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„Wenigstens für zwei Jahre“: Kretschmann fordert Tempolimit auf Autobahnen

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Von: Katja Becher

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Wegen der drohenden Energiekrise und hoher Spitpreise ist es nach Ansicht von Ministerpräsident Winfried Kretschmann endgültig Zeit für ein Tempolimit auf Autobahnen.

Stuttgart - „Was dem Ami die Waffe, ist dem Deutschen das Rasen“, sagt Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg immer mal wieder. Als die FDP das Tempolimit in der Ampel verhinderte, wollte er es schon aufgeben. Doch nun droht die größte Energiekrise seit langem und da sind alte und neue Ideen gefragt. Nun ist es für Kretschmann endgültig Zeit für ein Tempolimit auf Autobahnen, berichtet HEIDELBERG24.

MinisterpräsidentWinfried Kretschmann
Geboren17. Mai 1948 (Alter 74 Jahre)
ParteiBündnis 90/Die Grünen

Baden-Württemberg: Kretschmann fordert wegen Energie-Engpass Tempolimit

„Das hätte unmittelbar Wirkungen, das ist sofort einsparend“, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag bei einer Diskussionsveranstaltung der „Süddeutschen Zeitung“ in München. „Da mal über den Schatten zu springen, wenigstens für zwei Jahre, wäre mal eine Diskussion wert“, sagte er an die Adresse des Koalitionspartners FDP im Bund, der sich gegen ein Tempolimit sperrt. In Baden-Württemberg war die Tempolimit-Debatte wegen der steigenden Spritpreise bereits im Frühjahr erneut aufgeflammt.

Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) und die FDP im Südwesten lehnten die Forderung nach einem Tempolimit auf Autobahnen prompt ab, die Landes-SPD stärkte Kretschmann den Rücken. „Dieser Vorschlag des Ministerpräsidenten ist ein sinnvoller“, sagte SPD-Partei- und Fraktionschef Andreas Stoch. Dagegen erklärte Söder bei der „SZ“ Veranstaltung: „Das Tempolimit erzeugt überhaupt keinen Strom.“ Das sei keine Lösung für die drohenden Risiken im kommenden Winter. Unterdessen droht mehr als 40 Schwimmbädern in Baden-Württemberg wegen der steigenden Energiepreise die Schließung.

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg (Archivfoto)
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg (Archivfoto) © Christoph Schmidt/dpa

Kretschmann und Söder warnen vor Energie-Engpässen – „Gasversorgung nicht gesichert“

Kretschmann und Söder warnten hingegen beide in teils drastischen Worten vor Energie-Engpässen. „Ich glaube im Moment, dass die Gasversorgung nicht gesichert ist“, sagte Söder. „Es steht viel schlechter, als die meisten glauben.“ Für einen Teil der Menschen werde sich das Leben noch einmal fundamental verändern. Söder warnte vor einem weiteren explosionsartigen Anstieg der Energiekosten und in der Folge vor einem Abstieg der Mittelschicht. Kretschmann sagte, es dürfe nicht sein, dass auf einen Schlag Millionen von Arbeitsplätzen „einbrechen“.

Das Umweltbundesamt (UBA) hatte vor drei Monaten verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, um deutlich sparsamer mit Energie umzugehen. Dazu gehörte auch, weniger und vor allem langsamer mit dem Auto zu fahren. Verringerten die Autofahrer die Geschwindigkeit auf Autobahnen auf maximal 100 Kilometer pro Stunde und auf 80 km/h auf Straßen außerorts, spare das rund 2,1 Milliarden Liter fossilen Kraftstoff ein. Das spare - so die Berechnungen - immerhin sofort rund 3,8 Prozent des im Verkehrssektor verbrauchten Kraftstoffs. (dpa/kab)

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