Gefahrenanalyse gegen Überschwemmungen?

Hochwasser und Starkregen – Region Stuttgart wappnet sich für Ernstfall

Hochwasser am Rhein
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Stuttgart will für kommende Extrem-Unwetter gewappnet sein. (Symbolbild)
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Die vergangenen Extrem-Unwetter in vielen Regionen Deutschlands machen sprachlos – doch einige Regionen reagieren und wollen sich für die Zukunft wappnen – so auch Stuttgart.

Die Ereignisse in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erschüttern ganz Deutschland. Extreme Unwetter mit Starkregen haben in der vergangenen Woche enorme Schäden angerichtet und über 150 Menschen das Leben gekostet - und auch Baden-Württemberg hatte zumindest punktuell mit Extremwetter zu kämpfen. In Heilbronn beispielsweise wurde ein Autohaus überflutet und im Stadtgebiet Lörrach wurde wegen Überschwemmungen sogar der öffentliche Notstand ausgerufen. Höchste Zeit also, etwas zu unternehmen - dachte sich wohl auch die Region Stuttgart und wappnet sich jetzt.

Denn Meteorologen haben eine furchtbare Vermutung: Solche Wetter-Ereignisse, die tausende Menschen ihre Existenz kosten, könnten künftig immer häufiger auftreten. Experten versuchen schon seit einigen Jahren, der Politik und der Bevölkerung klarzumachen, dass die heftigen Extrem-Unwetter wohl zu einem großen Teil auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Auch für die Region rund um Stuttgart eine erschreckende Prognose. Denn auch die Baden-Württembergische Hauptstadt hatte Ende Juni mit Wassermassen zu kämpfen.

Starkregen und Hochwasser: Mit diesen Maßnahmen wollen sich Stuttgart und Region künftig schützen

Professor Jörn Birkmann von der Uni Stuttgart erklärte deshalb gegenüber dem ZDF: „Extremereignisse können nicht vollständig beherrscht werden“, doch er sieht als wichtigen Ansatzpunkt, jetzt Schutzmaßnahmen für kommende Unwetter zu errichten. Beispielsweise erklärt Birkmann, man könne bestimmte Straßen schon für den Fall der Fälle vorbereiten, um sie bei extremen Niederschlagsmengen als „Ableitung“ für die Wassermassen zu verwenden. Außerdem müsse man besseren Schutz vor Geröllmassen schaffen, die bei Sturzfluten auf Wohnsiedlungen zurollen.

Er schlägt vor, sogenannte „Starkregen-Gefahrenkarten“ zu erstellen, um zu analysieren, was in kritischen Wetter-Situationen alles passieren kann, und wie man beispielsweise Krankenhäuser und Strommasten schützen kann. Und auch wenn vorerst wieder schönes Wetter für Baden-Württemberg vorhergesagt ist, sieht Birkmann genau jetzt die Chance, solche Maßnahmen anzupacken, um für kommende Unwetterlagen gewappnet zu sein.

Starkregen und Hochwasser: Gefahrenkarte soll schlimme Schäden verhindern - aber wie?

Das sieht auch Thomas Kiwitt, der Planungsdirektor des Verbands Region Stuttgart so. Er ist bereits seit vielen Jahren mit der Thematik betraut - und erklärte gegenüber der Stuttgarter Zeitung, er gehe davon aus, die Region sei „diesmal glimpflich davongekommen“. Da Experten sicher sind, dass es in Zukunft immer mehr heftige Starkregenereignisse geben wird, erstellt die Stadt Stuttgart aktuell eine neue detaillierte Starkregengefahrenkarte.

Denn in Zukunft will die Region schlimme Schäden verhindern, indem schon vorher bekannt ist, wo genau ein besonders hohes Risiko besteht. Mit Fördergeldern in Millionenhöhe wollen der Verband Region Stuttgart und die Stadt Stuttgart nun bis 2023 ein digitales, webbasiertes Informations- und Beratungstool erstellen, auf das alle Kommunen in der Region zugreifen können.

Starkregen und Hochwasser: Weitere Maßnahmen für Baden-Württemberg geplant

Es soll Entscheidungshilfen für künftige Schutzmaßnahmen vor Extremwetter bieten und Strategien für konkrete Maßnahmen anbieten. So sollen vor allem kleine Kommunen dazu angeregt werden, teure Analysen und Schutzmaßnehmen in Angriff zu nehmen. Und das Projekt wird sogar schon ausprobiert - und zwar in einem gemeinsamen Modellversuch mit dem Landkreis Böblingen.

HotspotGefahr für extreme Hitze
BluespotGefahr für Überflutung

Hotspots und Bluespots werden mithilfe einer genauen Gefahrenanalyse ausfindig gemacht - daraus entstehen für jede Kommune individuelle Karten, die besonders gefährdete Flecken auf der Karte zeigen. Doch dies ist nicht die einzige Idee, um künftige Unwetter besser zu überstehen. Die Landesanstalt für Umwelt will noch in diesem Herbst eine Warn-App vor Sturzfluten freischalten, die Anwohner in Risikogebieten vor drohender Gefahr warnt.

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