Fall geht vor Arbeitsgericht

Stuttgart: Kita-Erzieherin meldet Kindesmisshandlung und verliert ihren Job

Kindertagesstätte
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Eine Kita-Erzieherin macht eine schockierende Meldung und wird daraufhin gekündigt. (Symbolbild)
  • Julia Cuprakowa
    VonJulia Cuprakowa
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In einer Stuttgarter Kita kommt es zu einem schockierenden Vorfall. Eine Erzieherin beobachtet eine Kollegin bei angeblicher Kindesmisshandlung und wird daraufhin selbst gekündigt.

Miteinander spielen, Mittagsschlaf halten und zusammen in der Gruppe herumtollen – das stellen sich wohl die meisten Eltern vor, wenn sie daran denken, was ihre Kinder wohl so machen, wenn sie die Kleinen in der Kindertagesstätte abgegeben haben. In die sicheren Hände der Erzieher. Dass eine Erzieherin das eigene Kind in den Kinderwagen wirft und bei dem Versuch des Kindes, sich wieder aufzurichten, erneut runtergedrückt, sind Szenen, die sich Eltern nicht mal vorstellen wollen.

Doch genau das soll eine Erzieherin in einer Stuttgarter Kita beobachtet haben, wie echo24.de* berichtet. Sie schlägt Alarm. Und dann passiert das Unfassbare: Ihr wird mit einer Kündigung gedroht. Was genau ist passiert?

Stuttgart: Kita-Erzieherin meldet Kindesmisshandlung und wird gekündigt

Eine Erzieherin in einer Kita in Stuttgart soll ihre Kollegin dabei beobachtet haben, wie sie ein Kind sehr unsanft behandelt habe, als es nicht das tat, was sie wollte. Durch dieses Fehlverhalten der Kollegin habe sie das Kindeswohl gefährdet gesehen und meldete die Beobachtung, wie die Stuttgarter Zeitung (Artikel hinter Bezahlschranke, Anm. d. Red.) berichtet. Nach der Meldung wurde zunächst ein Gespräch geführt, in dem schon die Möglichkeit einer Kündigung angedeutet wurde.

Und weil die Erzieherin den Vorwurf nicht fallen lassen wollte, kam es dann schließlich zu der Kündigung. Jedoch wurde nicht die Frau, die das Kind misshandelt haben soll, gekündigt, sondern die Frau, die den Zwischenfall gemeldet hatte. Nun wehrt sich die fristlos gekündigte Frau vor Gericht. Wie lässt sich die Kündigung aber erklären?

Kindesmisshandlung: Beschuldigte Erzieherin und Zeugin widersprechen

Wie die StZ weiter berichtet, rechtfertigt der Arbeitgeber die fristlose Kündigung damit, dass die Beschuldigung wohl falsch seien. Denn: Eine Zeugin, welche die Erzieherin benannt hatte, habe den Vorfall nicht bestätigt. Und auch die Frau, der die Kindesmisshandlung vorgeworfen war, habe ebenfalls widersprochen. Somit handelt es sich – aus der Sicht des Arbeitgebers – um eine haltlose Anschuldigung, aufgrund dessen die Kündigung ausgesprochen wurde.

Kita-Erzieherin meldet Kindesmisshandlung und landet vor Gericht

Am Dienstag, 28. September, trafen sich die Erzieherin mit ihrem Anwalt und die Rechtsvertreterin der privaten Kindertagesstätte am Stuttgarter Arbeitsgericht. Der Anwalt der Erzieherin erklärte, dass seine Mandantin wegen der fristlosen Kündigung in finanziellen Schwierigkeiten sei, da sie durch ihre Sperrfrist kein Geld bekomme und ihre Miete nicht mehr zahlen könne.

Außerdem bemängelte der Anwalt das Vorgehen der Kita. Denn offenbar habe die Kindertagesstätte nicht den laut dem Stuttgarter Konzept vorgegebenen Weg bei solch einer Meldung eingeschlagen. Laut StZ sei weder, wie das Konzept vorschreibe, das Jugendamt informiert worden, noch der Kommunalverband für Jugend und Soziales in Baden-Württemberg (KVJS) in Kenntnis gesetzt worden. Wie ging die Verhandlung schließlich aus?

Stuttgart: Kita-Erzieherin und Träger der Stuttgarter Kindertagesstätte vor Gericht

Der Richter machte den beiden Parteien deutlich, dass er am Arbeitsgericht nur die arbeitsrechtlichen Aspekte des Falles betrachten könne. Die Vorwürfe der Kindesmisshandlungen müssten an anderer Stelle aufgeklärt werden. Er schlug vor, dass die Parteien sich auf einen Vergleich einigen sollten.

Daraufhin bot der Träger der Stuttgarter Kindertagesstätte der Erzieherin an, die Kündigung zurückzunehmen. Man würde sich außerdem das Recht vorbehalten, eine Abmahnung zu erteilen. Zudem müsse die Frau an einem Trainingsprogramm der Kita teilnehmen. Denn zwischenzeitlich sei eine Fachberatung engagiert worden, um die Arbeitsweise zu analysieren und Trainings und Coachings mit den Mitarbeitenden zu absolvieren. 

Den Vergleich lehnte die Erzieherin ab und will weiter vor Gericht für ihr Recht kämpfen. Und während die Stuttgarter Kita einen Streit vor Gericht ausficht, hat das Heilbronner Kita-Bündnis „HappelKids“ hat den ersten Schritt zum Deutschen Kita-Preis 2022 geschafft*. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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