Verdacht auf Animal Hording

Frau hält unfassbar viele Katzen in Wohnung - Tierheim Stuttgart vor Mega-Herausforderung

  • Simon Mones
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In fast der Hälfte aller deutschen Haushalte leben Haustiere. Doch auch die Zahl der Fälle von Animal Hoarding steigt immer weiter. Für das Tierheim Stuttgart wird das nun zum Problem.

Haustiere erfreuen sich in Deutschland einer großen Beliebtheit. Laut einer repräsentativen Umfrage, die das Marktforschungsinstituts Skopos im Auftrag des Industrieverbandes Heimtierbedarf (IVH) e.V. und des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF) durchgeführt hat, leben in fast der Hälfte der Haushalte in Deutschland Haustiere.

Das mit Abstand beliebteste Haustier der Deutschen ist nicht - wie oft angenommen - der Hund, sondern die Katze. Laut der Erhebung aus dem Jahr 2019 leben rund 14,7 Millionen Katzen in den deutschen Haushalten, aber nur etwa 10 Millionen Hunde. Ein Grund dafür könnte sein, dass empfohlen wird, Katzen nicht alleine zuhalten, sondern bestenfalls zu zweit oder dritt.

Tierheim Stuttgart: Tierschützer finden 50 Katzen und 94 Vögel

Es gibt aber immer wieder auch Fälle, in denen Tierschützer eingreifen müssen - wie zum Beispiel beim Animal Hoarding. Wie echo24.de* berichtet, kam es in Stuttgart nun zu einem besonders heftigen Fall. Demnach ist einer Frau die Tierhaltung entglitten, sodass sich ihre Katzen und Vögel unkontrolliert vermehren konnten.

Am Ende waren es laut Stuttgarter Nachrichten 50 Katzen und 94 Vögel, die von Tierschützern ins Tierheim in Stuttgart-Botnang gebracht wurden. Neben Wellensittichen, Zebrafinken und Nymphensittichen fanden die Tierschützer in der Wohnung auch Katzen im Alter von wenigen Tagen bis 20 Jahren. Die Tiere werden laut dem Tierschutzverein aktuell tiermedizinisch versorgt.

Tierheim Stuttgart: Erste Hinweise bereits 2020 - Vögel und Katzen suchen neues Zuhause

Für einen Teil der Katzen sowie alle 94 Vögel wird das Tierheim in Stuttgart vorerst ihr neues Zuhause, da die Frau diese nicht zurückhaben will. Für diese Tiere soll nach den medizinischen Untersuchungen ein neues Heim gefunden werden. Zudem versucht der Tierschutzverein die Frau davon zu überzeugen, auch die restlichen Katzen abzugeben, damit diese künftig artgerecht gehalten werden.

Erste Hinweise auf den Fall gab es bereits im vergangenen Jahr: „Das Ordnungsamt hat Ende 2020 von dem Verdacht erfahren und anschließend eine Vor-Ort-Besichtigung durchgeführt“, erklärte Martin Thronberens ein Sprecher der Stadt Stuttgart gegenüber StN.de.

Tierheim Stuttgart: Frau hält 144 Tiere auf nur 100 Quadratmeter

Am 4. Januar folgte dann die Kontrolle der Wohnung, bei dem die Beamten auf die fast 150 Tiere stieß. Sowohl die Katzen als auch die Vögel hatten sich unkontrolliert vermehrt. Der Großteil der Katzen war laut Thronberens jünger als ein Jahr. Vögel, die in einem großen Käfig untergebracht waren, brüteten zu diesem Zeitpunkt.

In einer Wohnung fanden die Beamten 50 Katzen.

Die Behörden gehen davon aus, dass die Frau mit der großen Menge an Nachwuchs schlicht überfordert war. Zwar war die Wohnung mit 100 Quadratmetern für diese Anzahl an Tieren viel zu klein, eine vermüllte Wohnung fanden die Beamten jedoch nicht vor.

Tierheim Stuttgart: Viel Arbeit für die Tierschützer

„In manchen Bereichen war die Wohnung durch die Ausscheidungen der Tiere verschmutzt. Dies lässt sich bei einer derart großen Zahl an Tieren allerdings kaum vermeiden“, erklärte das Ordnungsamt gegenüber StN.de. Auch die Tiere wirkten großteils weder stark vernachlässigt noch krank. Bei der Untersuchung wurden allerdings Parasiten gefunden.

Unklar ist bislang, ob sich die Frau strafbar gemacht hat. Das wird noch geprüft, die Polizei ermittelt in dem Fall bislang noch nicht. Für das Tierheim in Stuttgart ist diese Frage ohnehin erst mal zweitrangig. „Bei so vielen Tieren ist das ein Wahnsinnsakt und ein logistisches Problem“, betont die Pressesprecherin des Stuttgarter Tierschutzvereins, Petra Veiel.

Tierheim Stuttgart: Animal Hoarding wird immer mehr zum Problem

Für das Personal des Stuttgarter Tierheims ist ein Fall wie dieser zudem mit viel Arbeit und enormen Kosten verbunden. Denn die Katzen und Vögel müssten nicht nur untergebracht werden. Es gehe um „Impfungen, Kastrationen und trächtige Katzenmamis“, erklärt Veiel. Zudem müssten die Tiere zuvor in eine Quarantäne-Station, ehe sie zu den anderen dürften.

Insgesamt nimmt die Zahl der Animal-Hoarding-Fälle in den letzten Jahren zu. Im vergangenen Jahr hatte das Heilbronner Tierheim* ebenfalls mit solchen Fällen zu kämpfen. Bei einer Zwangsräumung wurden vier Hunde und drei unkastrierte Katzen*. In einem anderen Haushalt fanden die Tierschützer 43 ebenfalls unkastrierte Katzen*.

Wie Veiel sehen zahlreiche Experten im Animal Hoardning eine psychische Erkrankung. Auch deswegen fordert die Grünen-Politikerin Kerstin Celina mehr niederschwellige Angebote für Betroffene, denn Tierhalteverbote seien keine dauerhafte Hilfe und nur schwer zu erwirken. Einzig bei Hunden gibt es eine Obergrenze für die private Haltung. Mit 90 Prozent sind jedoch Katzen am häufigsten vom Animal Hoarding betroffen. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © 7aktuell.de | Andreas Werner

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