Wegen Corona an der Belastungsgrenze

Uniklinik Heidelberg schockt mit Triage-Aussage in Corona-Pandemie - wer wird behandelt?

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Die Krankenhäuser in Baden-Württemberg sind aufgrund der Corona-Pandemie an der Belastungsgrenze. Die Uniklinik Heidelberg schließt sogar eine Triage nicht aus. Es ist die härteste Frage für Mediziner: Wer wird behandelt?

Anfang November war es so weit: Der Lockdown light wurde ausgerufen. Doch nur wenige Wochen später ist klar: Die sanfte Variante des Lockdowns ist gescheitert! Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Baden-Württemberg* steigt weiter, immer wieder muss das Landesgesundheitsamt viele neue Todesfälle vermelden.

Im Dezember wurden die Maßnahmen erneut verschärft und seit dem 16. Dezember gilt jetzt ein knallharter Lockdown in Baden-Württemberg*. Damit sollen die Corona-Zahlen endlich wieder gesenkt werden, wie echo24.de* berichtet.

Coronavirus Baden-Württemberg: Lage in Krankenhäusern spitzt sich zu

Doch bis diese Maßnahmen greifen und die Corona-Zahlen sinken, braucht es Zeit. Auch die große Hoffnung, ein Impfstoff gegen das Coronavirus, ist nicht mehr allzu weit entfernt, schließlich stehen Impfstart in Deutschland* und die Impfstrategie bereits fest*. Doch bis die Bevölkerung durchgeimpft ist, braucht es Monate – und in der Zwischenzeit wird es in den Krankenhäusern in Baden-Württemberg immer voller.

Corona-Stationen in Kliniken werden aufgestockt, Intensivbetten knapper und vor allem mangelt es immer wieder an Personal, das in Quarantäne oder krank ist. Auch in Heilbronn steigen die Zahlen der Corona-Neuinfektionen weiterhin drastisch, in den SLK-Kliniken in Heilbronn ist die Corona-Station bereits voll*. Nach den Daten des DIVI-Intensivregisters sind nach aktuellem Stand (17. Dezember) in Baden-Württemberg derzeit über 87 Prozent der betreibbaren Intensivbetten in Krankenhäusern belegt, insgesamt sind 563 Covid-19-Fälle in intensivmedizinischer Behandlung.

Triage-Entscheidung: Uniklinik Heidelberg schließt den Worst Case nicht aus

Ein Begriff macht nicht nur der Bevölkerung, sondern auch den Ärzten Sorgen: Triage. Es geht darum, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen. Es ist die härteste Frage für Ärzte – und an der Uniklinik Heidelberg wohl nicht mehr auszuschließen. Der Leitende Ärztliche Direktor der Uniklinik, Ingo Autenrieth, erklärte gegenüber dem Radiosender „Radio Regenbogen“: „Eine Triage hatten wir noch nicht, das kann aber auch auf uns zukommen. Wir sind darauf eingestellt.“

Bei weiterhin steigenden Corona-Infektionszahlen kann es an der Uniklinik Heidelberg offenbar zum Engpass – und zu Triage-Entscheidungen – kommen. Autenrieth betonte gegenüber dem Radiosender die absolute Ausnahmesituation: Eine solche Lage habe man in den „letzten 50, 60 Jahren weder in Heidelberg noch sonst wo in Deutschland erlebt“.

Was bedeutet Triage?

„Triage“ kommt aus dem Französischen und bedeutet „Auswahl“ oder „Sortierung“. Im Medizinischen bedeutet Triage die Einteilung von Patienten hinsichtlich der Schwere ihrer Verletzungen. Ärzte müssen dabei entscheiden, wer zuerst bestimmte medizinische Versorgung erhält. Ursprünglich kommt Triage aus dem militärischen Kontext, wo es darum ging, welche Soldaten zuerst versorgt werden, um schnellstmöglich wieder fit zu sein. Im Corona-Kontext geht es hauptsächlich um die Frage, wer bei einer begrenzen Anzahl an Beatmungsgeräten oder Intensivbetten diese Versorgung erhält, wenn die Ressourcen nicht ausreichend vorhanden sind.

Triage-Entscheidung in überfüllten Krankenhäusern: Arzt aus Zittau sorgt für Wirbel

Erst vor Kurzem hatte ein Mediziner aus Zittau (Sachsen) mit seinen Triage-Äußerungen für Aufregung gesorgt. In einem Online-Forum hatte der Ärztliche Direktor des Oberlausitzer Bergland-Klinikums Berichten zufolge gesagt, in Zittau sei schon mehrfach triagiert worden. Die Klinik selbst sprach von einer kritischen Lage in der Corona-Pandemie, ohne konkret auf die Aussagen des Mediziners einzugehen.

Auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnte in der Rheinischen Post vor einer Zuspitzung der Lage in Krankenhäusern aufgrund der angespannten Corona-Lage. Bei zunehmender Überfüllung der Intensivstationen werde es immer mehr zu Triage-Entscheidungen kommen – „und die wird leider von den Ärzten alleine getroffen werden müssen, weil die Politik uns hier im Stich gelassen hat“, so Montgomery.

Der Experte sieht neben der Politik aber vor allem die Bevölkerung in der Pflicht, die beschlossenen Corona-Maßnahmen einzuhalten. Weil das bisher häufig nicht der Fall gewesen sei, sei das Gesundheitswesen nun überlastet. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Jonas Güttler/dpa/Symbolbild

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