegt aktuell bei 89,6 Neuinfektionen und ist somit nicht mehr weit von der 100er-Marke entfernt. Der Landkreis Tübingen hat laut Daten des Landesgesundheitsamts zufolge inzwischen bereits die kritische Marke geknackt, mit 123,3 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Auch die Tübinger Pandemiebeauftragte Lisa Federle ist skeptisch geworden: Steigen die Zahlen weiter, müsse der Pilot zumindest unterbrochen werden, sagte die Notärztin dem Schwäbischen Tagblatt.

Corona-Modell Tübingen: Touristenmassen sind eine Herausforderung - Palmer zieht Reißleine

Mit der aktuellen Entwicklung und den Touristenmassen habe Lisa Federle nicht gerechnet. „Wir kriegen das Tourismus-Problem nicht in den Griff“, sagte die Pandemiebeauftragte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Selbst wenn das Projekt abgebrochen oder ausgesetzt werden sollte, sieht Federle darin aber kein Scheitern. „Meine Intention war es, den Menschen einen anderen Weg aufzuzeigen. Ich bin mir sicher, dass es bundesweit eine Teststrategie geben wird, damit wir nicht in die nächste Welle unvorbereitet hineinrauschen.“

Tübingens Oberbürgermeister Palmer zog am Mittwoch wegen des großen Andrangs auswärtiger Gäste und steigender Corona-Zahlen die Reißleine: Menschen, die nicht im Landkreis Tübingen wohnen oder in der Stadt Tübingen arbeiten, erhalten bereits ab Donnerstag (1. April) keine Tagestickets mehr an den Teststationen. Die Regelung gilt aber nur bis Ostermontag. „Es kommen momentan einfach zu viele Personen von auswärts in die Stadt“, sagte Palmer. Dadurch verliere der Modellversuch an Aussagekraft.

Tübinger Modell am Ende? Palmer mit Klartext - extremer Anstieg der Inzidenz

Erstmeldung, 30. März: Mehr Corona-Tests statt Endlos-Lockdown: Das Modellprojekt in Tübingen ermöglicht auf Grundlage von Massentests eine Vielzahl an Lockerungen. So dürfen zum Beispiel Kinos, die Außengastronomie und viele andere Kultureinrichtungen Besucher empfangen, wenn die ein sogenanntes Tübinger Tagesticket als Nachweis für einen negativen Corona-Schnelltest vorlegen können. Doch wie echo24.de* berichtet, könnte dem Modellversuche in Tübingen nun die steigende 7-Tage-Inzidenz in die Quere kommen.

Tübingen: Aus für Modellprojekt? Inzidenz steigt heftig - Boris Palmer mit Klartext

Anlass ist die 7-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg und speziell in Tübingen. Aus Zahlen des Landesgesundheitsamts in Stuttgart geht hervor, dass sich der Inzidenzwert in Tübingen innerhalb weniger Tage fast verdoppelte. Die Inzidenz stieg von Donnerstag bis Sonntag von 35 auf erschreckende 66,7 an. Oberbürgermeister Boris Palmer bleibt aber trotz der alarmierenden Inzidenzwerte in Tübingen optimistisch. „Wir haben ein Auge darauf und bewerten die Zahlen täglich neu“.

Oberbürgermeister Boris Palmer will trotz rasant steigender Inzidenzwerte in Tübingen am Modellprojekt festhalten.

Im Gespräch mit den Stuttgarter Nachrichten sagt Palmer, dass ihm die steigende 7-Tage-Inzidenz in Tübingen keine großen Sorgen bereite. „Der Anstieg geht eher nicht aufs Einkaufen oder den Theaterbesuch zurück.“ Palmer ist der Ansicht, dass es ein erhöhtes Infektionsgeschehen in der Landeserstaufnahmestelle, in Kitas sowie Schulen gebe. Als „problematisch“ bezeichnet Palmer die „Halbstarken“, die Nachts in Tübingen Party machen. Ansonsten laufe das Modellprojekt aber gut.

Aus für das Tübinger Modell? Stadt könnte bald Reißleine ziehen

Auf die „Halbstarken“ will die Stadt Tübingen nun reagieren und verhängt ein Verbot für Alkoholausschank nach 20 Uhr. Einen vorzeitigen Abbruch des Tübinger Modellversuchs schließt Palmer im Gespräch mit den Stuttgarter Nachrichten übrigens nicht kategorisch aus. Es sei jederzeit möglich, die Reißleine zu ziehen, stellt der Oberbürgermeister klar. „Das ist ein Experiment mit offenem Ausgang.“ Ob das Tübinger Modell auf andere Städte übertragbar sei, könne man noch nicht sagen.

Manche Städte und Kreise wollen aber nicht länger auf die Ergebnisse aus Tübingen warten und streben deshalb eigene Modellversuche an. Auch Neckarsulm will das Tübinger Modell* umsetzen und beantragte deshalb schon in der vergangenen Woche die Durchführung bei der Landesregierung. Ob weitere Modellversuche angesichts der steigenden Inzidenzwerte in Tübingen und Baden-Württemberg sinnvoll sind? Die Meinungen darüber gehen zum Teil weit auseinander. Oberbürgermeister Boris Palmer steht zunehmend unter Druck* - und erhält sogar Morddrohungen wegen des Modellprojekts*. Das berichten bw24.de* und heidelberg24.de*.

Inzidenz in Tübingen explodiert: Stadt zieht erste Konsequenzen

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisiert das Tübinger Modell scharf. „Auch Tübingen schafft es nicht“, twitterte der Experte und Berater der Bundesregierung kürzlich. Corona-Tests für Betriebe und Schulen fehlten noch, so der Experte. Lauterbach plädiert für Ausgangssperren ab einer 7-Tage-Inzidenz von über 100 in Tübingen und allen anderen Städten und Kreisen. Die wären wirksam und unbürokratisch und würden früher oder später ohnehin kommen, ist sich Lauterbach sicher.

Um genau solche Ausgangssperren in Tübingen zu verhindern, reagiert die Stadt mit zwei Maßnahmen. Das Verbot des Alkoholausschanks nach 20 Uhr ist gesetzt. „Ich hätte gar nichts dagegen zu sagen: Ab 20 Uhr ist wirklich Ruhe“, sagte Palmer am Sonntagabend in einer Online-Gesprächsrunde der „Bild“-Zeitung. Eine weitere Maßnahme im Kampf gegen die hohe Inzidenz in Tübingen ist die Begrenzung der Corona-Schnelltests für Menschen von außerhalb.

Tübingen macht klar: Keine Touristen von außerhalb an Ostern

Am Osterwochenende soll es deshalb nur Corona-Tests für Einheimische gebe. Das berichtet die Heilbronner Stimme zum Modellprojekt in Tübingen. Bereits am Wochenende waren die Schnelltests für Menschen von außerhalb begrenzt worden, um einem Massenansturm zu verhindern. Schon allein die sommerlichen Temperaturen am Wochenende* könnten dafür sorgen, dass es mehr Menschen nach draußen und folglich nach Tübingen zieht. *echo24.de, bw24.de und heidelberg24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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