Für Heilbronn ist Modell wohl keine Option

Kostet nix: Stuttgart startet Test-Wochenende für Busse und Bahn!

Öffentlicher Nahverkehr
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Kostet nix: Stuttgart startet Test-Wochenende für Busse und Bahn!
  • Dominik Jahn
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Stuttgart will‘s wissen: Die Landeshauptstadt wagt den Versuch und macht das Fahren mit Bussen und Straßenbahnen kostenlos - alle Infos!

Ist es ein Modell für die Zukunft? Stuttgart will‘s jetzt wissen und macht das Fahren mit Bussen und Bahnen kostenlos. Laut Verkehrs- und Tarifverbund der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg soll die Aktion zunächst an einem Wochenende im  Nahverkehr getestet werden.

Laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) soll damit in Stuttgart der Versuch gestartet werden, „das Leben zurück in die Innenstadt zu bringen, damit Handel und Kultur genauso profitieren könnten wie die Gastronomie“.  Wird der Test zum Erfolg, dann schließt City-Manager Sven Hahn demnach auch nicht aus, dass der Weg frei sei für vier Wochenenden mit kostenlosem ÖPNV im Jahr.

Test-Wochenende in Stuttgart: Zeitraum, Tarifzone, Vergünstigungen - die Infos

Gestartet wird das Test-Wochenende mit der kostenlosen Nutzung von Bussen und Bahn im Rahmen der Mobilitätswochen (16. bis 22. September) in Stuttgart - am 18. und 19. September in der VVS-Tarifzone 1. Aber auch weitere Fahrten werden günstiger an diesen Tagen: statt EinzelTicket für zwei Zonen für den Weg nach Stuttgart, reicht an diesen beiden Tagen ein Ticket für eine Zone.

 Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH (VVS)

Die Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH (VVS) ist für den Ablauf im öffentlichen Personennahverkehr in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart verantwortlich. Dazu kommen die Gebiete in den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg, Rems-Murr und Göppingen. Zur Aufgabe gehört es, einheitliche Beförderungsbedingungen und Tarifbestimmungen sowie einen abgestimmten Fahrplan zu schaffen.

Aber was bringt das Kostet-Nix-Modell für den öffentlichen Nahverkehr wirklich? Mit Tübingen gibt es einen Vorreiter. Bereits seit 2018 brauchen Stadtbewohner und Touristen keine Tickets, wenn sie an Samstagen mit dem Bus fahren wollen. Bisher zeigen sich die Stadtwerke Tübingen damit zufrieden. Laut den Verantwortlichen habe sich die Zahl der Fahrgäste samstags von 30,1 Menschen pro Fahrt im Jahr vor der Aktion auf danach 34,7 und schließlich 38,5 Fahrgäste im Jahr 2019 erhöht.

Zuletzt berichtete echo24.de über ein Projekt am Flughafen Stuttgart. Passagiere sollen demnach eine Art Gratis-Ticket fürs Weiterfahren bekommen.

Kostenlose öffentliche Verkehrsmittel: Stuttgart testet - diese Städte nicht mehr

Für Ulm wird‘s nach gut zwei Jahren kein Modell für die Zukunft. Kostenlos mit Bus und Bahn fahren wird zum Jahresende wieder gestrichen. Im April 2019 wurde das Angebot als Entschädigung für Großbaustellen und den Wegfall von Tiefgaragenplätzen eingeführt, um den Handel zu unterstützen. Das Ergebnis: der Gemeinderat sieht mit der Eröffnung der neuen Tiefgarage keinen Zweck mehr dafür. Zudem hatte man pro Jahr knapp eine Million Euro an den Nahverkehrsverbund DING überwiesen.

In die Vollen gehen dagegen die Verantwortlichen in Walldorf im Rhein-Neckar-Kreis. Hier soll es ab dem 1. Januar 2022 dann „Einfach einsteigen“ heißen. Kostet nix - Bus und Bahn! Praktischer Hintergrund für das großzügige Angebot ist dabei die Tatsache, dass Walldorf der Sitz des lukrativen Gewerbesteuerzahlers SAP ist.

Gegenüber der dpa erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende im Walldorfer Gemeinderat, Manfred Zuber, man erwarte sich damit eine „deutliche Reduzierung der Autofahrten von und zur Stadtmitte, zum Bahnhof, zum Industriegebiet und zum Sport- und Freizeitzentrum sowie bei den sogenannten Elterntaxen“. Die Ausfallkosten für den Verkehrsverbund stemmt dann die Stadt - 53.000 Euro.

Kostenlos Bus und Bahn: Dämpfer vom Verkehrsminister für Stuttgart und Co.

Verkehrsminister Winfried Hermann dämpft die Erwartungen an die Kostenlos-Planungen der Städte. Er warnt davor öffentliche Verkehrsmittel dauerhaft kostenlos anzubieten. Es erfordere erheblich mehr Zuschüsse als ein ticketfreies Wochenende. Hermann: „Schon heute ist jedes Ticket etwa zur Hälfte von der öffentlichen Hand gefördert. Das heißt die Aufgabenträger Land, Verkehrsverbünde oder Kommunen müssten die Mittel zur Kostendeckung mindestens verdoppeln.“

Die Verwendung als Kurz-Aktion für verkaufsoffenen Sonntag oder „Werbemaßnahme fürs Um- und Einsteigen in den öffentlichen Nahverkehr“ macht für ihn dagegen durchaus Sinn. Städte wie Stuttgart können davon sicher profitieren. Hermann: „So können Menschen, die den ÖPNV bisher nicht nutzen, die Alternativen zum Autofahren kennenlernen.“

Kostenlos durch Stuttgart: Heilbronn will anderen Weg gehen

Die Planungen für einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr wie in Stuttgart, möchte man in Heilbronn eher nicht anpacken. Hier setzt man lieber auf „besondere Preismodelle und Angebote“. Auf diesen Weg hofft man am Ende Abonnenten zu überzeugen oder zu halten. Nur in der Adventszeit 2019 fiel der Fahrpreis weg, um den Verkehr zu entlasten.

Ob ein solches Vorgehen auch in der kommenden Weihnachtszeit für Heilbronn denkbar sei, konnte eine Heilbronner Stadtsprecherin auf dpa-Nachfrage noch nicht bestätigen. Noch gibt es keine Entscheidung der HNV (Heilbronner-Hohenloher-Haller-Nahverkehr GmbH). Diskutiert wurde über das Kostenlos-Modell in Heilbronn aber bereits 2020 allemal.

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