Junge Familien können sich keine 4-Zimmer-Wohnung leisten

Stuttgart: Mega-Mieten - Familien erleben Desaster auf Immobilienmarkt

Stuttgart Innenstadt
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Mega-Mieten in Stuttgart: Familien erleben Desaster auf Immobilienmarkt.
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Wohnen in Stuttgart: Mega-Mieten und hohe Preise fürs Eigenheim machen Wohnung und Haus zum Luxus in der Landeshauptstadt.

Es ist wahrlich keine Neuigkeit - Wohnen in Stuttgart ist teuer. Aber jetzt gibt‘s für den Immobilienmarkt in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg aktuelle Zahlen. Gerade für Familien mal wieder ein echter Schock. Mega-Mieten und Kaufpreise zerstören den Traum vom Eigenheim.

Und der Traum muss nicht mal groß sein. Wie ein Bericht des immobilienwirtschaftlichen Verbandes für die Metropolregion Stuttgart (IWS) zeigt, haben es junge Familien schwer: „Wer sich hinsichtlich Wohnraum vergrößern möchte, weil beispielsweise Nachwuchs geplant ist, kann sich bei einem durchschnittlichen Familieneinkommen eine 4-Zimmer-Wohnung weder zum Kauf, noch zur Miete leisten“, heißt es.

Stuttgart: Heftige Mieten auf Immobilienmarkt - Horror für Familien

Die Studie des IWS zeigt das Miet-Desaster an einem Beispiel: Eine Familie lebt mit Kind in einer 75 Quadratmeter großen 3-Zimmer-Wohnung in Stuttgart. Mit dem zweiten Kind soll eine größere Wohnung her - vier Zimmer zur Miete oder zum Kauf. Es wird von einem Neubau ausgegangen.

Immobilienwirtschaftlicher Verband für die Metropolregion Stuttgart

Der Verband repräsentiert die Immobilienbranche und kümmert sich um die Interessen der Mitglieder und der gesamten Branche gegenüber der Politik und anderen Verbänden und ist Stimme in der Öffentlichkeit und den Medien. Die IWS wurde im Jahr 2004 gegründet. Zu den Zielen zählen laut Unternehmen weiterhin „die Förderung des Immobilienstandorts, die Förderung einer Corporate Gouvernance, die Erfassung, Verbreitung und Darstellung der relevanten Marktdaten, die Verleihung des ImmobilienAward Stuttgart und die Präsentation auf nationalen und internationalen Immobilienmessen und –foren“.

Stuttgarter Miet-Desaster im Beispiel der Experten vom IWS

Nicht ohne Grund gilt Stuttgart als die teuerste Großstadt: Für 90 Quadratmeter in der Randlage Stuttgarts müsste die junge Familie mit 15,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter rechnen. Bei einem mittleren Einkommen der Eltern übersteigt die errechnete Gesamtmiete von 1.732,50 Euro das Budget - sie können sich keine 4-Zimmer-Wohnung im Stadtgebiet leisten. In der Folge rechnen die Experten mit einer verstärkten Abwanderung der jungen Familien aus der Landeshauptstadt Stuttgart, weit raus in die Randgebiete.

Auch ein Wohnungskauf fällt für die Familie in der schwäbischen Landeshauptstadt laut IWS-Studie aus. Mit allen Kaufnebenkosten wäre es eine monatliche Belastung von 1.773,18 Euro. Das bittere Fazit zu den Mega-Mieten durch den immobilienwirtschaftlichen Verband: „Für die mittleren Bevölkerungsschichten gibt es kein Angebot, da diese nicht oder nur bedingt förderfähig sind und sich teure Wohnungen nicht leisten können“.

Warum steigen in Stuttgart die Preise für Mieten und Eigenheime?

Die Auswertungen des IWS zeigen einige wichtige Faktoren für die Mega-Mieten und die steigenden Kosten für Eigenheime in Stuttgart.

  • Einwohnerzahl: In den zurückliegenden zehn Jahren ist die Zahl der Einwohner in Stuttgart zum Jahresende 2018 um 53.000 auf 614.400 angewachsen.
  • Aussichten: Experten gehen davon aus, Stuttgart könnte bis zum Jahr 2030 um 38.000 Personen wachsen. Mit 649.000 Einwohnern wäre ein historischer Höchststand erreicht. Der stärkste Anstieg wird in den Jahren 2020 bis 2024 erwartet. Je nach Variante geht die 2019 vom Statistischen Amt der Landeshauptstadt veröffentlichte Einwohnerprognose von einem Einwohnerzuwachs bis 2030 von 5,2 bis 7,4 Prozent aus.
  • Bedarf: Es wird von einem jährlichen Bedarf von zirka 2.000 Wohnungen ausgegangen.

Der IWS sieht ein großes Problem bei der Politik. Reglementierungen von Bund und Land verteuern das Bauen enorm. Dazu verringern „lokalpolitische Reglementierungen die Grundstücke und verteuern sie“ - Erhöhung der Grunderwerbs-, der Mehrwertsteuer und der Architektenhonorare. Genehmigungsphase seien zudem unnötig aufwendig und dauern daher zu lange.

Wie echo24.de im November 2020 berichtete, hat auch die Corona-Pandemie Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt in Stuttgart.

Wohnen in Stuttgart: Forderung für günstigere Mieten und Chancen aufs Eigenheim

Es muss mehr gebaut werden. Mehr Wohnraum muss her in der Landeshauptstadt. Der immobilienwirtschaftliche Verband für die Metropolregion Stuttgart fordert daher eine „mutigere Nachverdichtung in der Innenstadt“, „Subventionen und Grundstücksvergünstigungen“. Nur so schafft man Raum für „bezahlbare Mietwohnungen“, „bezahlbares Wohneigentum“ und die Chancen auf den Bau von kostengünstigen Wohnraumlösungen mit innovativen Mobilitätskonzepten.

Außerdem müsse der „Wohnraumbedarf in der Region unter der Berücksichtigung der tatsächlichen Einwohnerentwicklung und der Nachfrage vom Wohnraum“ in Stuttgart aktualisiert werden. Aktuelle Bau- und Wohnprojekte, die nicht mit mindesten 15,50 Euro pro Quadratmeter rechnen, sind in Stuttgart nicht kostendeckend. Heißt: Die angeblich kostendeckenden 9,50 Euro monatlich für eine Neubauwohnung bleiben eine Immobilien-Illusion. Dafür gibt‘s die Mega-Mieten als Realmiete in der Region Stuttgart - 15,50 Euro pro Quadratmeter für Neubau und sanierten Bestand.

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