Verbrechen im Stuttgarter ÖPNV

Sexuelle Belästigung in der S-Bahn: Nehmen Fälle in Stuttgart bedrohliches Ausmaß an?

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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In Stuttgart häufen sich die Fälle von sexueller Belästigung im ÖPNV. Aber warum? Fakt ist: Die Videoüberwachung scheint viele Täter nicht mehr abzuschrecken.

Immer wieder berichten die Medien über erschütternde Fälle von sexueller Belästigung im ÖPNV. Dabei scheint vielen Tätern das Alter ihres Opfers egal zu sein. Das zeigt aktuell wieder ein Fall in der S-Bahn zwischen Stuttgart und Filderstadt. Am Sonntag versuchte dort ein Mann eine junge Frau zu vergewaltigen. Das Opfer war in der S-Bahn unterwegs. Als das Opfer ausstieg, wurde der Unbekannter handgreiflich. Der sexuelle Übergriff misslang, doch noch immer ist der Täter auf der Flucht.

Aber warum kommt es ausgerechnet in S-Bahnen und an Bahnhöfen häufiger zu Fällen von sexueller Belästigung? Schließlich sind fast alle S-Bahnen und Bahnhöfe in Stuttgart mittlerweile mit einer Videoüberwachung ausgestattet. Warum sich die Fälle von sexueller Belästigung im ÖPNV trotzdem häufen, kann auch die Polizei nicht sagen. Fest steht allerdings: Bei den Ermittlungen sei die Videoüberwachung eine große Hilfe, erklärt ein Polizeisprecher auf echo24.de-Anfrage.

Stuttgart: Mehr Sexualdelikte im ÖPNV

Von Vorteil ist es, wenn sich das Opfer direkt nach sexuellen Übergriffen bei der Polizei meldet. „Das geht in einer Polizeidienstelle oder auch per Telefon“, erklärt der Polizeisprecher. In solchen Fällen lasse sich der Aufenthaltsort des Täters noch gut einschränken. Die Chance, einen Täter zu finden, sei höher. Wenn sich Opfer erst nachträglich bei der Polizei melden, werde die Suche nach Tätern schwieriger. In solchen Fällen kommt vermehrt die Videoüberwachung zum Einsatz.

Im Anschluss entscheidet die zuständige Staatsanwaltschaft, ob gegebenenfalls eine polizeiinterne Fahndung erfolgen darf. Sprich: Es wird ein Fahndungsfoto erstellt, das alle Polizeidienststellen einsehen können. In Einzelfällen kann die Staatsanwaltschaft auch eine öffentliche Fahndung anordnen. In diesem Fall wird das Fahndungsfoto beispielsweise über Social-Media-Kanäle, Aushänge an Bahnhöfen oder die örtlichen Medien verbreitet.

Stuttgart: Fallzahlen sexueller Übergriffe

Über solche öffentlichen Polizeifahndungen entscheidet die Staatsanwaltschaft immer im Einzelfall. Wichtig sei, dass die Öffentlichkeitsfahndung „zielführend und verhältnismäßig ist“, erklärt der Polizeisprecher. Nur dann mache die Einbindung der Öffentlichkeit auch Sinn. Aktuell berichten die Stuttgarter Nachrichten über sich häufende Sexualdelikte im ÖPNV von Stuttgart. Ein anderes Bild stellt sich der Polizei dar. Dass sich die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr nicht wirklich verändert hätten, erfährt echo24.de von der zuständigen Dienststelle der Bundespolizei in Stuttgart.

Die Täter von Fällen sexueller Belästigung lassen sich oft nur schwer ermitteln. Die Videoüberwachung kann der Polizei eine große Hilfe sein.

Sprich: Von bedrohlichen Ausmaßen kann eigentlich nicht die Rede sein. Fakt ist nur, dass jeder Fall von sexueller Belästigung im Grunde ein Fall zu viel ist. Insbesondere im Hinblick auf die meist weiblichen Opfer, die teilweise erst im Kindesalter sind. Doch immerhin hilft die Videoüberwachung der Polizei ungemein bei Ermittlungen. Davon zeugt ein Fall aus Stuttgart von Ende August.

Stuttgart: Bilder von Tätern gibt es reichlich

Am 29. August wurde in Stuttgart einer 29-Jährigen an Po gefasst. Inzwischen liegen der Polizei Fahndungsfotos vor. Zwar gibt es noch keine Festnahmen, durch die Bilder aber eine größere Hoffnung auf Aufklärung. Doch auch Ermittlungen ohne Videoüberwachung können von Erfolg gekrönt sein. Das zeigt zum Beispiel der Fall eines Exhibitionisten aus Stuttgart, der sich am 23. August vor zwei Frauen entblößte. Noch am Bahnsteig konnte der Täter dingfest gemacht werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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