Wirte sperren Getestete aus

Stuttgarter Wirte mit Hammer-Schritt: Kein Zutritt für Ungeimpfte mehr?

Das RKI hat die aktuellen Fallzahlen für Deutschland veröffentlicht (Symbolbild).
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In Stuttgart kommen Geteste nicht mehr in jedes Lokal. (Symbolbild)
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    VonSimon Mones
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Seit dem 16. August können die Menschen wieder nahezu unbeschränkt die Gastronomie besuche - sofern sie sich an die 3G-Regel halten. Doch manchen Gastronomen geht das nicht weit genug.

Erstmeldung vom 16. August: Seit heute (Montag, 16. August) ist es so weit: Die Inzidenzen spielen in Baden-Württemberg keine Rolle mehr*. Wer geimpft, genesen oder getestet ist, kann dann am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Auch wer sich in ein Restaurant setzen will, muss sich jetzt wieder an die 3G-Regel halten, wie echo24.de* berichtet.

In der Besenwirtschaft von des Wirtspaars K. (die Namen sind der Redaktion bekannt) sind Getestete ab dem 1. September zwar immer noch willkommen, das Gastronomen-Paar würde sich aber mehr geimpfte und genesene Gäste wünschen. „Nur so kann man allen den besten Schutz bieten“, erklärte Winfried K. den Stuttgarter Nachrichten (Artikel hinter Bezahlschranke, Anm. d. Red.).

Stuttgart: Wirte mit Hammer-Entscheidung - Getestete nicht erlaubt?

Diesen Wunsch hatte der Gastronom aus Stuttgart* bereits, bevor klar war, dass die Corona-Verordnung angepasst werden soll. Die bislang gängige Praxis, Gäste ohne Nachweise in die Restaurants und Bars zu lassen, hielt K. „für eine unsichere Sache“. „Mir wäre am liebsten, wenn nur die Geimpften rein dürften, das wäre am einfachsten und am sichersten für die Gastronomie“, betont der Gastronom.

Zumal die Schnelltests nicht immer korrekte Ergebnisse liefern. Hinzu kommt: Ab Mitte Oktober werden diese wieder kostenpflichtig, entsprechend könnte es schwieriger und teurer werden, sich testen zu lassen. Richtig teuer wird es vor allem, wenn man in Clubs oder Diskotheken will, dort braucht man nämlich einen PCR-Test*.

Stuttgart: Gastronomen wünscht sich mehr geimpfte Gäste - Kritik auf Facebook

Diesen Wunsch kommunizierten die Wirte auch auf ihrer Homepage. Bei Gruppen oder Menschen, die sich nicht impfen lassen können, reicht in Ausnahmefällen auch ein tagesaktueller Test. „Lasst uns wieder zusammensitzen wie früher“, so lautet der Wunsch der beiden Gastronomen auf ihrer Homepage.

Doch dieser Schritt kommt nicht überall gut an, wie bw24.de* berichtet, wurden das Wirtspaar K. auf der Facebook-Seite der Stuttgarter Nachrichten böse beschimpft und angefeindet. „Hoffe, sie muss Insolvenz beantragen. Es leben die Ungeimpften“, kommentierte ein Impf-Gegner. Doch es gab auch Zuspruch. „Ich finde es gut und nachvollziehbar“, schreibt eine Nutzerin. Eine andere betont: „Die Frau hat das Hausrecht und ihr gutes Recht dazu, selber zu entscheiden, wer bei ihr bedient wird und wer nicht.“

Stuttgart: Gastronom fühlt sich Missverstanden

Im Gespräch mit echo24.de erklärte Winfried K., dass er seine Aussagen missverstanden sieht*. Es sei nie darum gegangen Getestete auszuschließen. Da immer mehr Menschen gegen das Coronavirus geimpft sind, habe er lediglich gehofft, dass mehr Geimpfte den Weg in sein Lokal finden. Getestete sollten nie weggeschickt werden. Auch auf der Homepage heißt es nun:Wir freuen uns darauf, unsere Gäste mit gültigem Impf- oder Testzertifikat ohne besondere Auflagen und Einschränkungen begrüßen zu dürfen!“

Der Gastronom Bernd Kreis von der Weinbar „High Fidelity“ setzt indes demnächst auf die 2G-Regel. Zum einen aus Selbstschutz und Schutz für seine Mitarbeiter, zum anderen sieht er darin ein gesellschaftliches Engagement.

Stuttgart: Keine getesteten Gäste - DEHOGA bei 2G-Regel skeptisch

Für Kreis ist klar: Wer meint, sich nicht impfen zu müssen, der müsse auch wissen, welche Konsequenzen damit verbunden sind. Bekanntlich endet die eigene Freiheit da, wo die der anderen beginnt. Daher dürfe die (geimpfte und genesene) Mehrheit nicht mehr unter einer Minderheit leiden. „Wir können uns nicht noch einen Lockdown leisten“, sagte der Weinhändler den Stuttgarter Nachrichten. Zudem kann der Chef des High Fidelity auch gut auf Ungeimpfte verzichten: „Wenn sich jemand so intolerant verhält, das ist nicht mein Kumpel. Und ich umgebe mich lieber mit Leuten, die meine Kumpel sind.“

Kreis weicht jedoch in bestimmten Fällen von seiner 2G-Regel ab. Für Kinder und Jugendliche sowie Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, macht der Gastronom entsprechend eine Ausnahme. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) äußerte sich derweil kritisch in Bezug auf eine 2G-Regel. „Das wäre das allerletzte Mittel, um den Lockdown zu verhindern“, betonte der Stuttgarter Verbandssprecher Daniel Ohl. *echo24.de und bw24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir berichtet, dass die Gastronomen K. nur noch geimpfte und genesene Gäste wollen, inzwischen hat sich der Wirt zu Wort gemledet und um Korrektur gebeten.

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