Stadt verteidigt Maßnahmen auch für Kinder

Massive Kritik an Corona-Regeln für Schüler: Baden sie aus, was andere verursachen?

Ein Schüler kommt mit Mundschutz in die Klasse und stellt seine Schulranzen auf seinen Stuhl.
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Die Maskenpflicht für Schüler in Stuttgart steht in der Kritik.
  • Julia Thielen
    vonJulia Thielen
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In Stuttgart gilt auch für Schüler eine Maskenpflicht. Diese wird derzeit kritisiert. Weil Kinder nicht das Problem seien, aber massiv unter Maßnahmen litten.

„Alles deutet darauf hin, dass Schulen und Kitas eben NICHT die Hauptinfektionsherde sind“, sagte Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg Ende September in den „tagesthemen“. Und trotzdem richtet Stuttgart, wie andere Risikogebiete innerhalb Deutschlands auch, einen Fokus weiterhin auf Schulen. Diese sollen unter allen Umständen offen bleiben können. Doch geht das wirklich nur mit Maskenpflicht im Unterricht? In einem Offenen Brief an Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn wird das jedenfalls massiv infrage gestellt.

Stuttgart: Maskenpflicht für Schüler in der Kritik - strengere Regeln auch für Kinder

Von den in Stuttgart am gestrigen Mittwoch in Kraft getretenen strengeren Corona-Regeln sind auch Schüler deutlich betroffen. Der Unterrichtsbeginn ab der 8. Klasse darf frühestens zur zweiten Stunde beginnen, damit das Gedränge im Nahverkehr entzerrt wird. In Bus und Bahn sowie in der Stuttgarter Innenstadt müssen Kinder ab sechs Jahren wie alle anderen Maske tragen. Und für Schüler ab der 5. Klasse gilt die Maskenpflicht nun auch im Unterricht.

Dazu kommen zugige Klassenzimmer - regelmäßiges Lüften soll die Ausbreitung des Coronavirus in Schulen eindämmen. Schüler sollten deshalb Decken und Schals einpacken, lautete eine Experten-Empfehlung. Zuletzt hatten Politiker sogar eine Verlängerung der Weihnachts- in Verbindung mit Kürzungen in den Sommer- und Osterferien ins Spiel gebracht. Für letzteres gab es aus Baden-Württemberg allerdings schon eine deutliche Absage.

Stuttgart: Kritik an Corona-Regeln für Schüler - „inakzeptabel“

Betrachtet man diese Maßnahmen für Kinder und Jugendliche, scheint es in Stuttgart, aber auch in anderen Risikogebieten, ein besonderes Augenmerk auf die mögliche Infektionsentwicklung innerhalb von Schulen zu geben. Doch genau das steht derzeit in der Kritik. In einem Offenen Brief an Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn fordern die Initiativen „Familien in der Krise“ und „Kinder brauchen Kinder“ einen verhältnismäßigen Umgang mit Schülern. Es sei „inakzeptabel, wenn ausgerechnet Kinder und Jugendliche besonders starke Maßnahmen hinnehmen müssen“, heißt es in dem Brief.

Und weiter: „Durch die Konzentration auf den Schulbereich entsteht aus unserer Sicht das falsche Bild, dass Schulen ein ganz besonders gefährlicher Ort sind. Dies wurde zwischenzeitlich vielfach widerlegt.“ Die Maskenpflicht für Schüler im Unterricht müsse schnellstmöglich wieder abgeschafft werden. Auch, weil die Initiativen die Maske im Unterricht als „erhebliche Beeinträchtigung“ sehen. Aus pädagogischer Sicht sei eine Mund-Nasen-Bedeckung ebenfalls „ein schwerwiegender Eingriff“. Langzeitfolgen wie Konzentrationsprobleme, das zusätzliche Verschwinden ohnehin schüchterner Schüler oder fehlende soziale Interaktion eingeschlossen.

Corona in Stuttgart: Strenge Regeln für Schüler unbegründet?

In der Tat sind laut der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zum Coronavirus, „Kinder bisher weder in Schulen und Kitas noch innerhalb von Familien als sogenannte ‚Superspreader‘ in Erscheinung getreten“. Schulen und Kitas oder einzelne Klassen in Quarantäne seien „fast ausnahmslos präventiv“ dicht gemacht worden. Zudem seien „mehrheitlich Lehrer oder Betreuungspersonal die Infektionsquelle“ gewesen. Deutlich seltenerer Schüler selbst.

Private Feiern oder illegale Partys dagegen scheinen ein höheres Risiko mitzubringen, zum Infektionsherd für das Coronavirus zu werden. Zwar gibt es auch hier strengere Regeln wie zum Beispiel ein Alkoholverbot. Zusammenkünfte von 25 Personen in angemieteten Räumen - auch ohne Maske - waren aber zunächst erlaubt. Zwar dürfte die Anzahl nach den Beschlüssen bei der Ministerpräsidentenkonferenz auf zehn Personen sinken. Dennoch: Für die Verfasser des Offenen Briefs scheinen die Überlegungen der Stadt Stuttgart offenbar eine nicht verständliche Diskrepanz mit sich zu bringen. „Hier wurden an der falschen Stelle aktionistisch Maßnahmen verhängt.“

Stuttgart: Oberbürgermeister Kuhn verteidigt strenge Corona-Regeln für Schüler

Doch das DAKJ und das Robert-Koch-Institut empfehlen auch trotz offenbar vergleichsweise geringer Infektionsgefahr an Schulen das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung für Schüler und Lehrer. Angesichts steigender Corona-Zahlen in ganz Baden-Württemberg bleibt also abzuwarten, ob und wie Stuttgarts Oberbürgermeister auf den Offenen Brief und die Kritik an den Corona-Regeln für Schüler reagieren wird.

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