„Öffnen mit Sicherheit“ ist wohl beendet

Mega-Frust über Aus für Tübinger Modellprojekt – „einfach nur ohne Strategie“

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Die vom Bundestag beschlossene Corona-Notbremse zwingt das Modellprojekt in Tübingen in die Knie. Oberbürgermeister Boris Palmer findet dazu klare Worte.

Das Modellprojekt in Tübingen muss wegen der vom Bundestag beschlossenen Corona-Notbremse in Deutschland gestoppt werden. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer verkündete am Mittwochabend die traurige Nachricht auf Facebook. Der Bundestag habe beschlossen, dass Tübingen es genauso machen müsse, wie alle anderen Gemeinden. Sprich: Ab kommenden Montag wird auch in Tübingen voraussichtlich wieder fast alles dicht sein.

Tübinger-Modell ist am Ende: Oberbürgermeister Boris Palmer enttäuscht von Entscheidung

Stand 21. April 2021 beträgt die 7-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg 182,9 und nähert sich der Marke von 200 somit bedrohlich an. Und: Auch der Landkreis Tübingen weist Stand 21. April einen Inzidenzwert von 180 auf. Dass die Inzidenz hoch sei, stimme zwar, so Palmer, doch wenn man die 7-Tage-Inzidenz des Landkreises Tübingen zerlege, fällt auf, dass der Anstieg des Inzidenzwertes nur außerhalb stattfinde. Der Stadtkreis Tübingen weise eine Inzidenz von 91 auf.

Palmer: „Wären wir ein Stadtkreis, wie das wesentlich kleinere Baden-Baden, würde unsere Inzidenz unter 100 zählen und alles bliebe offen. Verständlich?“ Genauso frustriert wie Palmer ist auch die Tübinger Notärztin und Mitbegründerin des Modellversuchs, Lisa Federle. Die Stuttgarter Nachrichten berichten über einen Beitrag Federles auf Facebook, in dem die Notärztin aus Tübingen die Entscheidung im Bundestag scharf kritisiert.  Es werde „einfach nur ohne Strategie“ geschlossen.

Tübinger Modellversuch: Noch gibt es einen Hoffnungsschimmer

Doch noch gibt es Hoffnung für das Modellprojekt in Tübingen. Grund: Die Corona-Notbremse wurde bisher nur vom Bundestag beschlossen. Was noch fehlt, ist die Abstimmung im Bundesrat. Dazu wird es voraussichtlich am Donnerstag kommen. Danach muss die Corona-Notbremse noch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Kraft gesetzt und anschließend verkündet werden. Erste Politiker und Experten haben bereits angekündigt, gegen die Notbremse juristisch vorzugehen.

In der Corona-Pandemie wieder mehr Normalität ermöglichen und vorsichtig öffnen – das ist die Idee des Tübinger Modellversuchs. In der ganzen Stadt können sich die Menschen testen lassen und anschließend ein „Tübinger Tagesticket“ bekommen. Wer ein solches Tagesticket in Tübingen nach einem negativen Corona-Schnelltest erhält, darf zum Beispiel im Handel einkaufen, in der Außengastronomie sitzen oder Kultureinrichtungen wie Kinos oder Theater besuchen – zumindest noch bis Freitag.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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