1. echo24
  2. Baden-Württemberg

Nach Streik an Unikliniken in Baden-Württemberg: Bis zu zehn Prozent mehr Gehalt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Melissa Sperber, Anna-Maureen Bremer

Kommentare

Warnstreiks an Unikliniken
An einer Eingangstür zur Uniklinik weist ein Plakat auf einen Streik hin. © Stefan Puchner/dpa/Archivbild

Mehrere Streiks an Unikliniken in Baden-Württemberg schienen kein Ergebnis zu bringen. Doch nach einer vierten Verhandlungsrunde zwischen Verdi und dem Arbeitgeberverband können Beschäftigte aufatmen.

Update, 6. Dezember: Noch vor wenigen Tagen schien es bei den Tarifverhandlungen nicht vorwärtszugehen – trotz großflächiger Streiks an Unikliniken in Baden-Württemberg. Jetzt gibt es jedoch einen Durchbruch, wie die „Deutsche Presse-Agentur“ (dpa) berichtet. Am Montagabend haben die Gewerkschaft Verdi und der Arbeitgeberverband der baden-württembergischen Uniklinika (AGU) ein Ergebnis erzielt.

Damit gibt es ein Ergebnis in den Tarifverhandlungen für rund 26 000 Beschäftigte an den vier Unikliniken im Südwesten. Es seien Tabellensteigerungen für die Gehälter vereinbart worden, die bis zu zehn Prozent betragen, teilte Verdi mit. Sie würden ab Oktober 2023 wirken. Die Laufzeit betrage 19 Monate. Damit sei ein vor allem für die unteren Einkommensgruppen gutes Ergebnis erreicht worden.

Nach Streiks an Unikliniken in Baden-Württemberg: Höhere Gehälter und Einmalzahlungen

Zusätzlich zu den vereinbarten Tabellensteigerungen kämen insgesamt 2400 Euro Einmalzahlungen hinzu, die je zu 1200 Euro im Dezember 2022 und März 2023 netto ausgezahlt werden sollen, „und damit die akuten Belastungen für die Beschäftigten durch drohende Nachzahlungen und Preissteigerungen ausgleichen können“, hieß es weiter. Laut AGU steht das Ergebnis noch bis zum 15. Dezember unter einem sogenannten Gremienvorbehalt.

Im Tarifkonflikt hatte die Gewerkschaft Verdi vor allem mit Verweis auf die hohe Inflation deutlich höhere Gehälter und rund 10,5 Prozent mehr Geld für Pflegekräfte und Beschäftigte in der Verwaltung gefordert.

Quelle: dpa

Auch Azubis und Sozialarbeiter bekommen nach Angaben von Verdi mehr Geld. Für Erstere gibt es demnach zunächst eine Einmalzahlung in Höhe von 900 Euro noch im Dezember 2022. Außerdem bekommen sie ab April 2023 monatlich 115 Euro netto mehr, die ab dem 1. Mai 2024 mit 150 Euro tabellenwirksam werden.

Für die Sozialarbeiter habe Verdi eine höhere Regeleingruppierung vereinbart, die ihnen im Schnitt über 400 Euro mehr im Monat einbringe. Für die Psychotherapeutinnen und -therapeuten in Ausbildung bringe das Ergebnis eine auf 300 Euro verdoppelte monatliche Zulage ab Dezember 2022 und für Februar bis November 2022 eine Netto-Einmalzahlung von 3000 Euro.

Nach Streik an Unikliniken in Baden-Württemberg – Tarifverhandlungen gescheitert

Update, 2. Dezember: Damit dürften die rund 26.000 Beschäftigte an den vier Unikliniken im Südwesten nicht glücklich sein: Die dritte Runde der Tarifverhandlungen ist ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Gewerkschaft Verdi wies am Donnerstagabend das Angebot der Arbeitgeberseite zurück. „In Summe haben sie sich keinen Zentimeter bewegt und ignorieren damit die massive Streikbewegung ihrer eigenen Beschäftigten“, teilte Verhandlungsführerin Irene Gölz am frühen Freitagmorgen mit. Daher habe man beschlossen, die Tarifverhandlungen abzubrechen.

„Im Tarifkonflikt fordert die Gewerkschaft Verdi vor allem mit Verweis auf die hohe Inflation deutlich höhere Gehälter und rund 10,5 Prozent mehr Geld für Pflegekräfte und Beschäftigte in der Verwaltung. Das Angebot des Arbeitgeberverbands sieht eine steuerfreie Einmalzahlung von 4200 Euro vor sowie eine durchschnittliche Erhöhung der Vergütung um sechs Prozent“, schreibt die „Deutsche Presse-Agentur“.

Steht der nächste Streik an den Unikliniken in Baden-Württemberg schon in den Startlöchern?

Und jetzt? Am Montag will die Tarifkommission beraten. Stehenlassen wird man das so eher nicht. Sollte die Kommission das Scheitern der Verhandlungen erklären, will die Gewerkschaft eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik vorbereiten. Vom Arbeitgeberverband der Universitätsklinika (AGU) gab es am frühen Freitagmorgen noch kein Statement.

Wieder Streik an Unikliniken in Baden-Württemberg – mehrere Tage nur Notdienste

Meldung von 28. November: Erst kürzlich hatten Beschäftige an Baden-Württemberger Unikliniken die Arbeit niedergelegt – wohl nicht mit dem gewünschten Ergebnis. Denn: An vier Unikliniken im Südwesten treten Beschäftigte ab heute in einen viertägigen Warnstreik. Die Gewerkschaft Verdi möchte damit unmittelbar vor der dritten Verhandlungsrunde an diesem Donnerstag erneut den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöhen.

Streik an Unikliniken in Baden Württemberg: Mitarbeiter legen die Arbeit nieder

Wie die „Deutsche Presse-Agentur“ (dpa) mitteilt, sind etwa Pflegekräfte sowie Verwaltungsmitarbeiter an den Unikliniken in Tübingen, Heidelberg, Freiburg und Ulm bis einschließlich Donnerstag aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. In den Städten sind jeweils auch Kundgebungen geplant. Die Versorgung an den Kliniken ist laut Verdi durch Notdienste sichergestellt.

Die Kliniken üben scharfe Kritik. Der Arbeitgeberverband der baden-württembergischen Uniklinika (AGU) bezeichnete den Streikaufruf als „völlig unverständlich und einmalig in der Tarifgeschichte des Arbeitgeberverbandes“, wie eine Sprecherin mitteilte. Er gehe massiv zulasten der Patientinnen und Patienten.

Die Gewerkschaft möchte mit dem Warnstreik ein verbessertes Angebot für die rund 26.000 Beschäftigten an den Unikliniken erreichen. Verdi fordert unter anderem für Medizinisch-Technische-Assistenten sowie Pflege- und Verwaltungskräfte 10,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 375 Euro mehr pro Monat; die Laufzeit soll zwölf Monate betragen.

Letztes Angebot führte nicht zur Lösung – wieder mehrere Tage Streik an Baden-Württembergs Unikliniken

Das letzte Angebot des Arbeitgeberverbands sah eine steuerfreie Einmalzahlung von 4.200 Euro vor sowie eine Steigerung der Vergütung um durchschnittlich sechs Prozent mit einer Laufzeit bis Ende Juli 2024.

Bei den Verhandlungen geht es um Beschäftigte, für deren Arbeitsverhältnisse der Tarifvertrag Uniklinika Baden-Württemberg gilt. Ärzte oder wissenschaftliches Personal fallen unter andere Tarifverträge.

Auch interessant

Kommentare